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Lebersche hereditäre Optikusneuropathie

nach ihrem Erstbeschreiber Theodor Leber (1840- 1917)
Synonyme: Leber'sche Optikusneuropathie, Lebersche hereditäre Optikusnekrose, Lebersche hereditäre Optikusatrophie, Lebersche Optikusatrophie
Englisch: Leber hereditary optic neuropathy, LHON

1 Definition

Die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie, kurz LHON, ist eine erblich bedingte Mitochondriopathie, die zu einer progredienten Degeneration retinaler Ganglienzellen führt.

2 Epidemiologie

Betroffen sind meist Männer mittleren Lebensalters. Die Inzidenz der Erkrankung liegt bei 1 zu 50.000 bis 1 zu 100.000.

3 Ätiologie

Die LHON ist eine Erbkrankheit, die durch eine Punktmutation der mitochondrialen DNA (mtDNA) verursacht wird. Da Spermien keine Mitochondrien in die Zygote mit einbringen, handelt es sich um einen maternalen Erbgang. Die Mutter ist meist symptomfrei (Konduktorin).

4 Pathogenese

4.1 Genetik

Als Ursache der LHON sind verschiedene Missense-Punktmutationen der mtDNA identifiziert worden, 4 Primärmutationen und 9 Sekundärmutationen, deren pathophysiologischer Entstehungsmechanismus nicht eindeutig geklärt ist. Anzunehmen ist die hohe Exposition der mtDNA gegenüber Sauerstoffradikalen.

Die Mutationen betreffen mtDNA-Genloci, die für mitochondriale Enzyme und Proteine der Atmungskette codieren. Sie verursachen eine Fehlexpression mit einhergehendem Funktionsverlust ihrer Genprodukte. Mögliche Defekte betreffen:

  • Komplex I (NADH-Dehydrogenase): Häufigster Defekt, zurückzuführen auf eine Mutation an Position 11778
  • Komplex III
  • Komplex IV

Die Insuffizienz der Atmungskette verursacht einen absoluten ATP- Mangel mit nachfolgender Degeneration des betroffenen Gewebes.

Die Mutationen betreffen in der Regel alle mtDNA-Moleküle der Zelle (Homoplasmie). Die Penetranz der Erkrankung ist jedoch vergleichsweise gering. Betroffene Männer weisen ein Erkrankungsrisiko von 50%, Frauen von 10-15% auf.

4.2 Umweltfaktoren

Aufgrund der geringen Penetranz ist für die phänotypische Ausprägung der Erkrankung von einer maßgeblichen Mitbeteiligung von Umweltfaktoren auszugehen. Ein entsprechender Nachweis konnte aufgrund der Unzugänglichkeit des betroffenen Gebietes für Probeentnahmen jedoch noch nicht erbracht werden.

5 Klinik

Die mitochondrialen Veränderungen betreffen in erster Linie die retinalen Ganglienzellen des Nervus opticus, können sich jedoch auch in den Zellen des kardialen Reizleitungssystems manifestieren.

Klinisch tritt die LHON im mittleren Lebensalter (20.- 30. Lebensjahr) in Erscheinung. Symptomatisch äußert sie sich durch einen rasch progredienten Visusverlust bis hin zur Amaurose innerhalb weniger Wochen. Bei kardialer Manifestation können die Sehstörungen mit Herzrhythmusstörungen vergesellschaftet sein.

6 Diagnostik

6.1 Klinische Diagnostik

Die klinische Diagnostik beinhaltet:

6.2 Genetische Abklärung

Ein genetischer Nachweis der LHON erfolgt über die Bestimmung des Heteroplasmiegrades von Leukozyten. Verfahrenstechnisch wird extrahierte mtDNA mittels PCR amplifiziert, gespalten und gelelektrophoretisch aufgetrennt. Als Untersuchungsmaterial werden 2-5ml EDTA-Blut benötigt.

7 Therapie

Da es sich bei der LHON um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt, ist zur Zeit (2017) keine kausale Therapie möglich. Im September 2015 hat die EMA den Wirkstoff Idebenon (Raxone®) zur Behandlung von Sehstörungen bei jugendlichen und erwachsenen Patienten mit Leberscher Hereditärer Optikusneuropathie (LHON) zugelassen.[1]

Er wurde ursprünglich für die Therapie der Alzheimer-Krankheit entwickelt.

Idebenon führte in klinischen Studien bei einem Teil der Patienten zu einer gering- bis mäßiggradigen Leistungsverbesserung in Sehtests. Aufgrund der geringen Patientenzahl in den Zulassungsstudien und der relativ kurzen Produkthistorie ist die Bedeutung dieser Ergebnisse für den Patientenalltag nur schwer einzuschätzen. Nach Aussage des G-BA ist der Zusatznutzen von Idebenon nicht quantifizierbar.[2] Die monatlichen Therapiekosten für einen Patienten betragen rund 4.500 Euro.

8 Quellen

  1. The European Commission granted a marketing authorisation valid throughout the European Union for Raxone on 8 September 2015.
  2. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage XII - Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V – Idebenon vom 17. März 2016

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