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Kohlenmonoxidvergiftung

Synonym: Kohlenmonoxidintoxikation, CO-Intoxikation
Englisch: carbon monoxide intoxication, CO poisoning

1 Definition

Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist eine Intoxikation, die durch das Einatmen von Kohlenmonoxid entsteht. Sie ist eine häufige Form der Rauchgasvergiftung und kann bereits innerhalb eines kurzen Zeitfensters zum Tod führen.

2 Epidemiologie

In Deutschland ist die Kohlenmonoxidvergiftung die häufigste akzidentelle Vergiftung. Pro Jahr kommt es zu etwa 3.700 Klinikeinweisungen und ungefähr 370 Todesfällen.[1]

3 Ursachen

Kohlenmonoxid entsteht bei Verbrennungsprozessen ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr. Ursache sind daher vor allem defekte Öfen und Schornsteinanlagen, Schwelbrände in abgeschlossenen Räumen und Suizidversuche mit Abgasen.

4 Pathophysiologie

Kohlenmonoxid besitzt im Vergleich zu Sauerstoff eine etwa 240 bis 300-fach höhere Affinität zum Hämoglobin. Kohlenmonoxid diffundiert nach der Inhalation rasch durch die Alveolarmembranen und bindet reversibel an das zweiwertige Häm-Eisen des Hämoglobins. Dabei bildet sich Carboxyhämoglobin (COHb). Die Aufnahme von Sauerstoff wird dadurch blockiert, was zu einem verminderten Sauerstoffgehalt im Blut führt. Durch die zusätzliche erschwerte Abgabe des Sauerstoffs im Gewebe wird die Sauerstoffbindungskurve nach links verschoben.

In den Geweben selbst führt die Bindung von CO an die Cytochrome zu einer Blockierung der mitochondrialen Atmungskette. Es bilden sich reaktive Sauerstoffspezies, die in stark sauerstoffabhängigen Geweben wie dem Myokard und dem Nervengewebe rasch Apoptosen und Nekrosen auslösen.

Aufgrund der hohen Hämoglobinaffinität von CO sind die kritischen Gaskonzentrationen in der Atemluft sehr gering. Bereits ab einer CO-Konzentration von nur 0,0035 % (35 ppm) kann es innerhalb von 6-8 Stunden zu ersten Symptomen kommen. Eine Konzentration von 0,08 % (800 ppm) führt innerhalb von 2 Stunden zur Bewusstlosigkeit. Bei einem Atemluftanteil von 1,28 % CO (12.800 ppm) tritt innerhalb weniger Minuten der Tod ein.

5 Einteilung

Man unterscheidet:

  • akute Kohlenmonoxidvergiftung
  • chronische Kohlenmonoxidvergiftung

6 Klinik

Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Dyspnoe und Übelkeit. Die Atmung kann im Sinne einer Cheyne-Stokes-Atmung verändert sein. Mit fortschreitendem Einatmen kommt es zu Bewusstlosigkeit und Tod. Zu beachten ist, dass bei einer Kohlenmonoxidvergiftung keine Zyanose festzustellen ist. Im Gegenteil ist der Patient rosig verfärbt, da der Komplex aus Hämoglobin und Kohlenmonoxid rosa erscheint.

Bei einer chronischen Kohlenmonoxidvergiftung kommt es zu einer allgemeinen Leistungsminderung.

Hb-CO-Komplex (Anteil) Symptome
3-5%

5-15%

10-20%

20-30%

30-40%

40-60%

60-70%

> 70%
Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit

leichte, messbare Sehschwäche

leichte Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unwohlsein

Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Schlaffheit, Lähmung

Rosafärbung der Haut, Bewusstseinsverlust

tiefe Bewusstlosigkeit, Lähmungen, verminderte Körpertemperatur

tödlich in 10 Minuten bis 1 Stunde

tödlich in wenigen Minuten

7 Diagnose

Die Diagnose ist aus dem Zusammenhang zwischen Auffindebedingungen und dem Erscheinungsbild und der Symptomatik heraus zu stellen. Kohlenmonoxid kann im Blut durch die Bestimmung von Carboxyhämoglobin nachgewiesen werden.

  • CAVE: Bei der Blutentnahme müssen Röhrchen mit Vakuummechanismus verwendet werden. Die Ergebnisse können ansonsten durch eine Oxygenierung des Hämoglobins verfälscht werden.

8 Therapie

Die Therapie besteht in einer sofortigen Beatmung mit reinem Sauerstoff (Hyperbare Oxygenation). Die Zufuhr von Frischluft ist bei ausgeprägten Vergiftungen nicht ausreichend, da die Eliminationshalbwertzeit von CO über 5 Stunden beträgt. Eine im Rahmen der Vergiftung entstehende Azidose kann mit Bikarbonat ausgeglichen werden.

Bei Auffinden eines Patienten mit Kohlenmonoxidvergiftung ist auch stets an den Selbstschutz zu denken. Die Frischluftzufuhr muss unbedingt hergestellt sein, um die Vergiftung des helfenden medizischen Personals zu verhindern.

9 Quellen

  1. Kaiser G, Schaper A: Akute Kohlenmonoxidvergiftung. Notfall + Rettungsmedizin 2012; 15: 429–35.

Fachgebiete: Toxikologie

Gast
Wird die O2-Bindungskurve nicht vielmehr nach rechts verschoben, wenn durch die CO-Bindung die O2-Affinität sinkt?
#1 am 03.07.2013 von Gast (Studentin der Zahnmedizin)

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