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Human Leukocyte Antigen

(Weitergeleitet von HLA)

Abkürzung: HLA
Synonyme: Gewebsantigen, Histokompatibilitätsantigen, Transplantationsantigen, MHC-Antigen

1 Definition

HL-Antigene sind in der Zellmembran verankerte Glykoproteine, die zu den Immunglobulinen gezählt werden. Sie bilden die individuelle "Signatur" der Zellen und spielen eine Schlüsselrolle bei der Unterscheidung zwischen körpereigenen und körperfremden Strukturen durch das Immunsystem.

2 Genetik

Die Gene für alle HLA-Proteine mit Ausnahme des β-Mikroglobulins (Chromosom 15) befinden sich in der Nähe des Centromers auf dem Chromosom 6 und lassen sich topographisch in drei Klassen einteilen. Diese Gene werden als Haupthistokompatibilitätskomplex (Major Histocompatibility Complex, MHC) bezeichnet. Sie sind durch eine besonders hohe Variabilität gekennzeichnet.

3 Einteilung

3.1 HLA-Klasse-I-Merkmal

HLA-Klasse-I-Moleküle bestehen aus einer transmembranär an der Zelloberfläche verankerten α-Kette an die auf der extrazellulären Seite ein β2-Mikroglobulin angelagert ist. Im gesamten Molekül lassen sich 4 Abschnitte oder "Domänen" unterscheiden: Die α-Kette stellt 3 Domänen (α1 - α3), das β2-Mikroglobulin die vierte Domäne des Komplexes.

Die 3 extrazellulär gelegegen Alpha-Proteinketten zeigen eine hohe Variabilität in der Aminosäuresequenz, während das Beta-2-Mikroglobulin-Protein der konstante Teil ist. Wie alle Membranproteine weist die membranständige Alpha-3-Domäne einen hydrophoben Teil auf, der zytoplasmatische Teil eine polare Aminosäure, vornehmlich Tyrosin, das phosphoryliert wird, und so zur Regulierung des Rezeptors beiträgt. Die extrazellulären Teile des Moleküls (α1 und α2) bilden 2 Arme (Helices) aus, die am Boden durch sogenannte Beta-Ketten verbunden sind und eine Grube bilden, mit der Peptide gebunden werden können. Die Grube ist räumlich klein und kann Peptide mit bis zu 10 Aminosäuren binden. Diese Peptide sind üblicherweise Fragmente, die beim Abbau von zelleigenen Proteinen im Proteasom gebildet und an der Zelloberfläche immunkompetenten Zellen (beispielsweise CD8+-T-Lymphozyten) präsentiert werden. Auf diese Weise lassen sich körpereigene von fremden Zellen unterscheiden. HLA-Klasse-I-Moleküle finden sich auf allen kernhaltigen Körperzellen. Zu ihnen gehören die Isotypen HLA-A, HLA-B und HLA-C.

3.2 HLA-Klasse-II-Merkmal

HLA-Klasse-II-Moleküle (MHC-II-Rezeptor) bestehen aus einer schweren α-Kette und einer leichten β-Kette. Im Gegensatz zu den Klasse-I-Molekülen sind hier beide Ketten in der Zellmembran verankert. Das Molekül besteht aus 4 extrazellulären Domänen (α1 und α2 sowie β1 und β2). Auch dieser Komplex bildet eine Grube, die von der α1 und β1 Domäne geformt wird. Auf der Außenseite der Beta-2-Kette bindet das Co-Rezeptor-Protein CD4. Die Grube ist etwas größer als die der HLA-Klasse-I-Moleküle. Der Rezeptor kann Antigene von einer Größe aufnehmen, die bis zu 20 Aminosäuren umfassen. Zu den HLA-Antigenen der Klasse II gehören die Isotypen HLA-DP, -DQ, -DR sowie DN und DO.

HLA-Klasse-II-Moleküle (MHC-II-Rezeptoren) finden sich nur auf antigenpräsentierenden Zellen, wie B-Zellen, phagozytierenden Zellen (z.B. Makrophagen) und dendritischen Zellen der Haut (Langerhans-Zellen).

Die im Rahmen der Phagozytose aufgenommenen Proteine und Peptide werden lysosomal abgebaut, am glatten endoplasmatischen Retikulum mit dem MHC-II-Rezeptor verbunden und in der Außenmembran des Makrophagen zusammen mit dem CD-4-Rezeptor präsentiert, an den die T-Helfer-Zellen andocken. Erst dann können die T-Helfer-Zellen immunologisch aktiv werden, indem die humorale Immunantwort in den B-Lymphozyten induziert wird und Zytokine sezerniert werden, die das Phagozytoseverhalten der Makrophagen stimulieren.

3.3 HLA-Klasse-III-Merkmal

Zu den Klasse-III-Molekülen gehören die Komplementfaktoren C2 und C4 sowie Bf. Im Gegensatz zu den anderen Klassen handelt es sich hierbei um Plasmaproteine, die an der unspezifischen Immunabwehr beteiligt sind.

4 Nomenklatur

Der Name eines HLA-Antigene setzt sich aus 3 Teilen zusammen:

  1. der Abkürzung "HLA"
  2. dem Buchstaben, der den Isotyp bezeichnet (z. B. HLA-B)
  3. einer Ziffer, die die spezifische Antigenvariante bezeichnet (z. B. HLA-B27).

5 Beispiele

6 Medizinische Bedeutung

HLA-Antigene dienen der Bestimmung der Histokompatibilität, die für den Erfolg von Transplantationen entscheidend ist. Je ähnlicher sich die HLA-Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist die Gefahr von Abstoßungsreaktionen. Identische HLA-Merkmale finden sich nur bei eineiigen Zwillingen oder Klonen.

Eine weitere wichtige Bedeutung kommt den HLA-Antigenen durch die HLA-Typisierung zu. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass viele Krankheiten mit bestimmten HLA-Antigenen assoziiert sind. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf das Krankheitsrisiko ziehen.

Unter Phenytoin-Behandlung ist das Vorliegen des Antigen HLA-B*1502 bei einigen Patientengruppen (Han-Chinesen und Thai) ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Hautreaktionen (SJS, TEN).

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Fachgebiete: Immunologie

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