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Distale Radiusfraktur

1 Definition

Unter der distalen Radiusfraktur versteht man einen Knochenbruch im Bereich des distalen Radius.

2 Epidemiologie

Die distale Radiusfraktur macht ein Viertel aller Frakturen aus. Es ist die häufigste Fraktur des erwachsenen Menschen. Diese Fraktur betrifft häufig jüngere Männer und Frauen in der Postmenopause. In mehr als 80% der Fälle handelt es sich um eine Extensionsfraktur und in ca. 20% um eine Flexionsfraktur.

3 Ätiopathogenese

Die distale Radiusfraktur kann durch indirekte und direkte Gewalteinwirkung hervorgerufen werden. Am häufigsten ist die direkte Gewalteinwirkung durch einen Sturz auf die Hand.

Ist die Hand beim Sturz dorsalextendiert, resultiert eine Extensionsfraktur, die auch als Colles-Fraktur bezeichnet wird. Dabei kommt es zur Dislokation der Fragmente nach radial und palmar, sodass die typische Fehlstellung in Form eines Bajonetts resultiert.

Eine Flexionsfraktur entsteht beim Sturz auf die palmarflektierte Hand und wird auch als Smith-Fraktur bezeichnet. Bei dieser Form dislozieren die Fragmente nach radial und nach dorsal, und die Ulna tritt prominent hervor, sodass die typische Fehlstellung in Form einer Gabel resultiert.

Die Kombination aus distaler Radiusfraktur und Luxation der Ulna im distalen Radioulnargelenk wird als Galeazzi-Fraktur bezeichnet.

4 Historische Formen

Fraktur Verletzungsmuster
Barton-Fraktur Intraartikuläre dorsale Zweifragmentfraktur
Chauffeur-Fraktur Intraartikuläre Fraktur mit Absprengung des Processus styloideus
Colles-Fraktur Extensionsfraktur, Dislokation des distalen Bruchstücks nach radial und dorsal
Galeazzi-Fraktur Extraartikuläre Fraktur (distale Schaftfraktur) mit Riss der Membrana interossea
Smith-Fraktur Flexionsfraktur, Dislokation nach palmar

5 Klassifikation

Die AO-Klassifikation unterscheidet zwischen extraartikulären Frakturen, partiellen Gelenkfrakturen und vollständigen Gelenkfrakturen.

5.1 Extraartikuläre Frakturen

Man unterteilt:

  • 23-A1: Fraktur der Ulna, Radius intakt
  • 23-A2: einfache, impaktierte Fraktur des Radius
  • 23-A3: mehrfragmentäre Fraktur des Radius

5.2 Partielle Gelenkfrakturen

Man unterscheidet:

  • 23-B1: Fraktur in der Sagittalebene
  • 23-B2: Fraktur der dorsalen Kante
  • 23-B3: Fraktur der palmaren Kante

5.3 Vollständige Gelenkfrakturen

Man unterteilt:

  • 23-C1: artikulär einfache, metaphysäre einfache Fraktur
  • 23-C2: artikulär einfache, metaphysäre Mehrfragmentfraktur
  • 23-C3: mehrfragmentäre Fraktur

6 Klinik

Die betroffenen Patienten haben starke Schmerzen. Häufig sieht man eine Fehlstellung (Fourchette-Stellung oder Bajonett-Stellung), eine Schwellung und ein Hämatom.

6.1 Begleitverletzungen

Begleitende Weichteilverletzungen sind möglich. Ein Kompressionssyndrom des Nervus medianus sowie die Verletzung von anderen Nerven und der Arteria radialis können ebenfalls als Begleitverletzung auftreten.

7 Diagnostik

Die Klinik weist häufig schon auf die Diagnose hin. Im Rahmen der klinischen Untersuchung sollten Durchblutung, Motorik und Sensibilität überprüft werden.

Anhand von Röntgenbildern in zwei Ebenen kann die Diagnose gesichert werden.

8 Therapie

Stabile extraartikuläre Frakturen sowie gering dislozierte intraartikuläre Frakturen können konservativ behandelt werden. Nach Reposition der Fraktur erfolgt eine Ruhigstellung in einer Gipsschiene über vier bis sechs Wochen.

Eine operative Behandlung ist indiziert bei Flexionsfrakturen, offenen Frakturen, bei instabilen Frakturen, irreponiblen Frakturen, Trümmerfrakturen, dislozierten intraartikulären Frakturen und bei sekundär dislozierten Frakturen. Die Fraktur wird dabei osteosynthetisch mittels Schraubenosteosynthese, Plattenosteosynthese, Kirschner-Drähte oder ggf. primär auch durch einen Fixateur externe versorgt.

9 Prognose

Die Schwere der Fraktur bestimmt die Prognose. Bei einfachen Frakturen ist sie gut, bei komplizierten Frakturen mit ausgeprägter Gelenkbeteiligung kann eine Funktionseinschränkung verbleiben.

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Fachgebiete: Chirurgie

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