Zoster disseminatus
Definition
Der Zoster disseminatus ist eine schwere Verlaufsform des Herpes zoster, bei der es zu einer hämatogenen Ausbreitung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) kommt. Er ist durch mehr als 20 vesikuläre Hautläsionen außerhalb des primär betroffenen Dermatoms und/oder durch den Befall innerer Organe gekennzeichnet.
Pathogenese
Nach einer Primärinfektion mit VZV (Varizellen) persistiert das Virus lebenslang in den sensorischen Spinal- oder Hirnnervenganglien. Beim Zoster disseminatus kommt es infolge einer unzureichenden zellulären Immunantwort zu einer unkontrollierten Virusvermehrung mit systemischer Ausbreitung.
Risikogruppen
Wichtige Risikogruppen für einen Zoster disseminatus sind:
- Immunsupprimierte Patienten (z. B. bei HIV, Malignomen, Organtransplantation, Stammzelltransplantation)
- Patienten unter Chemotherapie, hochdosierter Kortikosteroidtherapie oder Immunmodulatoren (z.B. JAK-Inhibitoren, TNF-Blocker)
- Ältere Menschen mit Immunseneszenz
Klinisches Bild
Klinisch zeigt sich ein generalisiertes vesikuläres Exanthem, das den Varizellen ähnelt. Die Körpertemperatur ist erhöht (Fieber), der Allgemeinzustand reduziert. Zusätzlich zum Hautbefall sind Organmanifestationen möglich, z. B.:
Diagnostik
- Klinische Beurteilung des Hautbefundes
- Virusnachweis mittels PCR aus Bläscheninhalt oder Blut
Bei Verdacht auf Organbeteiligung sind weiterführende Laboruntersuchungen, eine Liquordiagnostik oder eine Bildgebung indiziert.
Differentialdiagnose
- disseminierte Herpes-simplex-Infektion
- Arzneimittelexanthem
- Herpes zoster localisatus: Befall auf ein Dermatom begrenzt
- Varizellen: Primärinfektion, meist im Kindesalter
Therapie
Aufgrund der Schwere des Krankheitsbilds ist eine stationäre Behandlung erforderlich. Der Patient muss isoliert werden, da eine hohe Kontagiosität besteht. Neben supportiven Maßnahmen erfolgt eine sofortige antivirale Therapie mit Virostatika, in der Regel Aciclovir i.v.
Prognose
Ohne rasche Therapie kann der Zoster disseminatus lebensbedrohlich verlaufen. Bei frühzeitiger antiviraler Behandlung ist die Prognose deutlich besser.