Vorderer Kreuzbandriss
Synonyme: Ruptur des vorderen Kreuzbandes, VKB-Ruptur
Englisch: anterior cruciate ligament rupture, ACL rupture
Definition
Ein vorderer Kreuzbandriss ist eine partielle oder vollständige Ruptur des Ligamentum cruciatum anterius im Kniegelenk. Er stellt eine häufige Form der Kreuzbandruptur dar und führt zu einer anterolateralen Instabilität des Kniegelenks.
Anatomischer Hintergrund
Das Ligamentum cruciatum anterius entspringt an der Area intercondylaris anterior der Tibia und zieht nach dorsolateral zur medialen Fläche des Condylus lateralis des Femur.
Funktionell begrenzt es:
- die anteriore Translation der Tibia gegenüber dem Femur
- Rotationsbewegungen im Kniegelenk
Ätiologie
Der vordere Kreuzbandriss entsteht meist durch ein indirektes Trauma mit Rotations- und Valgusbelastung des Kniegelenks, typischerweise bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln oder Landungen nach Sprüngen (z.B. Fußball, Handball oder Skifahren).
Begleitverletzungen sind häufig, insbesondere:
Die Kombination aus VKB-Ruptur, medialer Meniskusverletzung und Kollateralbandruptur wird als Unhappy Triad bezeichnet.
Symptome
In der Akutphase treten typischerweise auf:
- Schmerz im Kniegelenk
- rasche Gelenkschwellung durch Hämarthros
- Bewegungseinschränkung
Im weiteren Verlauf können auftreten:
- Instabilitätsgefühl
- Giving-way-Phänomen
- belastungsabhängige Schmerzen.
Diagnostik
Der wichtigste klinische Test ist der Lachman-Test, der eine erhöhte ventrale Verschieblichkeit der Tibia zeigt. Weitere Untersuchungsmethoden sind:
Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Kniegelenks ist die Methode der Wahl zur Diagnosesicherung. Sie ermöglicht die Darstellung der Bandruptur sowie häufiger Begleitverletzungen an Meniskus, Knorpel und Knochen.
Therapie
Die Therapie kann je nach Indikation sowohl konservativ als auch chirurgisch (minimalinvasiv mittels Arthroskopie) erfolgen.
Eine mögliche Komplikation/Spätfolge ist die Kniegelenksarthrose.
Konservativ
Oft kann eine ausreichende Stabilität in 6 Wochen erreicht werden durch:
- Physiotherapeutischen Muskelaufbau
- Schienung mittels Orthese (Knie-Brace)
Healing-Response
Durch das Healing-Response-Verfahren (nach Richard Steadman) kann bei frischen Rupturen des vorderen Kreuzbandes eine ca. 80%ige Erfolgsrate erzielt werden. Hierbei wird das Knochenmark im Kreuzbandbereich punktiert, sodass Stammzellen austreten und sich im weiteren Verlauf der konservativen Behandlung zu Fibroblasten (Tendinozyten) ausdifferenzieren können.
Chirurgisch
- Kreuzbandnaht
- Kreuzbandplastik
- Fixierung per Schraube, Drahtnaht (bei knöchernem Ausriss)
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