Untersuchung des Euters (Wiederkäuer)
Definition
Die Untersuchung des Euters bei Wiederkäuern dient der Diagnose von Eutererkrankungen wie Mastitis oder Abszessen. Sie umfasst klinische Verfahren wie Adspektion, Palpation sowie bakteriologische und zytologische Tests. Ergänzende Untersuchungen wie Ultraschall oder Feinnadelbiopsie können zur genauen Abklärung eingesetzt werden.
Hintergrund
Das Euter ist eine zusammengesetzte, tubuloalveoläre (Milch-) Drüse.
Man unterscheidet:
- das Drüsenparenchym mit interstitiellem Bindegewebe
- das Hohlraumsystem, bestehend aus:
- großen Milchgängen
- Drüsenzisterne
- Zitzenzisterne
- Strichkanal
Rinder
Das Rind besitzt vier Euterviertel:
- rechtes vorderes (rv)
- rechtes hinteres (rh)
- linkes vorderes (lv)
- linkes hinteres (lh)
Kleine Wiederkäuer
Kleine Wiederkäuer (Schaf, Ziege) besitzen zwei Euterhälften.
Neuweltkameliden
Neuweltkameliden (Alpakas, Lamas) besitzen vier Zitzen mit je zwei Strichkanälen, die in voneinander getrennte Zitzen- und Drüsenzisternen münden. Es liegen insgesamt acht getrennte Mammakomplexe vor.
Durchführung der Euteruntersuchung
Adspektion
Die Adspektion erfolgt von hinten und von der linken und rechten Seite. Dabei ist auf Asymmetrien, Formveränderungen der einzelnen Viertel, Nebenzitzen, Afterzitzen, Zwischenzitzen und Fisteln zu achten.
Palpation
Rind
Beim Rind werden alle vier Viertel vergleichend palpiert.
Die Untersuchung umfasst:
- Besichtigung der Strichkanalmündungen
- Walkende Palpation der Strichkanäle
- (physiologisch: strohhalmdick, 8–15 mm)
- Walkende Palpation der Zitzenzisternenschleimhaut
- (physiologisch: zwei parallel verlaufenden Umschlagstellen)
- Palpation des Eingangs in die Drüsenzisterne
- (physiologisch: Öffnung mit einer Fingerbeere tastbar)
- Palpation des Fürstenberg'schen Venenrings im Überganz vom procimalen Zitzenansatz zum Euterparenchym
- Palpation des Drüsenparenchyms mit beiden Händen
- Überprüfung der Verschieblichkeit der Euterhaut
Physiologischer Tastbefund: Gesäuge/Euterviertel weich-elastisch, nicht schmerzhaft, Haut verschieblich.
Bei trockenstehenden Kühen sind die sezernierenden Drüsenalveolen vollständig zurückgebildet, sodass nur die großen Milchgänge tastbar sind. Die Euterhaut ist lose, schlaff.
Besonderheiten bei Neuweltkameliden
Neuweltkamelide dulden die Palpation in der Regel nur widerwillig, daher ist eine gute Fixierung essentiell. Das Abmelken ist wegen der kurzen Zitzen und Abwehrbewegungen schwierig. Man erhält nur sehr geringe Milchmengen pro Melkung.
California Mastitis Test (CMT)
Hintergrund
Der California Mastitis Test (Schalmtest) ist die erste diagnostische Maßnahme zur Kontrolle der Viertelgemelke mittels aseptischer Milchprobenentnahme mit bakteriologischer Untersuchung. Der CMT gibt ausschließlich Auskunft über den Zellgehalt der Milch. Die Zellzahl liegt beim gesunden Euter zwischen 10.000 und 100.000 Zellen/ml und wird beeinflusst durch Alter, Rasse und Laktationsstadium. Der Test ist besonders wichtig zur Diagnostik subklinischer Mastitiden.
Die Testflüssigkeit (Schalmflüssigkeit) enthält ein anionisches Detergens (Alkyl-Aryl-Sulfonat) und einen Indikator (Bromkresolpurpur). Durch die Freisetzung von DNA aus den Zellen kommt es je nach Zellgehalt zu einem negativem Ergebnis oder Schlieren-, Gel- oder Pfropfbildung.
Der CMT ersetzt nicht die bakteriologische Untersuchung.
Durchführung
Eine Desinfektion der Zitzen und Verwerfen der ersten Milchstrahlen ist beim CMT nicht notwendig, da Fremdkörper das Ergebnis nicht beeinflussen. Aus jedem Viertel wird Milch in eine separate Schale gemolken. Aus den Schalen wird anschließend überschüssige Milch abgegossen, sodass ca. 3 ml verbleiben. Danach wird die gleiche Menge Schalmflüssigkeit zugesetzt. Durch langsam kreisende Bewegungen wird der Inhalt vermischt.
Die Reaktion tritt nach wenigen Sekunden ein und muss sofort beurteilt werden.
Beurteilt werden die Schlierenbildung (indirekte Zellzahlbestimmung) und die Farbreaktion (pH-Wert).
Befundung
Die Befundung bezieht sich auf das Gemelk der einzelnen Viertel.
- Physiologisch: Die Milch verbleibt flüssig und setzt keine Schlieren an. Es findet keine Farbreaktion statt.
- Pathologisch: Die Milch bildet Schlieren und leichte Farbveränderung findet statt. Ein kompletter Farbumschlag und gummiartige Schlierenbildung deuten auf eine Entzündung des Euterviertels und bedeuten dass die Milch nicht verkehrsfähig ist.
Pathologischer Befund
- Asymmetrie
- Gesäugekomplex/Euterviertel (rv, lv, rh, lh) derb, knotig, vermehrt warm, gerötet, ödematös verändert, schmerzhaft
- Eutersekret serös, rötlich, gelb, mit kleinen oder großen Flocken
- Euterhaut kalt, blau oder rot
- Milchmenge reduziert
Mögliche Ursachen pathologischer Befunde
Rind
Weitere Funktionsstörungen:
- Agalaktie (z.B. bei endokrinen Störungen oder Fehlernährung)
- verminderte Milchleistung
Bei Neuweltkameliden kommen zusätzlich eine fehlende oder verminderte Milchleistung (häufig durch Nährstoffunterversorgung) auf Basis der Gewichtsentwicklung (und Verhalten) der Fohlen als Ursache in Frage.
Quelle
- Baumgartner et al., Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere, 2014
- Tiergesundheitsdienst Bayern, Schalmtest