TESE
Definition
Unter einer testikulären Spermienextraktion, kurz TESE, versteht man ein reproduktionsmedizinisches Verfahren, bei dem Samenzellen (Spermien) im Rahmen einer Hodenbiopsie operativ gewonnen werden.
Indikation
Die Anwendungsgebiete einer TESE umfassen eine obstruktive und sekretorische Azoospermie und Erkrankungen, bei denen die Ejakulation nicht gewährleistet ist wie bei einer erektilen Dysfunktion, multipler Sklerose oder Paraplegie. Ob eine TESE bei einem schweren OAT oder bei Kryptozoospermie einen Benefit hinsichtlich der Spermienqualität bringt, ist nicht abschließend geklärt.
Erfolgsrate
Die Erfolgsrate einer TESE hängt von der Indikation ab. Bei einer obstruktiven Azoospermie, wie nach Vasektomie oder bei Aplasie des Vas deferens, bestehen sehr gute Chancen, im Biopsat Spermien zu gewinnen. Bei einer sekretorischen Azoospermie variieren die Erfolgsraten enorm.
Kontraindikation
Die Kontraindikationen umfassen:
- ausgeprägte Fibrose oder Hodenatrophie
- akute Orchitis oder Epididymitis
- nachgewiesene AZF-a Deletion: Hier ist genetisch bedingt nur ein Sertoli-Cell-Only-Syndrom zu erwarten
Methode
Der operative Eingriff erfolgt in der Regel ambulant unter Lokalanästhesie. Der Hoden wird über einen kleinen Hautschnitt am Skrotum (1-2 cm) freigelegt und Biopsate in der Regel an mehreren Stellen des Hodens entnommen. Nach der Entnahme wird das Hodengewebe aufbereitet und auf das Vorhandensein von Spermien untersucht. Werden Spermien nachgewiesen, können sie im Rahmen einer ICSI-Behandlung zur Befruchtung einer Eizelle verwendet werden. Von einer sogenannten "Frisch-TESE" spricht man, wenn frische Spermien für eine ICSI gewonnen werden. Bei der "Kryo-TESE" kommt gefrorenes Hodenbiopsat zur Spermiengewinnung für eine ICSI zum Einsatz.
Mögliche Komplikationen
- Hämatom
- Skrotalödem
- Epididymitis
- Verletzung von Blutgefäßen oder Nerven im Bereich des Hodensacks
- Testosteronabfall