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Subclavian-Steal-Syndrom

von Englisch: steal - stehlen
Synonyme: Vertebralisanzapfsyndrom, Subclaviastenose

1 Definition

Das Subclavian-Steal-Syndrom bezeichnet eine Hypoperfusion der hirnversorgenden Arterien, durch eine Stenose des proximalen Segmentes der Arteria subclavia (linkseitig) oder des Truncus brachiocephalicus (rechtsseitig).

2 ICD-10-Klassifikation

G45.89

3 Ätiologie

Mögliche Ursachen der Gefäßobliteration der Arteria subclavia sind:

4 Pathophysiologie

Die Pathophysiologie des Subclavian-Steal-Syndroms beruht auf einer Strömungsumkehr innerhalb der distal der Stenose gelegenen Arterien:

Durch eine Minderperfusion der Arteria brachialis bei gleichzeitigem Druckabfall innerhalb der nachgeschalteten Gefäße, entsteht schwerkraftbedingt ein in den Arm gerichteter Strömungsgradient.

5 Hämodynamik

Der retrograde Blutfluss in den hirnversorgenden Arterien kann abhängig vom Schweregrad der Stenose diskontinuierlich bei ansonsten normaler Hämodynamik oder kontinuierlich bestehen.

6 Klinik

Die Schwere der Symptomatik des Subclavian-Steal-Syndroms korreliert mit der hämodynamischen Beeinträchtigung. Bei normgerechter Hämodynamik der Arteria brachialis ist der Verlauf der Erkrankung meist asymptomatisch. Intermittierende paroxysmale Beschwerden gehen auf eine kurzfristige Unterbrechung der Blutversorgung durch Armbewegungen zurück.

Bei kontinuierlicher Strömungsumkehr besteht eine chronische Symptomatik.

Die Beschwerden beruhen auf einer Unterversorgung des basilären Endstromgebietes (vertebrobasiläre Insuffizienz) bei gleichzeitiger Ischämie des betroffenen Armes. Sie umfassen

7 Diagnostik

Routinediagnostisch sollte nach eingängiger Anamnese ein neurologischer Status und die körperliche Untersuchung des Patienten erfolgen. Aufgrund der Minderperfusion des ipsilateralen Armes besteht eine Seitenindifferenz von Blutdruck und Puls. Der Arm ist kalt und blass, ggf. besteht eine Hypästhesie. Auskultatorisch lassen sich Strömungsgeräusche über der Stenose feststellen.

Der diagnostische Nachweis und die hämodynamische Beurteilung erfordern eine Bildgebung mittels Duplexsonographie oder Angiographie.

7.1 Differentialdiagnostik

Differentialdiagnostisch sollte ein akuter arterieller Verschluss (Embolie) der Arteria subclavia und der hirnversorgenden Arterien (Arteria vertebralis, Arteria carotis interna), sowie ein Arteria-vertebralis-Syndrom ausgeschlossen werden.

8 Therapie

Die Therapie des Subclavian-Steal-Syndroms erfolgt in Abhängigkeit der hämodynamischen Beeinträchtigung durch gefäßchirurgische Intervention. Milde Stenosen können angioplastisch durch Ballondilatation und Stent-Implantation behoben werden. In schweren Fällen ist eine Umgehung der stenosierten Passage mittels Bypass indiziert.

zu Kommentaren: gemeint dürfte sein, dass die A.carotis comm. links zumeist aus dem Aortenbogen entspringt vor dem Abgang der linken A.subclavia aus der wiederum die linke A.vertebralis entspringt. Der steal-Effekt bezieht sich dann i.d.R. auf die Vertebralarterien, da die linke A.vert. die Gegenseite anzapft und retrograd oder im Pendelfluss durchströmt wird bei linksseitiger proximaler (vor vert.abgang) Subclaviastenose. Rechtsseitig müsste eine hochgradige Stenose der sehr proximalen A.subclavia ebenfalls vor Abzweigung der Vertebralarterie bestehen, was eher selten ist. Ein Anzapfphänomen das mit einer Flussumkehr der Carotis interna einhergeht entspricht einem Carotis-steal Syndrom, vorstellbar wohl z.B. bei hochgradiger Truncusstenose mit Beeinträchtigung des Abgangs der A.carotis comm. i.S. einer Carotis comm. Stenose rechts.
#3 am 10.01.2017 von dr. thomas weber (Arzt)
Hallo Herr Rothbart, haben Sie vielen Dank für ihren Kommentar zum Artikel. Das Flexikon ist als Mitmach-Service gedacht, d.h. Sie können jegliche Artikel auch direkt bearbeiten und verändern, oder eigene Artikel verfassen. Sollten zur Artikelbearbeitung oder Artikelerstellung Fragen bestehen, können Sie sich gerne an mich wenden! Mit freundlichem Gruß, Hannah Schulten
#2 am 04.01.2017 von Hannah Theresa Schulten (Mitarbeiterin von DocCheck)
zu 4): die A. carotis communis ist KEINE A. subclavia gespeiste Arterie! Sie entspringt aus der A. carotis communis. Eine Lage distal einer Stenose im Zusammenhang mit einem subclavian steal Syndrom ist für die A. carotis interna nur vorstellbar auf der rechten Körperseite, wo die A. subclavia und die A. carotis communis aus dem truncus brachiocephalicus entspringen.
#1 am 13.12.2016 von Andreas Rothbart (Arzt)

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