RoPE-Score
Definition
Mit dem RoPE-Score, kurz für Risk of Paradoxial Embolism-Score, wird die Wahrscheinlichkeit abgeschätzt, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einem kryptogenen embolischen Schlaganfall und einem persistierenden Foramen ovale (PFO) besteht. Eine Weiterentwicklung des Scores, die zusätzlich echokardiographische Kriterien betrachtet, ist die PASCAL-Klassifikation.
Hintergrund
Ein PFO kann unter bestimmten Umständen einen atrialen rechts-links-Shunts ermöglichen. Dabei können Emboli aus dem venösen System auf Vorhofebene in den arteriellen Kreislauf übertreten. Sogenannte paradoxe Embolien können einen Schlaganfall auslösen.
Das PFO ist eine häufige anatomische Variante. Angaben zur Prävalenz innerhalb der gesunden Bevölkerung variieren. In Autopsie- und TEE-Studien liegt diese bei etwa 24 %.[1] Bei Patienten mit kryptogenen embolischen Schlaganfällen (ESUS) findet sich mit etwa 40 bis 50 % eine deutlich höhere PFO-Rate.[1][2] Allerdings können kryptogene Embolien auch durch diverse andere Ursachen hervorgerufen werden (beispielsweise ein paroxysmales Vorhofflimmern).
Daher ist es bei Feststellung eines PFO bei ESUS-Patienten im Einzelfall kaum möglich, zwischen einer inzidentellen anatomischen Variante und einem tatsächlich kausalen Faktor zu unterscheiden.[2][3] Außerdem ist das Rezidivrisiko für ESUS-Patienten mit und ohne PFO nahezu identisch.[2][3] Dies erschwert die Indikationsstellung für einen PFO-Verschluss.
Der RoPE-Score wurde entwickelt, um Patienten zu identifizieren, bei denen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Kausalzusammenhang zwischen PFO und Embolie sowie ein erhöhtes Risiko für ein PFO-bedingtes Rezidiv besteht.[2] Diese sogenannten attributalen Risiken wurden anhand von Daten aus Kohortenstudien mithilfe des Bayes-Theorems errechnet.[2][4]
Errechnung
Im RoPE-Score können 0 bis 10 Punkte vergeben werden:[4]
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| keine arterielle Hypertonie in der Anamnese | 1 |
| kein Diabetes mellitus in der Anamnese | 1 |
| kein vorangegangener Schlaganfall (Hirninfarkt oder TIA) | 1 |
| Nichtraucher | 1 |
| kortikaler Infarkt in der Bildgebung | 1 |
| Alter in Jahren | je nach Altersgruppe |
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5 |
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4 |
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3 |
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2 |
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1 |
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0 |
Bewertung
Je höher die Punktzahl im RoPE-Score, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein vorliegender ESUS im Kausalzusammenhang mit einem nachgewiesenen PFO steht. Die aktuellen Leitlinien der DGN (2026) empfehlen einen PFO-Verschluss vornehmlich bei unter 60-Jährigen mit einem RoPE-Score von 7 bis 10,[3] da hier der PFO-attributable Anteil der Schlaganfälle über 70 % liegt.[3][4]
Leitlinie
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Koutroulou et al., Epidemiology of Patent Foramen Ovale in General Population and in Stroke Patients: A Narrative Review, Frontiers in Neurology, 2020.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Kent und Thaler, The Risk of Paradoxical Embolism (RoPE) Study: developing risk models for application to ongoing randomized trials of percutaneous patent foramen ovale closure for cryptogenic stroke, Trials, 2011.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Addendum Persistierendes Foramen ovale der S2k-Leitlinie Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – Teil 1: Plättchenhemmer, Vorhofflimmern, Hypercholesterinämie und Hypertonie der DGN im AWMF-Register, Stand 2022.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Kent et al, An index to identify stroke-related vs incidental patent foramen ovale in cryptogenic stroke, Neurology, 2013.