Rettungshubschrauber
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LoslegenSynonym: Rettungs-Transport-Hubschrauber
Englisch: helicopter emergency medical service, HEMS
Definition
Ein Rettungshubschrauber, kurz RTH, ist ein luftgebundenes Rettungsmittel, das überwiegend für Primäreinsätze mit Notarztindikation disponiert wird. Er dient der schnellen Zuführung eines notärztlichen Teams und kann Patienten unter medizinischer Überwachung in ein geeignetes Zielkrankenhaus transportieren.
Einsatzgebiete
Rettungshubschrauber werden durch die zuständige Leitstelle alarmiert. Typische Einsatzindikationen sind:
- schwere Traumata, z.B. Polytrauma
- Akutes Koronarsyndrom
- Schlaganfall
- Reanimation
- pädiatrische Notfälle
- schwer erreichbare Einsatzorte
- zeitrelevante Transporte in spezialisierte Kliniken
Der Zeitvorteil gegenüber bodengebundenen Rettungsmitteln hängt wesentlich von Entfernung, Verfügbarkeit, Wetter, Landeplatz und Transportziel ab. Eine Metaanalyse zeigte, dass der gezielte RTH-Einsatz – insbesondere bei schweren Traumata – mit einer reduzierten Mortalität assoziiert ist.[1]
In Deutschland betreiben u.a. ADAC Luftrettung und DRF Luftrettung Rettungshubschrauber-Stationen im Rahmen des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes.
Ausstattung
Die medizinische Ausstattung eines Rettungshubschraubers orientiert sich an der DIN EN 13718-2:2015+A1:2020.[2] Standardmäßig sind u.a. vorhanden:
- 12-Kanal-EKG
- Defibrillator
- Beatmungsgerät
- Perfusoren
- Material zum Atemwegsmanagement
- Sauerstoff
- Notfallmedikamente
- Immobilisations- und Transportausrüstung
Je nach Einsatzgebiet können zusätzliche Komponenten vorhanden sein, z.B. eine Rettungswinde, Spezialtragen oder Ausrüstung für Nachtflüge.
Besatzung
Die Besatzung eines Rettungshubschraubers besteht in der Regel aus:
- einem Piloten
- einem Notarzt
- einem Notfallsanitäter mit Zusatzqualifikation als HEMS Technical Crew Member
Bei Nachtflugbetrieb oder besonderen Einsatzprofilen können zwei Piloten oder zusätzliche Crewmitglieder erforderlich sein.
Pilot
Der Pilot ist für alle fliegerischen Aspekte des Einsatzes verantwortlich. Er entscheidet über Start, Flugroute, Landung und Abbruch eines Einsatzes. Gründe für eine Ablehnung können z.B. Wetter, Sichtverhältnisse, technische Einschränkungen oder ein ungeeigneter Landeplatz sein.
HEMS Technical Crew Member
Der HEMS Technical Crew Member unterstützt den Piloten u.a. bei Navigation, Kommunikation, Luftraumbeobachtung und Landung. Am Einsatzort wirkt er zusammen mit dem Notarzt an der Patientenversorgung mit. Nach dem Einsatz ist er an der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft beteiligt, z.B. durch Materialkontrolle, Auffüllen und Desinfektion.
Notarzt
Der Notarzt ist für die medizinische Versorgung des Patienten verantwortlich. Dazu gehören Diagnostik, Therapie, Transportentscheidung, Überwachung und die Auswahl eines geeigneten Zielkrankenhauses.[3]
Limitationen
Der Einsatz eines Rettungshubschraubers ist an medizinische, technische und einsatztaktische Grenzen gebunden.
Medizinische Limitationen
Medizinische Einschränkungen ergeben sich u.a. durch:
- begrenzten Kabinenraum
- eingeschränkten Zugang zum Patienten während des Fluges
- Lärm und Vibrationen
- begrenzte Möglichkeiten für invasive Maßnahmen während des Fluges
- limitierte Mitnahme zusätzlicher Personen oder umfangreicher Spezialausrüstung
- potenzielle Verschlechterung instabiler Patienten während Start, Flug oder Landung
Vor dem Transport muss daher abgewogen werden, ob eine Stabilisierung am Einsatzort, ein bodengebundener Transport oder ein luftgebundener Transport den größten medizinischen Nutzen bietet.
Einsatztaktische Limitationen
Einsatztaktische Einschränkungen sind u.a.:
- Wetter und Sichtverhältnisse
- Tageszeit und Nachtflugtauglichkeit der Station
- Verfügbarkeit eines geeigneten Landeplatzes
- Anflug- und Landerisiken
- Reichweite und Treibstoffreserve
- Zuladung und Gewichtsbeschränkungen
- Lärm- und Sicherheitsabstände am Einsatzort
Ein Rettungshubschrauber ist daher kein Ersatz für den bodengebundenen Rettungsdienst, sondern ergänzt diesen bei geeigneter Indikation.
Reichweite
Der Aktionsradius eines Rettungshubschraubers für Primäreinsätze beträgt häufig etwa 50 bis 70 km. Die tatsächliche Reichweite hängt vom Hubschraubermuster, der Beladung, Wetterbedingungen, Treibstoffreserve und einsatztaktischen Vorgaben ab.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Der Betrieb von Rettungshubschraubern unterliegt einer Vielzahl luftfahrt- und rettungsdienstrechtlicher Vorschriften. Auf europäischer Ebene regelt die EASA-Verordnung (EU) Nr. 965/2012 die Anforderungen an spezialisierte Luftfahrtoperationen, einschließlich HEMS. In Deutschland gelten ergänzend die Luftfahrt-Betriebsordnung (LuftBO) sowie die jeweiligen Landesrettungsdienstgesetze, die die Einbindung des Rettungshubschraubers in den öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst regeln.
Abgrenzung
Vom Rettungshubschrauber abzugrenzen ist der Intensivtransporthubschrauber, der vor allem für Sekundärtransporte intensivpflichtiger Patienten zwischen Kliniken eingesetzt wird. Einige Standorte nutzen Dual-Use-Konzepte, bei denen ein Hubschrauber sowohl für Primärrettung als auch für Intensivtransporte verwendet wird.
Quellen
- ↑ Enomoto Y, Tsutsumi Y, Kido T et al. Association between helicopter medical services for pediatric trauma patients and mortality: Systematic review and meta-analysis. Am J Emerg Med. 2024;85:196–201. doi: 10.1016/j.ajem.2024.09.015.
- ↑ DIN EN 13718-2:2015+A1:2020. Rettungsmittel – Luftrettungsmittel – Teil 2: Anforderungen an Luftrettungsmittel. Beuth Verlag; 2020.
- ↑ Knapp J, Häske D, Böttiger BW et al. Influence of prehospital physician presence on survival after severe trauma: Systematic review and meta-analysis. J Trauma Acute Care Surg. 2019;87(4):978–989. doi: 10.1097/TA.0000000000002444.