Postreperfusionssyndrom
Englisch: postreperfusion syndrome
Definition
Das Postreperfusionssyndrom, kurz PRS, bezeichnet eine akute hämodynamische Instabilität, die unmittelbar nach der Reperfusion eines Transplantats auftritt. Charakteristisch sind ein plötzlicher Abfall des mittleren arteriellen Blutdrucks sowie begleitende kardiovaskuläre Veränderungen, die in schweren Fällen bis zum Kreislaufstillstand führen können.
Das PRS ist vor allem bei Lebertransplantation beschrieben, kann jedoch auch bei anderen Organtransplantationen beobachtet werden.
Hintergrund
Das PRS ist eine typische intraoperative Komplikation in der Transplantationsmedizin. Die Inzidenz variiert je nach Definition, Spenderorganqualität und Operationsverfahren erheblich. Besonders häufig tritt das Syndrom bei marginalen Organen, nach längerer Ischämiezeit oder nach Donation after Circulatory Death auf.
Pathogenese
Die Pathogenese des PRS ist multifaktoriell. Zentrale Mechanismen sind die plötzliche Freisetzung von Kalium, Laktat, Zytokinen und vasoaktiven Substanzen aus dem reperfundierten Organ sowie eine akute systemische Vasodilatation. Zusätzlich spielen Azidose, Hypokalzämie, Hypothermie und myokardiale Funktionsstörungen eine Rolle. Der zugrunde liegende Ischämie-Reperfusionsschaden ist entscheidend für Ausprägung und Dauer der Reaktion.
Diagnostik
Die Diagnose verläuft klinisch und basiert auf dem zeitlichen Zusammenhang zur Reperfusion. Differenzialdiagnostisch müssen andere Ursachen der intraoperativen Instabilität ausgeschlossen werden, z.B. Blutverlust, Luft- oder Thromboembolien, anaphylaktische Reaktionen oder die akzidentelle Kompression großer Gefäße.
Therapie
Die Therapie des PRS erfolgt symptomatisch. Zentrale Maßnahmen sind die Volumengabe, eine differenzierte Katecholamintherapie sowie die Korrektur metabolischer Entgleisungen. Präventiv können eine kontrollierte, langsame Reperfusion, die Optimierung des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts sowie die Reduktion der kalten Ischämiezeit zur Risikominimierung beitragen.
Prognose
Das Postreperfusionssyndrom verläuft in der Regel selbstlimitierend, kann jedoch bei schwerem Verlauf mit einer erhöhten perioperativen Morbidität und Mortalität assoziiert sein. Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen ausgeprägtem PRS und dem Auftreten früher Transplantatdysfunktionen.
Literatur
- Open Anesthesia: Postreperfusion Syndrome, zuletzt abgerufen am 16.01.2026