Postpartale Psychose
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LoslegenSynonyme: puerperale Psychose, Puerperalpsychose, Wochenbettpsychose
Englisch: post-partum psychosis
Definition
Unter einer postpartalen Psychose oder Wochenbettpsychose versteht man eine psychotische Erkrankung, die nach der Geburt bei der Mutter auftritt – meist innerhalb der ersten beiden Wochen. Sie gilt als psychiatrischer Notfall und erfordert in der Regel eine stationäre Behandlung.[1]
Epidemiologie
Etwa 1 bis 2 von 1.000 Entbindungen sind von einer postpartalen Psychose betroffen.[1]
Ätiopathogenese
Die Ätiopathogenese ist bisher (2026) nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem der abrupte Abfall der Östrogene und Gestagene nach der Geburt, immunologische Veränderungen sowie eine Störung des zirkadianen Rhythmus.[1] Die postpartale Psychose weist eine enge Beziehung zur bipolaren Störung auf. Bei etwa der Hälfte der Patientinnen stellt eine erstmalig aufgetretene postpartale Psychose zugleich die Erstmanifestation einer bipolaren Störung dar.[1]
Risikofaktoren
- vorbestehende bipolare Störung
- postpartale Psychose nach einer früheren Geburt
- positive Familienanamnese für bipolare Störungen oder postpartale Psychosen
- Primiparität
- Schlafentzug in der Peripartalphase
- Absetzen einer Therapie mit Stimmungsstabilisierern in der Schwangerschaft
- Geburtskomplikationen
Symptome
Der Symptombeginn liegt im Median bei etwa 10 Tagen nach der Entbindung.[2] Prodromalsymptome sind Schlafstörungen, innere Unruhe, Reizbarkeit und Stimmungslabilität, Interessenverlust, Anhedonie und Konzentrationsstörungen. Die Wochenbettpsychose kann jedoch auch ganz plötzlich nach der Geburt ohne vorhergehende Symptome auftreten.
Typische Symptome sind z.B.:
- Ich-Störungen
- Wahrnehmungsstörungen und Sinnestäuschungen
- Störungen des formalen und inhaltlichen Denkens mit zerfahrenem und sprunghaftem Denken
- Ratlosigkeit bis hin zur Verwirrtheit
- Stupor und Erregungszustände
Affektstörungen sind ebenfalls häufig: In der Mehrzahl der Fälle entspricht das Zustandsbild einer manischen, gemischten oder depressiven Episode mit psychotischen Symptomen.[1]
Die postpartale Psychose geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für Suizid und für eine Tötung des Kindes einher.[1] Für unbehandelte Verläufe wird eine Kindstötungsrate von etwa 4 % angegeben.[3]
Differentialdiagnose
Mögliche Differentialdiagnosen sind postpartale psychiatrische Störungen wie z.B.:
Darüber hinaus müssen organische Ursachen ausgeschlossen werden, z.B.:
Diagnostik
Grundlegend sind die Anamnese und die Erhebung des psychopathologischen Befundes. Ergänzend erfolgt eine somatische Abklärung zum Ausschluss organischer Ursachen, z.B. mittels Blutbild, CRP, TSH und Elektrolyten sowie bei entsprechendem Verdacht einer Untersuchung des Liquors und einer Magnetresonanztomographie des Schädels.[4] Da die Symptomatik rasch wechseln kann, ist eine engmaschige Verlaufsbeobachtung erforderlich. Zu beurteilen sind insbesondere die Suizidalität der Mutter und eine mögliche Gefährdung des Kindes.[5]
Therapie
Die postpartale Psychose wird in der Regel stationär behandelt. Wenn verfügbar, erfolgt die Aufnahme in einer Mutter-Kind-Einheit, um die Mutter-Kind-Beziehung zu erhalten.[4]
Medikamentös werden in der Akutphase atypische Neuroleptika eingesetzt, meist in Kombination mit Lithium. Zusätzlich können Benzodiazepine eingesetzt werden. Bei unzureichendem Ansprechen oder schwerem Zustandsbild mit Katatonie, ausgeprägter Suizidalität oder Nahrungsverweigerung ist die Elektrokrampftherapie indiziert.[4][6]
Zur Rezidivprophylaxe liegt für Lithium die beste Evidenz vor.[4] Da die meisten Medikamente in die Muttermilch übergehen, sind beim Stillen die entsprechenden Fachinformationen zu beachten.
Prognose
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Bergink V et al. Postpartum Psychosis and Bipolar Disorder: Review of Neurobiology and Expert Consensus Statement on Classification. Biol Psychiatry. 2025;99(9):740-747.
- ↑ Cohen LS et al. The phenomenology of postpartum psychosis: preliminary findings from the Massachusetts General Hospital Postpartum Psychosis Project. Mol Psychiatry. 2025;30(6):2537-2544.
- ↑ Alford AY et al. A systematic review of postpartum psychosis resulting in infanticide: missed opportunities in screening, diagnosis, and treatment. Arch Womens Ment Health. 2025;28(2):297-308.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Jairaj C et al. Postpartum psychosis: A proposed treatment algorithm. J Psychopharmacol. 2023;37(10):960-970.
- ↑ Toor R et al. Postpartum Psychosis: A Preventable Psychiatric Emergency. Focus (Am Psychiatr Publ). 2024;22(1):44-52.
- ↑ Herrera-Barrón O et al. Effectiveness of Electroconvulsive Therapy in Postpartum Psychosis: A Systematic Review. J ECT. 2026;42(2):86-95.