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Pisa-Syndrom

Synonym: Pleurothotonus
Englisch: pisa syndrome

1 Definition

Das Pisa-Syndrom ist die bildliche Beschreibung einer Haltungsanomalie und wird deshalb nicht als einzelständige Diagnose gehandhabt. Sie tritt hauptsächlich bei neurodegenerativen Erkrankungen (z.B. Morbus Parkinson) und Langzeittherapien mit Neuroleptika und anderen Psychopharmaka auf.

2 Hintergrund

Das Pisa-Syndrom ist hauptsächlich durch eine lateral geneigte Flexion des Rumpfes in Sitz- oder Stehposition gekennzeichnet. Hinzu kommt oft eine rückwärts geneigte axiale Rotation der Wirbelsäule.

Beschrieben wurde dieses Syndrom erstmals 1972 vom schwedischen Neurologen Karl A. Ekbom. Er beobachtete drei Fälle von betagten Patienten, die mit Haloperidol behandelt wurden, und eine deutliche seitwärtsgeneigte Haltungsanomalie aufwiesen.[1]

3 Epidemiologie

Da die Prävalenz als gering eingestuft wird, gibt es auch kaum groß angelegte Studien zum Pleurothotonus. Eine deutsche Studie berichtet über 17 Fälle unter 45.000 untersuchten psychiatrischen Patienten, woraus sich eine Prävalenzrate von 0,037% ergibt.[2]

4 Ätiologie

Die genaue Ursache für das Auftreten des Pisa-Syndroms ist noch nicht bekannt (2014). Klinische Beobachtungen haben jedoch ergeben, dass vorrangig zwei Faktorengruppen den Pleurothotonus verursachen können:

4.1 Neurodegenerative Krankheiten

Dazu zählen u.a.:

4.2 Medikamente

Als hauptsächliche Auslöser gelten die klassischen Neuroleptika; jedoch sind auch Einzelfällen von atypischen Neuroleptika bekannt, u.a.:

5 Klinisches Bild

Klinisch vorstellig werden die Patienten meist recht spät, da sie zwar einerseits die langsam aber kontinuierlich zunehmende Seitwärtsverbiegung wahrnehmen, jedoch dieser keine weitere Beachtung schenken. Somit kommt es vor, dass Patienten erst nach Monaten des Erstauftretens beim Arzt erscheinen, der diese oft zu einer Reihe an weiteren Untersuchungen in die Klinik überweist.

Je nach Auslöser des Pisa-Syndroms sind kleine Abweichungen im klinischen Erscheinungsbild möglich: Bei Neuroleptikapatienten wird oft eine Lateralflexion des Rumpfes in Kombination mit einem beidseitig erhöhtem Muskeltonus in den oberen Extremitäten (Rigor) beobachtet.

Parkinsonpatienten haben oft schwergradige Wirbelsäulen- und Skelettdeformierungen, oftmals in Kombination mit eingeklemmten Muskelpartien (Musculus rectus abdominis u.a.) zwischen Hüftknochen (Crista iliaca) und unterster Rippenreihe. Entsprechend zieht diese Deformierung eine verringerte Lebensqualität nach sich, weshalb die Patienten oft einen langen Leidensweg haben ("Nebensymptom" zur Haupterkrankung).

6 Therapie

Eine Behandlung dieses Syndroms gestaltet sich äußerst schwierig, da Ursachen und Auslöser oft nicht klar diagnostizierbar sind. Sind Medikamente im Spiel, so sollte eine Dosisreduktion versucht werden. Folglich könnte ein "Therapieplan" wie folgt aussehen (Beispiel):

Dosisreduktion zusätzliche Gabe
Olanzapin (Atypisches Neuroleptikum)
Pramipexol (Dopaminantagonist)
Biperiden (Anticholinergikum)

Zur Zeit steht eine zusätzliche Behandlung mit Anticholinergika im Raum, die jedoch bei älteren Menschen häufig starke Nebenwirkungen auslösen. Außerdem können Physiotherapien zu einer Besserung der aufrechten Haltung und Entlastung eingeklemmter Muskeln führen.

7 Links

8 Quellen

  1. http://www.medscape.com/viewarticle/723141_4
  2. http://bibnet.org/vufind/Record/ccmed807324

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