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Paraphimose (Hund)

Englisch: paraphimosis

1 Definition

Als Paraphimose bezeichnet man eine Vorwölbung der Glans penis, wobei das Rückführen in das Präputium aufgrund einer Verengung nicht mehr möglich ist. Sie ist eine typische Komplikation der Phimose beim Hund.

2 Hintergrund

Die Paraphimose kann als das Gegenteil der Phimose angesehen werden, bei der betroffene Rüden den Penis aufgrund der beengten Verhältnisse nicht ausschachten können.[1]

3 Ätiologie

Eine Paraphimose entsteht meist infolge einer zu kleinen Präputialöffnung (Phimose), eines verkürzten Präputiums oder aufgrund von unterentwickelten Präputialmuskeln sowie nach traumatischen Prozessen (Narbenkontraktion).

Zusätzliche Gründe für eine Paraphimose können sein:[2]

4 Pathogenese

Zu einer Paraphimose kommt es meist dann, wenn sich bei der Retraktion des Penis der proximale Präputialrand einrollt. Durch den umgeschlagenen Präputialrand kommt es zu einer deutlichen Verengung der Präputialöffnung, sodass der Penis eingeschnürt wird. Aufgrund der eintretenden ödematösen Schwellung vergrößert sich die Glans penis zusätzlich und die Penisschleimhaut trocknet rasch aus. In weiterer Folge verklebt diese mit den Haaren des Präputiums und es kommt zu massiven Durchblutungsstörungen.

Bleibt dieser Zustand länger erhalten, wird der venöse Abfluss aus dem Corpus cavernosum vollständig unterbunden, was zu einer ischämischen Penisnekrose führt und meist eine Penisamputation zur Folge hat. Zusätzlich ist der Harnabsatz aufgrund der Kompression der Urethra behindert.

5 Klinik

Betroffene Tiere zeigen ein gestörtes Allgemeinverhalten, große Schmerzen und sind nicht mehr in der Lage, ihre Glans penis in das Präputium zurückzuführen. Die Penisspitze ist deutlich geschwollen, dunkelrot bis dunkelblau verfärbt und ausgetrocknet. Die meisten Hunde können keinen Harn mehr absetzen und weisen daher eine stark gefüllte Harnblase auf.

6 Diagnose

Eine Paraphimose kann bereits bei der klinischen Untersuchung anhand des eindeutigen Befundes (Blickdiagnose) diagnostiziert werden.

7 Therapie

Das primäre Ziel sollte sein, den Penis möglichst rasch zum Abschwellen zu bringen, damit er wieder ins Präputium zurückverlagert werden kann. Durch das Auflegen von Kompressen aus Tupfern, die mit kalter, hypertoner Glukose- oder Kochsalzlösung getränkt sind, wird das Abschwellen beschleunigt. Anschließend kann mit Gleitmittel versucht werden, den Penis vorsichtig ins Präputium zurückzuverlagern. Gelingt eine Reposition nicht, empfiehlt sich eine chirurgische Erweiterung des Präputiums durch eine Inzision im ventralen Bereich.

Alternativ kann auch direkt eine Phallopexie durchgeführt werden. Bei diesem einfachen chirurgischen Eintriff wird die dorsale Penisoberfläche an das gegenüberliegende Präputium pexiert.

8 Prognose

Bei einer raschen und adäquaten Therapie sind die Erfolgsaussichten gut. Der Rüde sollte jedoch idealerweise gleichzeitig kastriert werden.

9 Prävention

Bevor der Rüde das nächste Mal zur Zucht eingesetzt wird, sollten die Haare um die Präputialöfnung präventiv ausrasiert werden.

10 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

11 Quellen

  1. Dr. Rob Foster. Pathology of the Canine Penis and Prepuce, Surgical Pathology of the Canine Male Reproductive Tract by Dr Rob Foster OVC Pathobiology, University of Guelph, abgerufen am 31.10.2019
  2. Lysimachos G. et al. Surgical Conditions of the Canine Penis and Prepuce, Compendium on Continuing Education for the Practising Veterinarian -North American Edition- 24(3):204-219, abgerufen am 31.10.2019

Diese Seite wurde zuletzt am 12. November 2019 um 17:55 Uhr bearbeitet.

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