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Nucleus cuneatus

von lateinisch: cuneare - zuspitzen, verkeilen
Synonyme: Burdach-Kern
Englisch: cuneate nucleus

1 Definition

Der am kaudalen Ende des 4. Hirnventrikels liegende paarige Nucleus cuneatus (Ncl. cuneatus) ist wie der Nucleus gracilis (Ncl. gracilis) ein Hinterstrangkern. Diese Ansammlung von Neuronen bildet das paarige Tuberculum cuneatum, das an der dorsalen Seite der Medulla oblongata eine sichtbare kleine Wölbung bildet.

2 Anatomie

Der Nucleus cuneatus liegt am kranialen Ende des Fasciculus cuneatus lateral des Nucleus gracilis. Im Nucleus cuneatus werden die Axonen der ersten Neuronen der epikritischen Sensibilität der oberen Rumpfhälfte (oberhalb des Spinalsegments Th6) und der oberen Extremitäten auf die 2. Neuronen (die Neuronen des Nucleus cuneatus) umgeschaltet. Deren Axone kreuzen gleich zur kontralateralen Seite der Medulla oblongata und bilden dabei die Decussatio lemnisci medialis (mittlere Schleifenbahnkreuzung). Danach ziehen diese Axone somatotop als Lemniscus medialis nach kranial und lateral zu Kerngebieten des Thalamus, vor allem zum Nucleus ventralis posterolateralis, wo sie wieder umgeschaltet werden.

Innerhalb des Nucleus cuneatus gibt es viele Interneurone, die von aufsteigenden Fasern des Fasciculus cuneatus, von Kollateralfasern der aufsteigenden Axonen aus den 2. Neuronen des Nucleus cuneatus und von absteigenden Fasern des Zentralnervensystems Steuerungssignale bekommen.

3 Physiologie

Die afferenten Nervenimpulse aus dem Fasciculus cuneatus dienen der epikritischen Sensibilität (d.h. der präzisen Benachrichtigung aus Exterozeptoren und Propriozeptoren) der oberen Rumpfhälfte und der oberen Extremitäten. Diese Signale werden über die hintere Nervenwurzel (Radix posterior) in die Medulla spinalis geleitet. Sie steigen ungeschaltet ipsilateral im Fasciculus cuneatus bis zum Nucleus cuneatus auf. Im Nucleus cuneatus werden die Signale verarbeitet, bevor sie zum Thalamus weitergeleitet werden.

Während somatomotorischer Aktivitäten bekommt der Nucleus cuneatus auch Steuerungssignale aus höhergelegenen Teilen des Zentralnervensystems.

Messungen haben gezeigt, dass Teile des Nucleus cuneatus funktionell mit einem aktiven Gelenk einer oberen Extremität gekoppelt sind. Sie verursachen eine Steigerung des propriozeptiven Feedbacks aus einer bewegten oberen Extremität. Gleichzeitig werden Feedbacks aus tiefen Muskeln anderer Gelenke der oberen Extremität gehemmt.

4 Pharmakologie

Der Nucleus cuneatus besitzt sowohl GABAerge wie auch glycinerge Interneurone. Die Auftragung von GABA oder Glycin im Nucleus cuneatus hebt sowohl die spontane wie auch die propriozeptiv evozierte Aktivität der Neuronen des Nucleus cuneatus auf.

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