Novobiocin-Test
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LoslegenSynonym: Novobiocin-Sensitivitätstest, Novobiocin-Empfindlichkeitstest, Novobiocin-Resistenztest
Englisch: novobiocin susceptibility test
Definition
Der Novobiocin-Test ist ein mikrobiologisches Differenzierungsverfahren, mit dem Novobiocin-sensible von Novobiocin-resistenten Staphylokokken unterschieden werden. Er dient insbesondere der Identifizierung von Staphylococcus saprophyticus innerhalb der Gruppe der koagulase-negativen Staphylokokken (KNS).
Hintergrund
Novobiocin ist ein Aminocumarin-Antibiotikum, das von Streptomyces niveus gebildet wird. Es hemmt die bakterielle DNA-Gyrase (Topoisomerase II), indem es als kompetitiver Inhibitor an die GyrB-Untereinheit bindet und die ATPase-Reaktion blockiert. Dadurch werden die Superspiralisierung der DNA und in der Folge die DNA-Replikation gehemmt.
Novobiocin besitzt ein schmales Wirkspektrum mit vorwiegender Aktivität gegen grampositive Erreger.
Prinzip
Der Test beruht auf der intrinsischen, d.h. angeborenen Novobiocin-Resistenz von Staphylococcus saprophyticus. Sie wird durch eine Veränderung im gyrB-Gen vermittelt. Die übrigen humanpathogenen koagulase-negativen Staphylokokken sind dagegen überwiegend Novobiocin-sensibel, sodass die Resistenzprüfung eine rasche Zuordnung erlaubt.
Durchführung
Der Novobiocin-Test wird als Plättchendiffusionstest durchgeführt:
- Anlegen einer Keimsuspension des Isolats
- Ausstrich auf Müller-Hinton-Agar (alternativ Blutagar)
- Auflegen eines Testplättchens mit 5 µg Novobiocin
- aerobe Inkubation über 16–24 Stunden bei 35–37 °C
- Ausmessen des Hemmhofdurchmessers in Millimetern
Auswertung
Der Durchmesser des Hemmhofs um das Novobiocin-Plättchen entscheidet über die Einordnung:[1]
- Hemmhof > 16 mm → Novobiocin-sensibel
- Hemmhof ≤ 16 mm → Novobiocin-resistent
Novobiocin-resistente Stämme wie Staphylococcus saprophyticus zeigen typischerweise keinen oder nur einen minimalen Hemmhof, das Wachstum reicht bis an den Plättchenrand heran.
Die Zuordnung der wichtigsten Staphylokokken-Spezies zeigt folgende Tabelle:
| Novobiocin-sensibel | Novobiocin-resistent |
|---|---|
|
Klinische Bedeutung
Staphylococcus saprophyticus ist ein häufiger Erreger unkomplizierter Harnwegsinfektionen, vor allem bei jungen, sexuell aktiven Frauen. In Urinkulturen stellen koagulase-negative Staphylokokken häufig Kontaminanten der Hautflora dar. Der Novobiocin-Test erlaubt eine schnelle und kostengünstige präsumtive Abgrenzung von Staphylococcus saprophyticus gegenüber diesen Begleitkeimen und besitzt dabei eine hohe Sensitivität und Spezifität.
Einschränkungen
Der Novobiocin-Test ist nur für Isolate aus dem Urin validiert und aussagekräftig.
Darüber hinaus ist die Novobiocin-Resistenz nicht ausschließlich für Staphylococcus saprophyticus spezifisch. Auch weitere koagulase-negative Staphylokokken wie Staphylococcus cohnii und Staphylococcus xylosus sowie Mammaliicoccus sciuri sind resistent. Eine definitive Speziesidentifikation erfordert daher ggf. ergänzende Verfahren wie die MALDI-TOF-Massenspektrometrie oder molekularbiologische Methoden.
Quellen
- ↑ Almeida und Jorgensen, Use of Mueller-Hinton agar to determine novobiocin susceptibility of coagulase-negative staphylococci, J Clin Microbiol, 1982
- ↑ LPSN: Mammaliicoccus sciuri, abgerufen am 13.10.2026