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Nachniere

Synonym: Metanephros

1 Definition

Als Nachniere bzw. Metanephros bezeichnet man die dritte und somit letzte Nierengeneration in der Nierenentwicklung.

2 Embryologie

Unter dem Einfluss der Ureterknospe entsteht die dritte und somit endgültige Nierengeneration, die sog. Nachniere. Man bezeichnet den kaudalen Anteil, d.h. den beckennah gelegenen Bereich des nephrogenen Strangs, aus dem die embryonale Anlage der Nachniere hervorgeht - als metanephrogenes Blastem. Durch das metanephrogene Blastem induziert, entstehen die Glomeruli letztendlich aus sekundär kanalisierten Bindegewebsverdichtungen.

Ureter und Nierenbecken (inkl. deren Verzweigungen) gehören im funktionellen Sinne eigentlich zu den harnableitenden Anteilen des Harnapparats. Sie werden jedoch aufgrund der Induktionswirkung der Ureterknospe auf das Blastem oftmals im Zusammenhang mit der Nachniere behandelt.

Die Ureterknospe (Aussprossung des Urnierengangs) wächst von ventrokaudal in das metanephrogene Blastem ein und teilt sich dort zunächst dichotom. Dies ist der Grund, weshalb aus der Ureterknospe von kaudal nach kranial der Ureter, das Nierenbecken, die Nierenkelche (Calices majores et minores) und die etwa 1-3 Millionen Sammelrohre entstehen. Somit erhält jede Endaussprossung der Ureterknospe eine kappenartige Bedeckung aus nephrogenem Blastem (Nierenbläschen). Aus jedem dieser Nierenbläschen wächst ein zarter Gang, dessen distales Ende über ein sog. Verbindungsstück in eines der Sammelrohre mündet.

Längenwachstum und anschließende Differenzierung des zunächst sehr kurzen Ganges lassen die verschiedenen Tubulusabschnitte entstehen. Durch eine anschließende konkave Verformung des proximalen Gangendes kann dieses Kontakt zu einer glomulären Kapillarschlinge aufnehmen. Diese entstehen aus Strängen des intermediären Mesoderms, die ab dem 2.-3. Embryonalmonat einen Anschluss an die Äste der großen Beckenarterien gefunden haben, bzw. letztlich an die Aorta abdominalis anknüpfe. Dieser Gefäßursprung wandert im Rahmen des Nierenaszensus immer weiter nach oben, bis die Höhe der Arteria renalis erreicht wird.

Ihre Funktion nimmt die Nachniere etwa in der 13. Schwangerschaftswoche auf. Eine Aufhebung der Rumpfkrümmung und durch das Längenwachstum der Ureterknospe steigen die Nieren schließlich im Rahmen des sog. Aszensus aus ihrer Ursprungsposition am lumbosakralen Übergang in ihre endgültige Lage auf. Das Hilum renale befindet sich schließlich etwa auf Höhe des LWK I-II.

3 Klinik

Es ist möglich, dass die harnableitenden Sammelrohre keinen Anschluss an die harnbereitenden Nephrone finden, sodass es zu einer Ausbildung einer Zystenniere kommt. Es werden folgende zwei Formen der Erkrankung beobachtet:

  • Die infantile Form ist dadurch gekennzeichnet, dass Kinder mit zystisch veränderten Nieren zur Welt kommen. Oftmals werden Totgeburten in diesem Zusammenhang festgestellt.
  • Die adulte Form ist dadurch charakterisiert, dass es zu einer zunehmenden zystischen Zerstörung des Nierengewebes kommt.

Ist die Krankheit vollständig ausgeprägt, stehen der Ausfall der Nierenfunktion (Urämie) und die Erhöhung des arteriellen Blutdrucks im Vordergrund. Eine Therapie beinhaltet Dialyse und ggf. Nierentransplantation.

Außerdem gibt es Fälle, in denen der Aszensus der Nieren behindert ist, woraus ein Zusammenwachsen der unteren Nierenpole resultiert (Hufeisenniere). Da eine Verschmelzung beider Nierenpole zu topographischen Veränderungen führt, geht der Ureter in den meisten Fällen sehr hoch aus der Niere ab. Dieser muss zudem das verschmolzene Nierenparenchym überkreuzen. Als Folge können Abflusshindernisse im Ureter zu Harnstau und aufsteigenden Harnwegsinfektionen führen. Abhilfe kann durch einen operativen Eingriff erlangt werden.

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