Muskel-Energie-Technik
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Synonyme: Muscle Energy Technique, MET, Muskelenergietechnik
Englisch: muscle energy technique
Definition
Die Muskel-Energie-Technik, kurz MET, ist ein Verfahren der osteopathischen und manuellen Therapie. Der Therapeut bringt den Patienten in eine genau eingestellte Position. Aus dieser Position spannt der Patient einen Muskel willkürlich an, meist isometrisch, also gegen einen gleich großen Widerstand des Therapeuten. Ziele sind eine bessere Beweglichkeit eines Gelenks oder Wirbelsäulensegments, die Dehnung verkürzter Muskulatur und eine Schmerzreduktion.[1]
Geschichte
Der US-amerikanische Osteopath Fred L. Mitchell sen. (1909–1974) entwickelte die Technik ab 1948, zunächst aus Überlegungen zur Bewegung des Beckens.[2][3] Sein Sohn Fred L. Mitchell jun. entwickelte sie weiter.[4] Verwandt sind die postisometrische Relaxation (PIR) nach Karel Lewit und die propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF). Auch bei diesen Verfahren wird der Muskel zunächst aktiv angespannt, bevor er gedehnt oder mobilisiert wird.[1]
Durchführung
Der Therapeut führt das Gelenk oder Segment bis zur sogenannten Bewegungsbarriere. Das ist der Punkt, an dem er zum ersten Mal einen Widerstand spürt. Dann spannt der Patient einen bestimmten Muskel für wenige Sekunden an, und der Therapeut hält dagegen. Nach der Anspannung entspannt der Patient kurz, und der Therapeut sucht die neue Barriere auf. Dieser Ablauf wird mehrmals wiederholt.[1][2]
Die Angaben zur Dosierung sind uneinheitlich. Studien verwenden eine Anspannung mit 25 bis 75 % der Maximalkraft. Eine Anspannung dauert meist etwa 5 Sekunden, in einzelnen Studien bis zu 20 Sekunden. Üblich sind drei bis vier Wiederholungen mit 3 bis 5 Sekunden Entspannung dazwischen.[4] In der osteopathischen Lehrliteratur wird eine sanfte Anspannung von 3 bis 5 Sekunden empfohlen, drei- bis fünfmal wiederholt. Der Patient soll nur so viel Kraft einsetzen, dass das behandelte Segment gerade angesprochen wird.[2]
Man unterscheidet vor allem diese Varianten:
- Postisometrische Relaxation: Der Muskel, der gedehnt werden soll (Agonist), spannt an.
- Reziproke Inhibition: Der Gegenspieler (Antagonist) spannt an.
- Isotonische Varianten: Der Muskel arbeitet konzentrisch oder exzentrisch, etwa zur Kräftigung.[1]
Die MET wird unter anderem bei Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule, des Beckens und der Extremitätengelenke eingesetzt, außerdem bei verkürzter Muskulatur.[1]
Wirkmechanismus
Früher wurde die Wirkung mit neurophysiologischen Mechanismen erklärt. Gemeint waren eine Entspannung des Muskels nach der Anspannung oder eine reziproke Hemmung. Diese Erklärungen sind nicht ausreichend belegt. Nach heutigem Kenntnisstand nimmt die Beweglichkeit vor allem zu, weil der Patient die Dehnung besser toleriert (Dehntoleranz). Dabei spielen neurologische Mechanismen der Schmerzhemmung eine Rolle. Dass sich das Gewebe selbst dauerhaft verändert, etwa durch Umbau von Kollagen, ist bisher nur eine Theorie.[5]
Evidenz
Die Studien sind überwiegend klein, und die Ergebnisse sind uneinheitlich.
Ein Cochrane-Review zu unspezifischen Kreuzschmerzen schloss 12 randomisierte Studien mit insgesamt 500 Teilnehmern ein. Die Studien waren meist klein und hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Nach Evidenz niedriger Qualität brachte die MET kurzfristig keinen zusätzlichen Nutzen bei Schmerz und Funktionseinschränkung, weder im Vergleich mit anderen Therapien noch als Ergänzung dazu. Die Autoren fordern große, methodisch gute Studien.[6][7]
Ein systematischer Review von 2019 wertete 26 Studien aus, 14 mit Patienten und 12 mit gesunden Probanden. Die Autoren halten die MET für wirksam gegen akute und chronische Kreuzschmerzen, chronische Nackenschmerzen und die chronische laterale Epikondylitis.[4] Sie kommen damit zu einem positiveren Ergebnis als der Cochrane-Review.
Eine Metaanalyse von 2023 zu unspezifischen Nackenschmerzen umfasst 26 randomisierte Studien mit 1.170 Teilnehmern. Die MET senkte Schmerz und Funktionseinschränkung, aber nur in Kombination mit anderen Maßnahmen wie Bewegungstherapie. Allein angewendet zeigte sie keinen signifikanten Effekt auf den Schmerz. Die Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als niedrig. Unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.[8]
Kontraindikationen
Als absolute Kontraindikationen gelten:[2]
- frische Frakturen oder Luxationen
- erhebliche Verletzungen von Bändern, Sehnen oder Muskeln
- zentral bedingte Muskelspasmen
Eine relative Kontraindikation liegt vor, wenn der Patient nicht mitarbeiten kann, denn die Technik setzt aktive Mitarbeit voraus. Zu viel Kraft kann zu Komplikationen wie Sehnenabrissen oder Rippenfrakturen führen.[2]
Siehe auch
- Osteopathie
- Viszerale Osteopathie
- Postisometrische Relaxation
- Manuelle Therapie
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Chaitow L. Muscle Energy Techniques. 4. Aufl. Edinburgh: Churchill Livingstone/Elsevier; 2013.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Talley JT, Goto KK. Osteopathic Manipulative Treatment: Muscle Energy Procedure With Post-Isometric Relaxation – Thoracic Vertebrae. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; Stand 11.09.2023. NBK560895
- ↑ Muscle Energy Technique Educational Seminars: MET History. muscle-energy.com (abgerufen 27.09.2026)
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Thomas E, Cavallaro AR, Mani D, Bianco A, Palma A. The efficacy of muscle energy techniques in symptomatic and asymptomatic subjects: a systematic review. Chiropr Man Therap. 2019;27:35. doi:10.1186/s12998-019-0258-7
- ↑ Fryer G. Muscle energy technique: An evidence-informed approach. Int J Osteopath Med. 2011;14(1):3–9. doi:10.1016/j.ijosm.2010.04.004
- ↑ Franke H, Fryer G, Ostelo RWJG, Kamper SJ. Muscle energy technique for non-specific low-back pain. Cochrane Database Syst Rev. 2015;(2):CD009852. doi:10.1002/14651858.CD009852.pub2
- ↑ Franke H, Fryer G, Ostelo RWJG, Kamper SJ. Muscle energy technique for non-specific low-back pain. A Cochrane systematic review. Int J Osteopath Med. 2016;20:41–52.
- ↑ Lin LH, Lin TY, Chang KV, Wu WT, Özçakar L. Muscle energy technique to reduce pain and disability in cases of non-specific neck pain: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Heliyon. 2023;9(11):e22469. doi:10.1016/j.heliyon.2023.e22469