Anti-MuSK-Antikörper
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LoslegenSynonyme: MuSK-Antikörper, Anti-MuSK-AK
Englisch: anti-MuSK antibodies, muscle-specific kinase antibodies
Definition
Anti-MuSK-Antikörper sind Autoantikörper gegen die muskelspezifische Rezeptortyrosinkinase (MuSK). Dabei handelt es sich um ein Transmembranprotein an der postsynaptischen Membran der neuromuskulären Endplatte. Anti-MuSK-AK sind bei einem Teil der Patienten mit Myasthenia gravis (MG) nachweisbar, die keine Acetylcholinrezeptor-Antikörper (Anti-AChR-AK) aufweisen.
Biochemie
MuSK ist eine 100-kDa-Transmembranrezeptor-Tyrosinkinase auf der neuromuskulären Endplatte. Sie wird auf der postsynaptischen Muskelmembran exprimiert und wirkt als zentraler Organisator der Clusterbildung von Acetylcholinrezeptoren. Die von MuSK angestoßene Signalkaskade verläuft über den Korezeptor LRP4 (low-density lipoprotein receptor-related protein 4) und das intrazelluläre Ankerprotein Rapsyn, das die Rezeptordichte an der Endplatte reguliert.
Anti-MuSK-Antikörper gehören überwiegend der Subklasse IgG4 an – ein wesentlicher Unterschied zu den Anti-AChR-Antikörpern, bei denen IgG1 und IgG3 dominiert. IgG4-Antikörper wirken primär durch direkte Blockade der MuSK-Funktion sowie durch einen für IgG4 typischen Prozess, den sogenannte Fab-Arm-Exchange (FAE). Beim FAE dissoziieren IgG4-Moleküle in zwei Hälften, die sich mit anderen IgG4-Hälften rekombinieren. Dadurch entstehen bispezifische Antikörper, deren Hälften jeweils monovalent gegenüber ihrem Zielantigen sind. Das vermindert die übliche Antigenaggregation. Zudem aktiviert IgG4 das Komplementsystem nur schwach, sodass komplementvermittelte Gewebeschäden in der Regel ausbleiben.
Pathophysiologie
Anti-MuSK-Antikörper interferieren mit der Bindung des neuronalen Faktors Agrin an den LRP4-MuSK-Komplex und unterdrücken dadurch die Agrin-induzierte MuSK-Aktivierung. Dies führt zu einer gestörten Clusterbildung der Acetylcholinrezeptoren. Die postsynaptische Rezeptordichte wird vermindert, was eine verschlechterte neuromuskuläre Übertragung nach sich zieht.
Im Gegensatz zur AChR-MG, bei der langlebige Plasmazellen für die Antikörperproduktion verantwortlich sind und das Komplementsystem aktiv zur Endplattendestruktion beiträgt, beruht die MuSK-MG auf der Aktivität kurzlebiger Plasmablasten. Diese Besonderheit erklärt die oft rasche Wirksamkeit von B-Zell-depletierenden Therapien wie Rituximab bei MuSK-MG.[1]
Labormedizin
Der Nachweis von Anti-MuSK-Antikörpern erfolgt mittels Radioimmunoassay (RIA), ELISA oder Cell-based Assays (CBA). Die Sensitivität liegt bei ca. 70–85 % für klinisch gesicherte MuSK-MG-Fälle. Der Test wird typischerweise erst dann veranlasst, wenn Anti-AChR-AK negativ sind.[2] Bei doppelt seronegativen Patienten werden zusätzlich Anti-LRP4-Antikörper getestet.
Die Serumtiter von Anti-MuSK-Antikörpern korrelieren partiell mit der Erkrankungsaktivität.
Material
- Serum 1 ml
Referenzbereich
- < 0,05 nmol/l
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Interpretation
Anti-MuSK-Antikörper finden sich bei 30–50 % der Patienten mit seronegativem AChR-Antikörperstatus. Insgesamt stellen MuSK-MG-Patienten etwa 1–10 % aller Myasthenia-gravis-Fälle dar, mit erheblicher geographischer Variabilität. Die Erkrankung tritt bevorzugt bei Frauen auf, typischerweise in der 4. Lebensdekade.[3] Eine starke Assoziation besteht mit dem HLA-Haplotyp DR14-DQ5.
Klinisch ist die MuSK-positive Myasthenia gravis häufig durch eine vorwiegend bulbäre Symptomatik mit Dysarthrie, Dysphagie und Schwäche der Gesichts-, Nacken- und Atemmuskulatur gekennzeichnet. Im Vergleich zur AChR-positiven Myasthenie treten okuläre Symptome oft weniger ausgeprägt auf.
Quellen
- ↑ Fichtner ML et al. Autoimmune Pathology in Myasthenia Gravis Disease Subtypes Is Governed by Divergent Mechanisms of Immunopathology. Front Immunol. 2020;11:776.
- ↑ Andreetta F et al. Diagnostics of myasthenic syndromes: detection of anti-AChR and anti-MuSK antibodies. Neurol Sci. 2017;38(Suppl 2):253-257.
- ↑ Borges LS, Richman DP. Muscle-Specific Kinase Myasthenia Gravis. Front Immunol. 2020;11:707.