Magnetische Chirurgie
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Synonym: Magnetchirurgie, magnetisch-assistierte Chirurgie
Englisch: magnetic surgery, magnet-assisted surgery
Definition
Der Begriff magnetische Chirurgie ist ein Sammelbegriff für chirurgische Operationsverfahren, bei denen Magnete bzw. magnetische Implantate und Magnetfelder zur Unterstützung chirurgischer, meist minimalinvasiver Prozeduren verwendet werden. Ziel des Einsatzes von Magneten ist unter anderem, den Zugang zu Operationsgebieten zu erleichtern und die Zahl und Größe von Hautinzisionen zu reduzieren.
Hintergrund
Entwicklung
Der Begriff der magnetischen Chirurgie wurde im Jahr 2018 auf der ersten internationalen Konferenz für magnetische Chirurgie ("Xi'an Konferenz") geprägt. Die klinische Nutzung von Magneten in der Chirurgie reicht bis in die 1970er Jahre zurück. In der modernen Chirurgie gewinnt die magnetische Chirurgie insbesondere im Rahmen von laparoskopischen und roboterassistierten Prozeduren zunehmend an Bedeutung.
Xi'an Konsensus
Auf der Xi'an Konferenz wurden sechs magnetchirurgische Prinzipien benannt:
- Kompression (z. B. magnetische Gefäßanastomosen)
- Verankerung (magnetische Ankertechnik)
- Levitation/Zug (z. B. magnetische Sphinkteraugmentation)
- Tracing (Ortung und Verlaufskontrolle)
- Navigation (Richtungs- und Bewegungssteuerung)
- Driving (Mechanische Einwirkung z. B. auf Stellschrauben oder Drehgewinde)
Der Xi'an-Konsensus benennt mehrere grundlegende Aspekte für die sichere Anwendung von Magneten in der Chirurgie:
- Begrenzung der Magnetfeldstärke da Langzeitdaten zur Langzeitbehandlung fehlen
- Nichtkorrosive und biokompatible Beschichtung der Magnete (z. B. Titan)
- Abwägung möglicher Interferenzen von Magneten mit Implantaten (z. B. Schrittmacher)
- Berücksichtigung der Auswirkungen von implantierten Magneten auf die Nutzung von magnetresonanztomografischen Diagnoseverfahren (implantierte Magnete verunmöglichen MRT-Untersuchungen)
- Risiken durch ektope Lage oder fehlende Kopplung der Magneten
- Risiken durch unzureichende oder übermäßige Kompression (z. B. Stenose oder Nekrose)
- Implantat-bezogene Risiken (Migration, Perforation, Verwachsung)
Zur Mitigierung von Risiken empfiehlt werden standardisierte präklinische Testprotokolle, internationale Register und die Gründung einer Magnetic Surgery Alliance zur Förderung klinischer und experimenteller Forschung empfohlen.
Klinische Anwendung
Die magnetische Chirurgie etablierte sich zunächst in der gastroenterologischen Chirurgie. Aktuell (Stand 2026) finden Magnete in der chirurgischen Behandlung verschiedener Organsysteme Anwendung:
Gastrointestinal-Trakt
Die magnetische Kompressionsanastomose von Hohlorganen (Magnamosis) wird in verschiedenen chirurgischen Prozeduren angewandt, (z. B. in der Gastrojejunostomie und Jejunojejunostomie). Die Magnetische Sphinkteraugmentation findet bei der Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit Anwendung. Hierbei wird ein Ring aus Titanperlen mit Magnetkern um den distalen Teil der Speiseröhre positioniert, um Rückfluss von Chymus zu verhindern. Zur Behandlung von Stuhlinkontinenz wird bei der Magnetic Anal Sphincter Augmentation ein Ring aus Titanperlen mit Magnetkern um den Analsphinkter gelegt.
Muskuloskeletattales System
Magnete werden zur Steuerung nichtinvasiver, schrittweiser Distraktion (z. B. zur Verlängerung von Magnetically Controlled Growing Rods (bei Skoliose) oder bei dem Magnetic Mini-Mover Procedure (bei Pectus excavatum) genutzt.
Respiratorisches System
Zur Behandlung des obstruktiven Schlafapnoesyndroms können Magnete implantiert werden, um durch Anlegen eines externen Magnetfeldes einen Zug am Hyoid zu erzeugen ((Magnetische Hyoidsuspension). Dadurch wird die Atmung erleichtert. Dieses Verfahren zeigt in tierexperimentellen Versuchen vielversprechende Resultate, befindet sich jedoch aktuell (Stand 2026) noch im experimentellen Stadium.
Urogenitalsystem
In der Urologie werden Magnete z. B. zur Erleichterung der Entfernung von Harnleiterschienen genutzt (Blackstar-System).
Kardiovaskuläres System
Magnet-assistierte endovaskuläre AV-Fistel-Systeme (z. B. endoAVF) werden genutzt, um nahtfrei arteriovenöse Shunts zu schaffen, die zur Hämodialyse genutzt werden können. Vorteilhaft ist hier eine niedrigere Komplikations- und Infektionsrate. Die Maturierung des Shunts wird mit ca. 1-3 Monaten angegeben.
Aktuelle Entwicklungen
Magnetchirurgische Verfahren werden seit 2024 mit Systemen der Robotor-assistierten Chirurgie wie dem Da-Vinci-Operationssystem kombiniert. Im diesem Kontext wird von Dual robotic surgery (bzw. "Dual robotic systems") gesprochen.
Quellen
- Magnamosis II: Magnetic compression anastomosis for minimally invasive gastrojejunostomy and jejunojejunostomy (2010)
- Xi’an consensus on magnetic surgery (2019)
- Magnetic surgery (2021)
- Beyond the gut: spectrum of magnetic surgery devices (2023)
- Dual robotic surgery: Da Vinci SP® and Levita® MARS (magnetic-assisted robotic surgery) platforms (2025)
- Uniklinikum Dresden: Dialysefistelanlage – endoAVF