Da-Vinci-Operationssystem
nach Leonardo da Vinci (1452-1519)
Synonyme: Da Vinci-Operationssystem, da Vinci-Roboter, da Vinci-Telemanipulator
Englisch: Da Vinci Surgical System
Definition
Das Da-Vinci-Operationssystem ist ein Medizingerät für die roboterassistierte Chirurgie. Es wurde ursprünglich vor allem zur Durchführung von Prostatektomien etabliert und ist heute in verschiedenen chirurgischen Fachbereichen verbreitet.
Systembeschreibung
Das Da-Vinci-Operationssystem wurde entwickelt, um die konventionelle Laparoskopie zu verbessern, bei welcher der Chirurg langstielige Instrumente mit der Hand führt, deren Position er über einen Monitor kontrollieren muss, der über oder neben dem OP-Feld angebracht ist. Dadurch werden Instrumentensicht und OP-Feld-Sicht entkoppelt.
Das Da-Vinci-System ermöglicht es dem Arzt hingegen, die Instrumente und das OP-Feld in einer Blickachse zu sehen und bietet eine dreidimensionale, hochauflösende Darstellung mit Tiefenwahrnehmung. Es besteht typischerweise aus drei Komponenten:
- der Konsole für den Operateur
- dem eigentlichen Operationsroboter mit drei oder vier Armen, der über die Konsole gesteuert wird
- einem Vision- bzw. Support-System zur Bildverarbeitung
Die Roboterarme können verschiedene Objekte wie Nadelhalter, Scheren, Fasszangen oder Elektrokauter halten. Ihre Gelenke sind so ausgelegt, dass sie die Beweglichkeit der menschlichen Hand übertreffen. Sie können die Bewegungsamplitude des Chirurgen modifizieren und den normalerweise bei längeren Haltebelastungen auftretenden Tremor unterdrücken.
Der Operateur kann per Fußpedal zwischen den Roboterarmen wechseln. Mit den Fingern gleitet er in ringähnliche Vorrichtungen, die ein Steuern der Module erlauben. Seinen Kopf legt der Operateur dabei in eine Ablage, deren Monitore ein dreidimensionales Bild des Operationsfeldes wiedergeben.
Die Steuerung erfolgt nach dem "Master-Slave-Prinzip": das System arbeitet nicht autonom, sondern überträgt ausschließlich die Bewegungen des Operateurs. Zu Assistenz- oder Lehrzwecken kann eine zweite Steuerkonsole zugeschaltet werden.
Indikationen
Das Da-Vinci-Operationssystem wird bei einer Vielzahl minimalinvasiver Eingriffe eingesetzt. Dazu zählen insbesondere urologische, gynäkologische, viszeralchirurgische und thoraxchirurgische Operationen.
Typische Einsatzgebiete sind z.B.:
- radikale Prostatektomie
- Nephrektomie
- Hysterektomie
- kolorektale Resektionen (z.B. Hemikolektomie)
- thoraxchirurgische Resektionen (z.B. Ösophagektomie)
Vorteile
Das System bietet gegenüber der konventionellen Laparoskopie eine verbesserte Ergonomie, eine dreidimensionale Visualisierung sowie eine erhöhte Beweglichkeit der Instrumente bei gleichzeitiger Tremorreduktion. Studien zeigt überwiegend vergleichbare onkologische und funktionelle Ergebnisse im Vergleich zur konventionellen Laparoskopie. Vorteile werden je nach Eingriff insbesondere hinsichtlich Blutverlust, Konversionsrate und Rekonvaleszenz beschrieben, ohne dass eine generelle Überlegenheit in allen Indikationen belegt ist.
Nachteile
Limitationen bestehen insbesondere im fehlenden haptischen Feedback, in hohen Anschaffungs- und Betriebskosten sowie in einer lernkurvenabhängigen Verlängerung der Operationsdauer.