Magnetische Kompressionsanastomose
Synonyme: Magnetische Anastomose, MagnamosisTM
Englisch: magnetic compression anastomosis, MCA
Definition
Die magnetische Kompressionsanastomose ist ein minimalinvasives, magnetchirurgisches Verfahren zur naht- und klammerlosen Schaffung einer Anastomose durch magnetische Kompression zwischen Wänden benachbarter Hohlorgane.
Technik
Zur Schaffung einer Anastomose werden Magnete in Hohlorganen endoluminal zum Applikationsort navigiert, wo sie sich magnetisch ausrichten und gegenseitig anziehen. Die durch die Magnete ausgeübte Kompression führt über mehrere Tage zu einer ischämisch bedingten Nekrose des interponierten Gewebes mit nachfolgender Ausbildung einer Anastomosenverbindung. Die Magnetringe koppeln sich und werden je nach System und Lokalisation entweder spontan (z.B. über den GI-Trakt) ausgeschieden oder endoskopisch bzw. operativ entfernt.
Anwendung
Aktuell (2026) wird die magnetische Kompressionsanastomose in klinischen Studien und Pilotstudien in der Viszeralchirurgie, Urologie und Pädiatrie sowie in ausgewählten Fällen der biliären Intervention evaluiert. Potenzielle Vorteile sind eine Reduktion von Naht- bzw. Staplermaterial an der Anastomose, minimalinvasivere Zugangswege und eine möglicherweise geringere Gewebetraumatisierung. Die Vorteile sind jedoch aufgrund begrenzter und heterogener Datenlage derzeit nicht ausreichend belegt. Die Methode ist mit höherem technischem Aufwand sowie teils erheblichen Kosten verbunden.
Es werden unter anderem folgende Anwendungen in Tierexperimenten und teilweise in klinischen Studien am Menschen erprobt:
- Gastrointestinaltrakt (z.B. bei Ösophagusstriktur, Gastrojejunostomie oder zur Schaffung eines duodenoilealen Bypass)[1]
- Urologie (z.B. bei Urethrastriktur und Uretero-Ileal-Anastomosen)[2]
- Pädiatrie (z.B. bei anorektaler Malformation und Ösophagusatresie)[3]
- Gefäßchirurgie (experimentelle Erforschung der Anlage venösen Anastomosen in Tierversuchen)[4]
Komplikationen
Als mögliche Komplikationen gelten:
- unvollständige Nekrotisierung mit Stenosierung
- Migration der Magneten und damit verbunden eine ungewollte Kompression und Gewebeschädigung
- bakterielle Besiedlung der Magnete und Infektionen
- Anastomoseninsuffizienz, Blutung oder Fehlpositionierung der Magnete mit erneutem Interventionsbedarf
Literatur
- Graves C.E.: Magnamosis: First in human application, Mount Sinai Hospital, 2016)
- A Novel Laparoscopic Approach for Introduction of Magnetic Compression Anastomotic (Magnamosis) Rings (SAGES, 2019)
Quellen
- ↑ Zhang et al.: [ https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jgh.16574 Endoscopic application of magnetic compression anastomosis for benign gastrointestinal strictures] J Gastroenterol Hepatol 2024
- ↑ Liu et al.: [ https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10278697/ Clinical effect of magnetic compression anastomosis on ureterostenosis after kidney transplantation] Front Surg 2023
- ↑ Holler et al.: [ https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12500829/ Esophageal magnetic compression anastomosis for esophageal atresia] Front Pediatr 2025
- ↑ Zhang et al.: [ https://www.nature.com/articles/s41598-020-62936-6 End-to-end vascular anastomosis using a novel magnetic compression device] Sci Rep 2020