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Leitungswasser-Iontophorese

Englisch: tap water iontophoresis

1 Definition

Die Leitungswasser-Iontophorese ist ein Verfahren der Elektrotherapie, bei dem mit Hilfe von Wasserbädern oder feuchten Elektroden kontinuierliche oder hochfrequent gepulste Gleichströme durch definierte Hautareale geleitet werden. In der Regel wird es bei vermehrter fokaler Schweißbildung (Hyperhidrosis palmoplantaris) verwendet.

2 Wirkmechanismus

Der Wirkungsmechanismus der Leitungswasser-Iontophorese ist nicht hinreichend geklärt. Vermutet wird eine vorübergehende Funktionsbeeinträchtigung der Schweißdrüsen durch Blockierung der neuroglandulären Übertragung, durch Hemmung der Sekretion auf zellulärer Ebene oder durch Anhebung der Reizschwelle der Drüsen. Wahrscheinlicher erscheint jedoch eine Akkumulation von Protonen im Ausführungsgang und sekretorischen Teil der Schweißdrüsen mit destruktiven Veränderungen durch den niedrigen pH-Wert.[1]

3 Indikation

Eine Leitungswasser-Iontophorese ist indiziert bei:[2]

4 Formen

4.1 Kontinuierlicher Gleichstrom

Die Leitungswasser-Iontophorese mit kontinuierlichem Gleichstrom kann bei allen Schweregraden der Hyperhidrosis angewendet werden. Nachteilig ist bei unsachgemäßer Handhabung das Auftreten von schwachen Stromschlägen. Die gleichzeitige elektronische Messung des Hautleitwerts ermöglicht eine automatische, kontrollierte Auf- und Abregulierung des Therapiestroms, sodass der sogenannte Weidezauneffekt vermieden wird. Sie ist für Kinder aufgrund des geringeren Hautwiderstandes nicht geeignet.

4.2 Gepulster Gleichstrom

Die Leitungswasser-Iontophorese mit gepulstem Gleichstrom kann aufgrund der geringeren Nebenwirkungen, wie Hautirritationen oder Missempfindungen, auch bei empfindlichen Menschen zum Einsatz kommen. Gute Ergebnisse lassen sich bei mittelgradiger bis schwerer Hyperhidrosis erzielen. Bei extremen Formen der palmoplantaren Hyperhidrosis sollte die Verwendung mit kontinuierlichem Gleichstrom bevorzugt werden.

Die Pulsstrom-Iontophorese kann auch bei Kindern angewendet werden, sofern sie die Therapieanweisungen verstehen und befolgen können.

5 Durchführung

Vor der Iontophorese-Behandlung müssen metallische Gegenstände im Bereich der behandelten Haut (Armbänder, Ringe) entfernt werden. Epitheldefekte sind mit Vaseline abzudecken, um sie vor zu hohen Stromdichten zu schützen. Das Wasser darf weder entionisiert sein, noch dürfen andere Zusätze hinzugefügt werden, da sonst die Wirksamkeit der Leitungswasser-Iontophorese vermindert wird und unerwünschte Effekte auftreten können.

Eine Behandlungseinheit dauert durchschnittlich zehn bis 15 Minuten. Vor dem Füllen der Wannen mit Leitungswasser werden die Elektroden mit einem Gitter abgedeckt, um einen unmittelbaren Hautkontakt zu vermeiden. Die Wannen werden ca. drei bis vier cm hoch mit Leitungswasser befüllt, so dass die Handflächen und Fußsohlen vom Wasser bedeckt sind. Die Schwammtaschen für die Behandlung der Achseln werden kräftig getränkt. Bis der gewünschte Heilungserfolg erzielt ist, soll die Behandlung gleichmäßig mindestens dreimal wöchentlich durchgeführt werden. In der Erhaltungsphase reicht in der Regel eine Sitzung pro Woche aus. Da die Erhaltungsbehandlung kontinuierlich fortgeführt werden muss, empfiehlt sich ein Heimgerät für den Patienten. Vor der Behandlung sollten die entsprechenden Hautpartien fettfrei gemacht werden (Waschen mit einfacher Seife). Bei einer starken Verhornung kann ein Wechsel der Polarität erforderlich sein.

Nach jeder Behandlung gilt es, Wannen und Elektroden gründlich zu desinfizieren. Salbenreste müssen durch Abspülen entfernt werden. Die isolierenden Gitter sollten aus hygienischen Gründen nur für einen Patienten verwendet werden. Der Einsatz von Cremes und Ölen sollte bei der Therapie vermieden werden.

6 Wirksamkeit

Verlässliche Aussagen zur Evidenz der Leitungswasser-Iontophorese lassen sich nur eingeschränkt machen, da nur wenige kontrollierte klinische Studien vorliegen. Das Verfahren hat sich im medizinischen Alltag etabliert.

7 Nebenwirkungen

  • leicht stechende, brennende oder kribbelnde Missempfindungen an den behandelnden Hautarealen
  • leichter Stromschlag durch unsachgemäße Handhabung der Therapiegeräte mit kontinuierlichem Gleichstrom beim plötzlichen Eintauchen oder Herausnehmen der Hände bzw. Füße
  • Rötungen und gelegentlich kleine flüchtige Vesikel unmittelbar nach der Behandlung

8 Kontraindikationen

  • Patienten mit einem implantierten elektronischen Gerät (z. B. Herzschrittmacher)
  • Schwangerschaft
  • Metallimplantate im Bereich des Stromflusses (Arme oder Beine)
  • größeren Hautdefekten, die nicht mit Vaseline oder isolierenden Pflastern oder Folien abgedeckt werden können

9 Literatur

10 Quellenn

  1. Anliker MD, Kreyden OP. Tap water iontophoresis, Curr Probl Dermatol. 2002;30:48-56, abgerufen am 15.07.2020
  2. Hölzle E et al. Recommendations for tap water iontophoresis, J Dtsch Dermatol Ges. 2010 May;8(5):379-83, abgerufen am 15.07.2020

Fachgebiete: Dermatologie

Diese Seite wurde zuletzt am 17. Juli 2020 um 14:43 Uhr bearbeitet.

Bei der Iontophorese handelt sich es um das einbringen eines Medikaments/Wirkstoff (Bsp. Diclofenac) in den Körper mit Hilfe eines galvanischen Stroms (Gleichstrom).
#1 am 14.07.2020 von Thomas Kursawe (Heilpraktiker/in)

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