In-vivo-CAR-T-Zelltherapie
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LoslegenEnglisch: in vivo CAR T-cell therapy, in vivo CAR T-cell engineering
Definition
Die In-vivo-CAR-T-Zelltherapie ist eine experimentelle Form der CAR-T-Zelltherapie, bei der körpereigene T-Zellen direkt im Patienten genetisch so verändert werden, dass sie einen chimären Antigenrezeptor (CAR) exprimieren.[1] Im Gegensatz zur konventionellen CAR-T-Zelltherapie werden die T-Zellen nicht zunächst entnommen und ex vivo genetisch modifiziert und expandiert.
Die In-vivo-CAR-T-Zelltherapie ist ausschließlich im Rahmen klinischer Studien verfügbar und derzeit (2026) nicht zugelassen.
Prinzip
Bei der In-vivo-CAR-T-Zelltherapie wird das genetische Material für den CAR mithilfe eines zielgerichteten Trägersystems intravenös verabreicht. Dieses soll bevorzugt bestimmte T-Zell-Populationen erreichen und dort die Expression des CAR auslösen. Die so erzeugten CAR-T-Zellen können anschließend Zellen erkennen und zerstören, die das entsprechende Zielantigen tragen.
Als Trägersysteme werden insbesondere Lipidnanopartikel (LNP) und modifizierte virale Vektoren, vor allem Lentiviren, untersucht.[2] LNP können beispielsweise CAR-kodierende mRNA in T-Zellen einschleusen. Die CAR-Expression ist hierbei vorübergehend, da die mRNA abgebaut wird. Bei Verwendung integrierender lentiviraler Vektoren kann das CAR-Transgen dagegen dauerhaft in das Genom der Zielzelle eingebaut werden.
Vorteile
Das Verfahren soll die aufwändige patientenspezifische Herstellung klassischer CAR-T-Zellprodukte vereinfachen. Leukapherese, ex-vivo-Transduktion, klonale Expansion und der anschließende Transport des Zellprodukts entfallen. Dadurch könnten Herstellungszeit, logistische Komplexität und Kosten reduziert werden. Einige Ansätze werden zudem ohne vorherige Lymphodepletion untersucht.[1]
Forschung
In-vivo-CAR-T-Zelltherapien befinden sich derzeit (2026) in der klinischen Entwicklung und sind noch nicht als Therapie zugelassen. Untersucht werden sie vor allem bei hämatologischen Neoplasien und Autoimmunerkrankungen.
Erste klinische Daten stammen bislang ausschließlich aus frühen Phase-1-Studien mit kleinen Patientenkollektiven, unter anderem für CD19-gerichtete In-vivo-CAR-T-Zellen beim refraktären systemischen Lupus erythematodes[3] sowie für BCMA-gerichtete In-vivo-CAR-T-Zellen beim rezidivierten bzw. refraktären multiplen Myelom.[4] Die frühen Studien zeigen, dass sich funktionelle CAR-T-Zellen grundsätzlich direkt im menschlichen Körper erzeugen lassen. Aufgrund der bislang geringen Patientenzahlen und der kurzen Nachbeobachtungszeit können Wirksamkeit und Langzeitsicherheit jedoch noch nicht abschließend beurteilt werden.
Risiken
Neben den bekannten Komplikationen einer CAR-T-Zelltherapie, insbesondere Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) und ICANS, ergeben sich zusätzliche Risiken aus der direkten genetischen Modifikation im Körper. Dazu zählen eine unbeabsichtigte Transduktion anderer Zelltypen, immunologische Reaktionen gegen das Trägersystem sowie bei integrierenden Vektoren mögliche Folgen einer unerwünschten Genomintegration. Insbesondere bei viralen Trägersystemen kann eine präexistierende Immunität, etwa durch neutralisierende Antikörper aus früherer Virusexposition, die Transduktionseffizienz beeinträchtigen und die Wirksamkeit einschränken.[2] Weitere zentrale Forschungsfragen betreffen die Steuerbarkeit der CAR-Expression, die Selektivität der Zielzelltransduktion und die langfristige Persistenz der erzeugten CAR-T-Zellen.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Bot et al., In vivo chimeric antigen receptor (CAR)-T cell therapy, Nat Rev Drug Discov, 2026
- ↑ 2,0 2,1 Li et al., In vivo CAR engineering for immunotherapy, Nat Rev Immunol, 2025
- ↑ Wang et al., In Vivo CD19 CAR T-Cell Therapy for Refractory Systemic Lupus Erythematosus, N Engl J Med, 2025
- ↑ An et al., In vivo generation of anti-BCMA CAR-T cells in relapsed or refractory multiple myeloma: a phase 1 study, Nat Med, 2026