Impact of Event Scale – Revised
Definition
Die Impact of Event Scale – Revised, kurz IES-R, ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung posttraumatischer Belastungsreaktionen (PTBS) bei Erwachsenen. Sie erfasst drei zentrale Symptomcluster der PTBS – Intrusion, Vermeidung und Hyperarousal. Das Instrument eignet sich für das Screening und Verlaufsmessungen im Therapiekontext, aber nicht zur Diagnose.
Aufbau und Durchführung
Die 22 Items des IES-R verteilen sich auf drei Subskalen bzw. die drei zentralen Symptomcluster der DSM-IV:
| Subskala | Items | Inhalt |
|---|---|---|
| Intrusion | 8 | Aufdringliche Erinnerungen, Bilder, Träume, Flashbacks |
| Vermeidung | 8 | Distanzierung von traumabezogenen Reizen, emotionale Taubheit |
| Hyperarousal | 6 | Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Hypervigilanz |
Die Befragten schätzen auf einer 5-Punkte-Likert-Skala ein, wie belastend die beschriebenen Reaktionen in den vergangenen sieben Tagen – bezogen auf ein konkret benanntes Ereignis – waren. Die Bearbeitungszeit liegt bei etwa 5–10 Minuten.
Auswertung
Die deutsche Version verzichtet bewusst auf einen Gesamtscore, da ein einzelner Summenwert unterschiedliche Symptomprofile nicht trennscharf abbildet. Stattdessen erlaubt ein positiver Wert der Regressionsformel auf Basis der drei Subskalenwerte eine Verdachtsdiagnose.
Obwohl die Originalautoren eine differenzierte Subskaleninterpretation empfehlen, wird in vielen internationalen Studien zusätzlich ein Gesamtscore berichtet. Es werden Summenscores (z.B. ≥ 33) als Hinweis auf klinisch relevante PTBS-Symptomatik diskutiert, jedoch existiert keine einheitlich validierte deutsche Cut-off-Empfehlung.
Gütekriterien
Die interne Konsistenz ist für alle drei Subskalen gut bis sehr gut belegt.[1][2] Die Faktorenstruktur ist weniger einheitlich: Während einige Stichproben die Drei-Faktoren-Lösung stützen, sprechen andere – vor allem bei klinisch homogenen oder gering belasteten Gruppen – eher für eine ein- oder zweifaktorielle Struktur.[2] Konvergente und diskriminante Validität sind gegenüber strukturierten klinischen Interviews nachgewiesen.[3]
Limitationen
- Screeninginstrument, kein Diagnoseverfahren – ersetzt kein strukturiertes klinisches Interview
- DSM-5-Cluster (negative kognitive Veränderungen, anhaltend negativer Affekt) nicht abgedeckt
- Setzt ein konkret benennbares Indexereignis voraus
- Bei komplexen oder länger zurückliegenden Traumatisierungen ist die Aussagekraft eingeschränkt.
- Die IES-R zeigt begrenzte Spezifität gegenüber komorbiden Störungen (z.B. Depression, Angststörungen) und ist anfällig für Recall-Bias.
Hintergrund
Die originale IES von Horowitz, Wilner & Alvarez aus 1979 erfasste ausschließlich Intrusion und Vermeidung – die beiden Kerndimensionen aus Horowitz' Modell der traumatischen Stressverarbeitung.[4] Mit Einführung des DSM-IV in 1994 rückte Hyperarousal als dritter Symptomcluster der PTBS in den Fokus, den die originale Skala nicht abbildete. Weiss und Marmar erweiterten das Instrument daher um sieben neue Items: sechs zur Hyperarousal-Symptomatik sowie ein zusätzliches Intrusions-Item, das Flashback-Erleben gezielt erfasst. Die Gesamtitemzahl stieg damit von 15 auf 22. Die deutsche Adaptation von Maercker und Schützwohl aus 1998 validierte das Verfahren an zwei deutschen Traumastichproben und ergänzte eine eigene Auswertungsformel.[3]
Literatur
- Maercker, A. (o. J.). Impact of Event Scale – revidierte Form (IES-R): Testbeschreibung. Universität Zürich.
- Der Fragebogen samt Auswertungsschema steht auf der Website der Universität Zürich zum Download bereit.
Quellen
- ↑ Weiss, D. S., & Marmar, C. R. (1997). The Impact of Event Scale—Revised. In J. P. Wilson & T. M. Keane (Eds.), Assessing psychological trauma and PTSD (pp. 399–411). The Guilford Press.
- ↑ 2,0 2,1 Creamer, M., Bell, R., & Failla, S. (2003). Psychometric properties of the Impact of Event Scale - Revised. Behaviour research and therapy, 41(12), 1489–1496.
- ↑ 3,0 3,1 Maercker, A., & Schützwohl, M. (1998). Erfassung von psychischen Belastungsfolgen: Die Impact of Event Skala-revidierte Version (IES-R) [Assessment of post-traumatic stress reactions: The Impact of Event Scale-Revised (IES-R)]. Diagnostica, 44(3), 130–141.
- ↑ Horowitz, M., Wilner, N., & Alvarez, W. (1979). Impact of Event Scale: a measure of subjective stress. Psychosomatic medicine, 41(3), 209–218.