Hyperarousal
Definition
Hyperarousal bezeichnet einen Zustand anhaltender oder leicht auslösbarer Übererregung des autonomen Nervensystems mit erhöhter Wachsamkeit, innerer Anspannung und gesteigerter Reaktionsbereitschaft. Betroffene befinden sich in einem dauerhaften Alarmzustand, obwohl keine akute äußere Bedrohung besteht.
Hintergrund
Der Begriff wird insbesondere im Zusammenhang mit Traumafolgestörungen verwendet und beschreibt dort einen zentralen Symptomcluster der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Darüber hinaus tritt Hyperarousal auch bei Angststörungen, Anpassungsstörungen, chronischem Stress, Schlafstörungen sowie bei bestimmten somatischen Erkrankungen mit vegetativer Dysregulation auf.
Ätiologie
Die Ätiologie des Hyperarousals ist multifaktoriell. Häufig liegt eine chronische oder akute psychische Belastung zugrunde, insbesondere traumatische Erfahrungen. Neurobiologisch spielt eine Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) eine wesentliche Rolle, mit veränderter Cortisolsekretion und gesteigerter noradrenerger Aktivität im Locus caeruleus. Auch genetische Prädispositionen, frühkindliche Stressoren und somatische Erkrankungen können zur Entwicklung beitragen.
Pathophysiologie
Pathophysiologisch liegt dem Hyperarousal eine anhaltende Überaktivierung stressverarbeitender neuronaler Netzwerke zugrunde. Zentral beteiligt sind die Amygdala, der Hippocampus und der präfrontale Cortex. Die verminderte inhibitorische Kontrolle des präfrontalen Cortex über limbische Strukturen führt zu einer gesteigerten Angst- und Alarmbereitschaft. Parallel kommt es zu vegetativen Veränderungen wie Tachykardie, erhöhter Muskelspannung und Schlaf-Wach-Dysregulation.
Symptome
Klinisch äußert sich Hyperarousal durch eine Vielzahl vegetativer, emotionaler und kognitiver Symptome, u.a.:
- erhöhte Schreckhaftigkeit
- innere Unruhe
- Reizbarkeit
- Konzentrationsstörungen
- Schlafstörungen
- Palpitationen, Schwitzen, Tremor und Hypertonie