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Haubenrinnenreflex

Synonym: Schlundrinnenreflex

1 Definition

Der Haubenrinnen- bzw. Schlundrinnenreflex ist ein unwillkürlich gesteuerter Reflex in der Haube bei neugeborenenen Wiederkäuern.

2 Physiologie

Neugeborene Wiederkäuer sind in den ersten Lebenswochen ausschließlich auf Milch als Nahrungsquelle angewiesen. Das Vormagensystem ist zunächst klein ausgebildet, besitzt noch keine Besiedelung von Mikroorganismen und ist somit praktisch funktionslos.

Um die aufgenommene Milch auch verdauen zu können, muss eine Gerinnung des Caseins ermöglicht werden. Dies erfolgt unter Einwirkung des Labferments (Prochymosin) und Salzsäure. Daher ist es entscheidend, dass die Milch nach der Aufnahme ohne Verzögerung schnell in den Labmagen (Abomasum) gelangt. Damit die aufgenommene Milch nach der Passage des Ösophagus direkt in den Labmagen abfließen kann, ist ein ausgeprägter Haubenrinnenreflex (Schlundrinnenreflex) ausgebildet. Darunter versteht man die reflektorisch ausgelöste spiralige Drehung der beiden Haubenlippen bei gleichzeitiger Relaxation von Hauben-Psalter-Öffnung (Ostium reticuloomasicum ) und Psalterkanal. Durch diesen Reflex wird ein funktioneller Bypass zwischen Ösophagus und Labmagen geschaffen, der auch als Sulcus ventriculi bezeichnet wird.

Der Reflex wird bei neugeborenen Wiederkäuern durch die Aktivierung von Chemorezeptoren in der Maulhöhle und im Pharynx durch die beim Saugen aufgenommene Milch ausgelöst. Die weiteren Bestandteile des Reflexbogens werden durch vagale Afferenzen (über den Nervus glossopharyngeus), der Medulla oblongata sowie des dorsalen Bauchvagus (Truncus vagalis dorsalis) als efferente Reflexbahn, gebildet.

3 Klinik

3.1 Pansensäufer

Bei unphysiologischen Haltungs- oder auch Fütterungsmethoden kann bei Kälbern zu einem vollständigen oder teilweisen Ausfall des Haubenrinnenreflexes kommen. Die fehlende Bypassbildung führt dazu, dass die Milch zumindest teilweise in den noch wenig entwickelten Pansen gelangt. Bei diesen im klinischen Sprachgebrauch bezeichneten "Pansensäufern" entwickelt sich aufgrund der mikrobiellen Fermentation der Milch (Fehlgärung) im Vormagen eine unter Umständen schwerwiegende, akute oder chronische Verdauungsstörung.

3.2 Reflex

Der Schluss der Haubenrinne kann experimentell durch Applikation von Lokalanästhetika im Maulbereich, intravenöse Injektionen von Atropin oder einer Vagotomie verhindert werden. Im umgekehrten Fall kann durch die Zugabe von Kupfer- oder Natriumsalzen zur Tränke der Reflex bei Lämmern und Kälbern ausgelöst werden, auch wenn diese keine Milch enthält. Der Haubenrinnenreflex ist durch andere sensorische Stimuli konditionierbar und lässt sich umso leichter auslösen, je hungriger das Tier ist.

Da der heranwachsende Wiederkäuer zunehmend mehr Raufutter zu sich nimmt und sich das Vormagensystem immer mehr weiterentwickelt, verschwindet der Haubenrinnenreflex.

4 Literatur

  • von Engelhardt, Wolfgang, et al. Physiologie der Haustiere. Georg Thieme Verlag, 2015
  • König, Horst Erich, Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014

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