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Gleichgewichtsbahn

1 Definition

Die Gleichgewichtsbahn besteht aus Nervenzellen und Nervenfasern, welche die Informationen vom Gleichgewichtsorgan zu verschiedenen Regionen des Gehirns weiterleiten.

2 Anatomie

2.1 Erstes Neuron

Die Haarzellen sind die Sinneszellen des Gleichgewichtsorgans und für die Reizaufnahme zuständig (Transduktion). Sie sind sekundäre Sinneszellen, was bedeutet, dass sie die Information nicht selber weiter leiten (Transformation), sondern auf einen Reiz hin direkt mit einer Transmitterfreisetzung reagieren und somit die nachgeschaltete Nervenzelle erregen.

Der Zellkörper dieses ersten Neurons der Gleichgewichtsbahn liegt im Ganglion vestibulare, welches am Boden des inneren Gehörgangs (Meatus acusticus internus) lokalisiert ist. Die Axone dieser Neurone bilden in ihrer Gesamtheit den Nervus vestibularis und nach dem Zusammenschluss mit dem Nervus cochlearis den Nervus vestibulocochlearis.

Der Nervus vestibulocochlearis ist der 8. Hirnnerv und verläuft gemeinsam mit dem Nervus facialis vom Innenohr durch den Gehörgang im Felsenbein zum Hirnstamm. In diesen tritt der Nerv im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels (Bereich zwischen Medulla oblongata und Pons) ein.

2.2 Zweites Neuron

In der Rautengrube (hinterer Bereich der Medulla oblongata und des Pons) liegen die Nuclei vestibulares. In diesen befinden sich die Zellkörper des zweiten Neurons der Gleichgewichtsbahn. Die Nuclei vestibulares bestehen aus vier Kerngebieten:

Die Afferenzen des Gleichgewichtsorgans projizieren dabei vor allem in den oberen, den unteren und den medialen Kern. Der laterale Vestibulariskern erhält seine Afferenzen vor allem aus dem Kleinhirn.

Weitere Afferenzen der Vestibulariskerne kommen aus dem Rückenmark.

2.3 Drittes Neuron

Von den Vestibulariskernen geht es zu dem dritten Neuron der Gleichgewichtsbahn. Dieses kann sich im

befinden.

3 Aufgaben

Über diese komplexe Verschaltung kann ein Zusammenspiel der Bewegungen von Rumpf, Hals und Extremitäten mit den Augenbewegungen und vestibulären Reizen koordiniert werden. So ist zum Beispiel für das Fixieren eines Gegenstandes bei einer Kopfbewegung das Zusammenspiel von Gleichgewichtsorgan, Augen- und Halsmuskeln notwendig.

Die Verschaltung mit dem Rückenmark ist hierbei für die Steuerung der Muskeln essentiell, die Verschaltung mit dem Kleinhirn für die Stützmotorik, mit dem Cortex für die Raumorientierung und mit den Augenmuskelkernen für die reflektorischen Augenbewegungen.

4 Klinik

Bei einem Ausfall des Labyrinths (wesentliche Komponente des Gleichgewichtsorgans) kommt es akut zu Übelkeit, Drehschwindel und einem Ausfallnystagmus. Nach einiger Zeit nehmen die Beschwerden ab; es erfolgt eine Kompensation durch das noch intakte Labyrinth der anderen Seite und durch das visuelle System.

Bei Läsionen der Vestibulariskerne sind die Körperhaltung, die Raumorientierung und die Blickstabilisierung gestört. Dies führt zu Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und einem Nystagmus.

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