Eating Disorder Inventory
Definition
Das Eating Disorder Inventory, kurz EDI, ist ein psychometrisches Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung von Essstörungssymptomen und begleitenden psychologischen Merkmalen. Es wird zur diagnostischen Unterstützung, Differenzialdiagnostik sowie zur Verlaufs- und Therapieevaluation bei Essstörungen eingesetzt.
Hintergrund
Das EDI wurde Anfang der 1980er-Jahre von David M. Garner und Mitarbeitenden entwickelt, um neben dem Essverhalten auch psychologische Konstrukte zu erfassen, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen beteiligt sind. Aufbauend auf empirischen Befunden wurde das Instrument mehrfach überarbeitet. Die wichtigsten Versionen sind das EDI, das EDI-2 sowie das EDI-3, die sich im Umfang und in der Differenzierung der Skalen unterscheiden.
Aufbau und Inhalte
Das EDI besteht aus mehreren Subskalen, die kognitive, emotionale und behaviorale Aspekte essstörungsspezifischer Psychopathologie abbilden. Die Items werden auf einer Likert-Skala beantwortet und zu Subskalenwerten zusammengefasst. Zu den zentralen Subskalen zählen unter anderem:
- Schlankheitsstreben
- Bulimie
- Unzufriedenheit mit dem Körper
- Ineffektivität
- Perfektionismus
- Interpersonelles Misstrauen
- Interozeptive Wahrnehmung
- Reifungsangst
Erweiterte Versionen, insbesondere das EDI-3, beinhalten zusätzliche Skalen zu allgemeinen psychologischen Funktionsbereichen wie Selbstwert, emotionaler Dysregulation, Angst oder zwischenmenschlichen Problemen. Dadurch wird eine differenziertere psychopathologische Profilbildung ermöglicht.
Durchführung und Auswertung
Das EDI wird als Papier- oder computergestützter Fragebogen eingesetzt und richtet sich primär an Jugendliche und Erwachsene. Die Bearbeitungsdauer liegt je nach Version zwischen etwa 20 und 45 Minuten. Die Auswertung erfolgt anhand standardisierter Normwerte, die nach Alter und Geschlecht differenziert vorliegen. Die Interpretation der Ergebnisse sollte ausschließlich durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen und immer im klinischen Gesamtkontext erfolgen.
Anwendungsgebiete
Das EDI findet Anwendung bei der:
- diagnostischen Abklärung bei Verdacht auf Essstörungen (z.B. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung)
- differenzialdiagnostischen Einschätzung psychologischer Begleitmerkmale
- Therapieplanung und Verlaufsbeurteilung
- klinischen und experimentellen Forschung zu Essstörungen
Gütekriterien
Für das EDI liegen umfangreiche Untersuchungen zu Reliabilität und Validität vor. Die meisten Subskalen zeigen gute bis sehr gute interne Konsistenzen. Zudem wurden Belege für Konstrukt-, Kriteriums- und diskriminante Validität erbracht. Das Instrument gilt als ausreichend sensitiv für Veränderungen im Therapieverlauf.
Limitationen
Das EDI ist kein kategoriales Diagnostikinstrument im Sinne von ICD- oder DSM-Klassifikationen, sondern liefert dimensional ausgerichtete Zusatzinformationen. Die Ergebnisse müssen stets mit klinischen Interviews und weiteren diagnostischen Verfahren kombiniert werden. Einschränkungen bestehen unter anderem in der Anfälligkeit für Antwortverzerrungen sowie in der begrenzten kulturellen Übertragbarkeit einzelner Normen.
Literatur
- Garner DM, Olmsted MP, Polivy J. Development and validation of a multidimensional eating disorder inventory for anorexia nervosa and bulimia. Int J Eat Disord. 1983;2(2):15–34.
- Thiel, A., Jacobi, C., Horstmann, S., Paul, T., Nutzinger, D. O., & Schüssler, G. (1997). Eine deutschsprachige Version des Eating Disorder Inventory EDI-2 [A German version of the Eating Disorder Inventory EDI-2]. Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie, 47(9-10), 365–376.
- Clausen, L., Rosenvinge, J. H., Friborg, O., & Rokkedal, K. (2011). Validating the Eating Disorder Inventory-3 (EDI-3): A Comparison Between 561 Female Eating Disorders Patients and 878 Females from the General Population. Journal of psychopathology and behavioral assessment, 33(1), 101–110.