Dickdarmschleimhaut
Synonym: Dickdarmmukosa
Definition
Als Dickdarmschleimhaut bezeichnet man die Mukosa von Zökum, Kolon, Rektum und der Appendix vermiformis. Sie dient vor allem der Rückresorption von Wasser und Elektrolyten, der Schleimproduktion und der Barrierefunktion gegenüber der dichten bakteriellen Besiedlung des Darmlumens.
Histologie
Die Dickdarmschleimhaut besteht aus Epithel, Lamina propria und Muscularis mucosae. Sie kleidet das Darmlumen ohne Zotten aus und zeigt stattdessen eine gleichmäßige, von zahlreichen Krypten durchsetzte Oberfläche.
Epithel
Das Oberflächenepithel ist ein einschichtiges Zylinderepithel. Die Zellen sind durch Tight Junctions eng miteinander verbunden und bilden eine wirksame Diffusionsbarriere. Typisch für den Dickdarm ist der hohe Anteil an Becherzellen, die kontinuierlich Schleim (Muzine) produzieren. Zwischen ihnen liegen resorptive Epithelzellen (Kolonozyten) sowie vereinzelt enteroendokrine Zellen.
Krypten (Cryptae intestinales)
Die Krypten sind schlauchförmige Einstülpungen der Schleimhaut, die bis zur Muscularis mucosae reichen. Sie sind dicht und regelmäßig angeordnet. In den tieferen Abschnitten befinden sich Stammzellen, aus denen sich das Oberflächenepithel kontinuierlich erneuert. Die hohe Zellumsatzrate ist eine Anpassung an die starke mechanische und mikrobielle Belastung der Schleimhaut.
Lamina propria
Die Lamina propria besteht aus lockerem Bindegewebe mit Blut- und Lymphgefäßen sowie zahlreichen Immunzellen. Lymphfollikel können im gesamten Dickdarm vorkommen und sind in der Appendix besonders stark ausgeprägt. Die Dickdarmschleimhaut ist damit ein wichtiger Bestandteil des darmassoziierten Immunsystems.
Schleimschicht
Auf dem Epithel liegt eine ausgeprägte Schleimschicht. Sie wird funktionell in eine innere, dichte Schutzschicht und eine äußere, locker strukturierte Schicht unterschieden, die von Darmbakterien besiedelt ist. Diese Organisation trennt das Darmmikrobiom räumlich vom Epithel.
Physiologie
Rückresorption von Wasser und Elektrolyten
Die zentrale Aufgabe der Dickdarmschleimhaut ist die Rückresorption von Wasser. Dabei folgt Wasser osmotisch der aktiven Aufnahme von Natrium (Na+) und dem Transport von Chlorid (Cl-). Dieser Prozess führt zur Eindickung des Darminhalts und zur Stuhlformung.
Schleimproduktion und Gleitfähigkeit
Der kontinuierlich gebildete Schleim erleichtert die Passage des Darminhalts und schützt die Oberfläche vor mechanischer Reibung. Besonders im distalen Kolon und Rektum ist diese Funktion bedeutsam.
Barrierefunktion
Tight Junctions, Schleimschicht und lokale Immunzellen bilden zusammen eine effektive Barriere gegen das Eindringen von Bakterien und schädlichen Substanzen. Gleichzeitig muss die Schleimhaut eine Toleranz gegenüber der physiologischen Darmflora und Nahrungsbestandteilen aufrechterhalten.
Darmmikrobiom
Im Dickdarm werden unverdauliche Nahrungsreste durch Bakterien fermentiert. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die von den Schleimhautzellen als Energiequelle genutzt werden und die Integrität der Barriere unterstützen. Die Schleimhaut beeinflusst umgekehrt über Schleimproduktion und Immunantwort die Zusammensetzung des Mikrobioms.