Desfluran
Handelsname: Suprane®
Synonym: Desfluranum; 2-(Difluoromethoxy)-1,1,1,2-Tetrafluoro-Ethan (IUPAC)
Englisch: desflurane
Definition
Desfluran ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Inhalationsanästhetika und kommt im Rahmen der Narkose zum Einsatz.
Chemie
Desfluran ist ein ausschließlich mit Fluor halogenierter Ethylmethylether aus der Gruppe der Flurane. Seine Summenformel lautet C3H2OF6. Die molekulare Masse beträgt 168.04 g/mol. Der Siedepunkt liegt bei 22,8 - 23,5°C und der Dampfdruck beträgt 209,4 mmHg bei 20°C. Als Flüssigkeit ist es farblos uns zeigt einen stechenden Geruch.
Wirkmechanismus
Die narkotische Wirkung von Desfluran wird nach derzeitigem Stand durch eine komplexe Wechselwirkung mit Proteinen, Lipiden sowie Wasser in den Nervenmembranen erklärt.
Pharmakokinetik
Desfluran wird als Flüssigkeit bereitgestellt und mittels eines Vapors zum Zweck der Inhalation in das Atemgas eingebracht. Die hepatische Metabolisierung liegt unter 0,1 % und ist damit die geringste aller Flurane; schwere Leberschädigungen sind selten, aber kasuistisch beschrieben. Die Elimination erfolgt nahezu vollständig unverändert pulmonal durch Abatmung.
Desfluran ist nur gering im Blut löslich – der Blut-Gas-Verteilungskoeffizient beträgt ca. 0,45. Daraus resultieren ein schnelles An- und Abfluten und eine sehr gute Steuerbarkeit. Im Vergleich zu Isofluran und Sevofluran ist Desfluran weniger potent; die minimale alveoläre Konzentration (MAC) liegt bei Erwachsenen bei ca. 6,0 Vol.-% (altersabhängig).
Indikationen
Desfluran ist zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Anästhesie bei Erwachsenen sowie zur Aufrechterhaltung einer Anästhesie bei Kindern indiziert. Zur Narkoseeinleitung bei Kindern mittels Maskeneinleitung ist Desfluran wegen ausgeprägter Atemwegsreizung nicht geeignet.
Darreichungsformen
Desfluran liegt als Flüssigkeit zur Herstellung eines Dampfes zur Inhalation vor. Die Applikation erfolgt ausschließlich über einen speziellen, kalibrierten Vapor.
Dosierung
Zur inhalativen Narkoseeinleitung bei Erwachsenen kann mit 3 Vol.-% begonnen und die Konzentration alle 2–3 Atemzüge um 0,5–1,0 Vol.-% gesteigert werden. Inspiratorische Konzentrationen von 4–11 Vol.-% führen in der Regel innerhalb von 2–4 Minuten zur chirurgischen Toleranz.
Zur Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie werden bei Erwachsenen inspiratorische Konzentrationen von meist 2–6 Vol.-% eingesetzt. Die erforderliche Konzentration richtet sich nach Alter, Begleitmedikation und Narkosetiefe. Unter Zusatz von Opioiden oder anderen Hypnotika kann der Bedarf reduziert sein.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Atemwegsreizung: Husten, Laryngospasmus, Apnoe, Bronchospasmus
- Kopfschmerzen
- Herzrhythmusstörungen: Tachykardie, Bradykardie
- Hypotonie, Hypertonie
- Pharyngitis, Konjunktivitis
- Postoperative Übelkeit und Erbrechen
- Überempfindlichkeitsreaktionen
Wechselwirkungen
Desfluran verstärkt die Wirkung nicht-depolarisierender Muskelrelaxantien. In Kombination mit Opioiden und Benzodiazepinen sinkt der MAC-Bedarf. Bei gleichzeitiger Gabe sympathomimetischer Substanzen ist mit verstärkten Kreislaufreaktionen zu rechnen.
Kontraindikationen
- Kontraindikation gegen Allgemeinanästhesie
- Überempfindlichkeit gegenüber halogenierten Inhalationsanästhetika
- Bekannte oder erblich bedingte Disposition zu maligner Hyperthermie
- Neigung zu Bronchokonstriktion
Bei Patienten mit Risiko für eine koronare Herzkrankheit oder Situationen, in denen ein Anstieg von Herzfrequenz oder Blutdruck nicht erwünscht ist, soll Desfluran nicht als alleiniges Mittel zur Narkoseeinleitung eingesetzt werden, sondern in Kombination mit intravenösen Opioiden und Hypnotika.
Zulassung
Desfluran wurde 1991 in den USA und 1995 in Deutschland zugelassen.
Desfluran weist von allen volatilen Anästhetika das mit Abstand höchste Treibhauspotenzial auf. Gemäß der EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase ist der Einsatz von Desfluran seit dem 1. Januar 2026 grundsätzlich verboten, ausgenommen Fälle, in denen die Anwendung medizinisch unbedingt erforderlich und alternativlos ist. Die Begründung ist zu dokumentieren und auf Verlangen der zuständigen Behörde vorzulegen.[1]
Literatur
- Fachinformation Suprane® (Baxter), Stand 2023.
- Khan J, Liu M. Desflurane. StatPearls Publishing; 2023.
Quellen
- ↑ Verordnung (EU) 2024/573 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. Februar 2024 über fluorierte Treibhausgase. Amtsblatt der EU. 2024.