Dermatitis artefacta
Synonyme: artifizielle Dermatitis, faktitive Dermatitis, Dermatitis factitia
Englisch: factitious dermatitis, factitial dermatitis, self inflicted skin injuries
Definition
Die Dermatitis artefacta ist eine psychodermatologische Störung, bei der Patienten bewusst Hautläsionen verursachen. Das selbstverletzende Verhalten wird in der Regel geleugnet.
- ICD-10: L98.1 - Dermatitis factitia
Hintergrund
Bei der Dermatitis artefacta handelt es sich nicht primär um eine Hautkrankheit, sondern um ein psychisches Krankheitsbild mit selbst beigebrachten Hautläsionen als Ausdruck von inneren Konflikten oder einer psychischen Erkrankung. Im Unterschied zur Simulation (artifizielle Störung) wird hierdurch aber kein direkter Nutzen angestrebt. Dennoch verschweigen die Patienten in der Regel die tatsächliche Ursache der Läsionen hartnäckig, sodass teils eine umfangreiche Diagnostik mit multiplen Konsultationen ohne Besserung der Symptome stattfindet.[1]
Epidemiologie
Bisher (2026) fehlen belastbare epidemiologische Daten. Die Dermatitis artefacta gilt als seltene und unterdiagnostizierte Erkrankung, die überwiegend bei Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen auftritt und häufiger Frauen betrifft.[2][1]
Symptome
Die Hautläsionen treten in der Regel an gut erreichbaren Körperstellen auf und folgen meist keinen somatischen Verteilungsmustern. Am häufigsten ist das Gesicht betroffen, gefolgt von den Handrücken und dem Unterarm der nicht-dominanten Extremität. Die Läsionen sind meist bizarr verteilt und befinden sich in verschiedenen Abheilungsstadien. Die Anamnese hinsichtlich der Entstehung und des zeitlichen Ablaufs ist in der Regel unvollständig. Teilweise zeigen die Patienten eine gewisse Gleichgültigkeit.[1]
Diagnostik
Die Diagnose umfasst primär Anamnese und Ausschluss somatischer Ursachen. Mögliche Hinweise auf eine Dermatitis artefacta sind inkonsistente Verlaufsangaben, fehlende Besserung trotz adäquater Therapie und ein hartnäckiges Negieren jeglicher Selbstmanipulation. Die Dermatitis artefacta kann als Ausschlussdiagnose verstanden werden und sollte nur gestellt werden, wenn hinreichende Belege für eine Selbstschädigung vorliegen.
Differentialdiagnosen
Außerdem müssen entzündliche Dermatosen ausgeschlossen werden. Dies umfasst vor allem die atopische Dermatitis, Kontaktdermatitis, Vaskulitis, Ulzera und Autoimmundermatosen.
Therapie
Neben der Wundversorgung steht die Behandlung einer zugrundeliegen psychiatrischen Erkrankung im Mittelpunkt der Therapie, z.B. mit Antidepressiva, Antipsychotika und Psychotherapie.[1]
Literatur
- Tittelbach et al.: Dermatopathologische Hinweise auf Artefakte. JDDG, 2018
- Pföhler et al.: Dermatitis artefacta durch Deospray. Hautnah Dermatologie, 2016
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Chandran & Kurien: Dermatitis Artefacta, Stat Pearls, 2022. Zuletzt abgerufen am 06.01.2025
- ↑ Di Brizzi EV, Ficca G, Piccolo V, et al.: Dermatitis Artefacta: A Retrospective Descriptive Study of 46 Patients, Dermatology Practical & Conceptual (2024), DOI: 10.5826/dpc.1402a53