Cychlorphin
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LoslegenSynonym: N-Propionitril-Chlorphin
Englisch: cychlorphine, N-propionitrile chlorphine
Definition
Cychlorphin ist ein potentes synthetisches Opioid aus der Gruppe der Piperidin-Benzimidazolone. Es wird als Designerdroge verbreitet und kann zu schweren bis tödlichen Intoxikationen führen.[1][2] Die Substanz fällt unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG), d.h. es besteht eine generelles Umgangsverbot, für das nur wenige Ausnahmen (z.B. Forschung) gelten.
Hintergrund
Das US-amerikanische CFSRE identifizierte Cychlorphin erstmals im August 2024 und bestätigte den Befund im September 2024 anhand eines Referenzstandards.[1] Klinisch relevant ist insbesondere die Exposition durch falsch deklarierte Produkte. In publizierten Intoxikationsfällen hatten Betroffene angegeben, vermeintliches Alprazolam konsumiert zu haben.[2][3]
Chemie
Cychlorphin ist ein Benzimidazolon-Derivat und strukturell mit Brorphin und Chlorphin verwandt, die ebenfalls zu den Orphinen zählen. Gegenüber Chlorphin besitzt es eine zusätzliche Cyanoethylgruppe am Stickstoffatom des Benzimidazolonrings. Es gehört weder zu den Fentanyl-Analoga noch zu den Nitazenen.
Die Summenformel der freien Base lautet C23H25ClN4O, ihre molare Masse beträgt etwa 408,9 g/mol.[1]
Pharmakologie
Cychlorphin wirkt als Agonist am μ-Opioidrezeptor. Die Aktivierung dieses Rezeptors erklärt die opioidtypischen Wirkungen und insbesondere das Risiko einer ausgeprägten Atemdepression.
Die substanzspezifische Datenlage ist bislang begrenzt. Experimentelle Befunde sprechen für eine hohe Potenz. Ein verlässlicher klinischer Umrechnungsfaktor gegenüber Morphin oder Fentanyl lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Ebenso fehlen ausreichend gesicherte Humanbefunde zu Bioverfügbarkeit, Halbwertszeit und Wirkdauer. Ergebnisse zu verwandten Orphinen sind nicht ohne Weiteres auf Cychlorphin übertragbar.[4]
Toxikologie
Klinisches Bild
Eine Überdosierung von Cychlorphin manifestiert sich als Opioidintoxikation. In Fallberichten wurden insbesondere folgende Befunde beschrieben:
- ausgeprägte Bewusstseinsstörung bis zur Bewusstlosigkeit
- Atemdepression bis zur Apnoe
- Bradykardie
Bei der Interpretation ist ein möglicher Mischkonsum zu berücksichtigen. In einem 2026 veröffentlichten Fall wurde Cychlorphin im Serum einer Patientin mit Bewusstlosigkeit und Atemdepression nachgewiesen; zusätzlich fanden sich unter anderem Bromazolam und weitere Substanzen. Das klinische Bild sprach auf Naloxon an.[2]
In einem weiteren Fall wurde Cychlorphin überwiegend in einer sichergestellten Substanzprobe gefunden, die zusätzlich Fentanyl und Xylazin enthielt. Ein biologischer Nachweis beim Patienten erfolgte nicht, sodass sich der Anteil der einzelnen Substanzen an der Intoxikation nicht sicher bestimmen ließ.[3]
Diagnostik
Die Akutdiagnose richtet sich nach dem klinischen Bild. Ein negatives routinemäßiges Drogenscreening auf Opiate oder Fentanyl schließt eine Cychlorphin-Exposition nicht aus. Auch entsprechende Teststreifen erfassen die Substanz nicht zuverlässig.[5]
Für die Bestätigung sind spezialisierte toxikologische Analysen, insbesondere massenspektrometrische Verfahren, erforderlich. Das Untersuchungsspektrum muss Cychlorphin einschließen.[2]
Therapie
Die Behandlung orientiert sich an den Grundsätzen der Opioidintoxikation. Im Vordergrund stehen:
- Sicherung der Atemwege und ausreichender Ventilation
- bedarfsgerechte Sauerstoffgabe und gegebenenfalls assistierte Beatmung
- Gabe von Naloxon bei opioidbedingter Atemdepression, bei Bedarf wiederholt
- Überwachung von Atmung, Bewusstsein und Kreislauf
Ein Ansprechen auf Naloxon ist klinisch dokumentiert. Die Aussage, Cychlorphin-Intoxikationen seien grundsätzlich naloxonresistent, ist daher nicht gerechtfertigt. Persistierende Symptome können unter anderem durch zusätzliche, nichtopioide Substanzen erklärt werden. Aufgrund der unzureichend charakterisierten Wirkdauer ist auf eine erneut auftretende Atemdepression nach initialer Besserung zu achten.[2][4]
Bei klinischem Verdacht auf eine Opioidintoxikation darf ein negatives Drogenscreening die sofortige Behandlung der Atemdepression nicht verzögern.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Center for Forensic Science Research and Education. N-Propionitrile Chlorphine. Forensically-Relevant Drug Database. Abgerufen am 17.09.2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Kusko R et al. An Emerging Synthetic Opioid in the Drug Supply: A Case of Opioid Overdose with Biological Confirmation of Cychlorphine. J Med Toxicol. 2026. doi:10.1007/s13181-026-01146-4.
- ↑ 3,0 3,1 Sprague JE, Toms JA, Ratermann CF. Non-fatal opioid overdose associated predominantly with the benzimidazolone, cychlorphine. Clin Toxicol (Phila). 2026;64(2):146–147.
- ↑ 4,0 4,1 Raffa RB et al. Cychlorphine (N-Propionitrile Chlorphine): An Emerging Benzimidazolone Synthetic Opioid and Its Implications for Overdose Recognition and Management. J Pain Res. 2026;19:620907.
- ↑ Kusko R, Aldy K. ToxIC NOSE Report #22: Cychlorphine — An Emerging Opioid. American College of Medical Toxicology. 2026.