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Chabertia ovina

nach Philibert Chabert (1737 bis 1824), französischer Tierarzt
von lateinisch: ovis - Schaf
Englisch: large-mouthed bowelworm

1 Definition

Chabertia ovina ist der Erreger der Chabertiose der Wiederkäuer.

2 Taxonomie

3 Erreger

Chabertia ovina ist ein mittelgroßer, weiß-gelblicher Parasit. Die Weibchen sind zwischen 11 und 16 mm, die Männchen hingegen 12 bis 20 mm lang. Sie besitzen große, ovoide und leicht nach ventral geneigt Mundkapseln. Die Mundöffnung ist von zahlreichen, zähnchenartigen Blättchen umgeben. Die Cuticula am vorderen Ende ist mit einer kleinen Kopfblase (Cervicalblase) und einer ventralen Zervikalfurche versehen. Die Männchen sind mit einer Bursa copulatrix, langen Spicula und Gubernaculum ausgestattet.

Chabertia ovina ist ein Parasit von Haus- und Wildwiederkäuern und ist v.a im Colon und im Caecum lokalisiert.

Die Eier sind dünnschalig, oval, 72 bis 100 x 38 bis 63 µm groß und enthalten Furchungszellen (Blastomere).

4 Entwicklung

Die externe Entwicklung verläuft - wie bei allen Strongyliden - vom Ei bis zur bescheideten Drittlarve (L3). Wirte infizieren sich durch perorale Aufnahme infektiöser Larven, die nach dem Ausschlüpfen aus der Exuvie in der Mukosa oder Submukosa des gesamten Dünndarmes (bei einer starken Infektion auch des Dickdarmes) eine etwa einwöchige histotrope Phase durchlaufen. Im Verlauf dieser Zeit häuten sie sich zur Viertlarve (L4), die unmittelbar danach in das Darmlumen auswandert.

Die finale Entwicklung zum präadulten Stadium erfolgt vorwiegend im Caecum, die Ansiedlung der Adulten findet im Colon statt. Die Präpatenz beträgt 7 Wochen.

Ein patent bestehender Befall mit Eiausscheidung findet hauptsächlich nach einer schwachen Infektion (mit einigen hundert Drittlarven) statt. Bei einer hohen Wurmbürde wird ein erheblicher Teil der Population etwa 2 Monate p.i. eliminiert. Die Eiausscheidung ist dann reduziert oder bleibt ganz aus. Die juvenilen Viertlarven können eine Hypobiose vollziehen.

5 Vorkommen

Chabertia ovina ist weltweit verbreitet und vorwiegend bei Schafen, Ziegen und seltener auch beim Rind sowie Wildwiederkäuern anzutreffen.

6 Epidemiologie

In Süddeutschland wurde 1998 bei Schafen eine Prävalenz von 98 %, bei Ziegen von 84 % nachgewiesen. Die Aufnahme der Parasiten erfolgt v.a. auf der Weide.

Die infektiöse Larve kann - auch außerhalb des Wirts - im Freiland überwintern und dabei Frostperioden überdauern. Unter günstigen Bedingungen entwickeln sich binnen einer Woche aus den Eiern bescheidete Drittlarven, die bei ausreichender Feuchtigkeit bis zu 10 Monate infektiös bleiben können. Diese Entwicklungsschritte sind auch bei relativ niedrigen Temperaturen von 4 bis 6 °C möglich.

7 Pathogenese

Medizinisch bedeutsam sind v.a. die präadulten Stadien sowie die Adultwürmer, die sich mehrheitlich im oberen Colon mit ihrer Mundkapsel an der Schleimhaut festsaugen. Dadurch verursachen sie Schleimhautläsionen, Entzündungsreaktionen und kleine Blutungen. Größere Läsionen wiederum führen zu Enteropathie mit Proteinverlust (v.a. Albumin) in das Darmlumen.

Meist liegen Mischinfektionen mit anderen Magen-Darm-Strongyliden (hauptsächlich mit Trichostrongylide) vor.

8 Klinik

Eine klinisch in Erscheinung tretende Chabertiose fällt mit Inappetenz, Abmagerung und Durchfall (schleimig-blutig) auf. Aufgrund der Reaktivierung hypobiotischer Viertlarven kann es gegen Ende des Winters zu Durchfallerkrankungen kommen.

9 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

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