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Cestoda-Infektion (Geflügel)

Synonyme: Zestoden-Infektion, Zestodenbefall, Bandwurmbefall

1 Definition

Als Cestoda-Infektion bezeichnet man eine große Gruppe parasitär bedingter Infektionskrankheiten beim Geflügel, die durch verschiedene Cestoda-Arten verursacht werden.

2 Ätiologie

Cestoda sind Parasiten, die vorrangig Vertebraten befallen (Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel, Säugetiere). Sie sind durch einen dorsoventral abgeplatteten und bandförmigen Körper gekennzeichnet, der sich aus einem Kopf (Scolex), einer ungegliederten Halszone und einer Kette (Strobila) von Gliedern (Proglottis) zusammensetzt. Am Scolex sind Sauggruben oder Saugnäpfe (mit oder ohne Rostellum und Haken) ausgebildet. Das Integument besitzt ein Synzytium mit oberflächlichen und mikrovilliartigen Strukturen.

Die Geschlechtsorgane sind bei den meisten Arten zwittrig angelegt. Jede Proglottis enthält je einen Satz (z.T. auch zwei Sätze) an männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen.

3 Epidemiologie

Beim Geflügel kommen in Mitteleuropa verschiedene Bandwurm-Arten vor. Aufgrund der an Zwischenwirte gebundenen Entwicklung finden Infektionen vorwiegend in Auslaufhaltungen oder bei Stallhaltungen auf, in denen die artspezifischen Zwischenwirte geeignete Lebensbedingungen vorfinden.

4 Entwicklung

Cestoda folgen einem diheteroxenen (Cyclophyllida, mit einem Zwischenwirt) oder triheteroxenen (mit zwei Zwischenwirten) Entwicklungszyklus. Die adulten Bandwürmer parasitieren in den Endwirten bevorzugt im Dünndarm. Einige Arten siedeln sich jedoch auch im Dickdarm, in den Gallenwegen oder extraintestinal (Metacestoda) in Körperhöhlen oder Organen an.

Vielen Arten weisen ein hohes Reproduktionspotenzial in den Endwirten auf. Durch geschlechtliche Vermehrung (Eiproduktion) bilden sie im Laufe von Monaten bis Jahren ständig neue Proglottiden.

5 Erkrankungen

Geflügelart Familie Parasit
Huhn Davaineidae
Dilepididae
Hymenolepididae
Truthuhn Davaineidae
  • Davainea proglottina
  • Raillietina spp.
Dilepididae
  • Choanotaenia infundibulum
  • Amoebotaenia cuneata
Hymenolepididae
  • Echinolepis carioca
  • Sobolevicanthus gracilis
Gans, Ente Hymenolepididae
Taube Davaineidae
Hymenolepididae
Anoplocephalidae

6 Diagnose

Der Erregernachweis erfolgt entweder mittels Koproskopie oder im Zuge der Sektion anhand der typischen Organveränderungen. Die Identifikation der Parasiten ist mikroskopisch anhand der Proglottiden sowie der Morphologie der Eier möglich.

7 Therapie

Cestoden sind gegenüber Flubendazol und Praziquantel artspezifisch sensibel. Da bei lebensmittelliefernden Tieren nur wenige Medikamente zugelassen sind, müssen stets die vorgeschriebenen Wartezeiten eingehalten werden.

8 Literatur

  • Boch J, Supperer R (Begr.), Schnieder T (Hrsg.). 2005. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-4135-9
  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 20. September 2021 um 10:10 Uhr bearbeitet.

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