Borrelia lusitaniae
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonym: Borreliella lusitaniae
Englisch: Borrelia lusitaniae
Definition
Borrelia lusitaniae ist ein bakterieller Krankheitserreger aus der Gruppe der Spirochäten. Er gehört zum Artenkomplex Borrelia burgdorferi sensu lato (s. l.). Dieser Komplex umfasst die Erreger der Lyme-Borreliose.
Taxonomie
Die taxonomische Einordnung lautet:
- Domäne: Bacteria
Borrelia lusitaniae wurde erstmals in den 1990er Jahren identifiziert und genetisch abgegrenzt. Nach der aktuell (2026) gültigen Nomenklatur wird die Art als Borrelia lusitaniae geführt. Der 2014 im Rahmen einer vorgeschlagenen Aufteilung der Gattung Borrelia eingeführte Name Borreliella lusitaniae ist zwar unter dem ICNP gültig publiziert, wird von der LPSN jedoch als Synonym von Borrelia behandelt und für den medizinischen Gebrauch nicht empfohlen. Die Gattungsaufteilung ist umstritten. Zuletzt wurde Borreliella als Subgenus innerhalb der Gattung Borrelia vorgeschlagen.[1]
Morphologie
Wie alle Borrelien handelt es sich um gramnegative, korkenzieherartig gewundene, bewegliche Bakterien. Die Abgrenzung zu anderen Spezies des Borrelia burgdorferi s. l.-Komplexes erfolgt primär über molekularbiologische Methoden wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und die Sequenzierung von Zielgenen, z.B. flaB, OspA oder der 5S-23S intergenischen Spacer-Region.
Vorkommen
Der Hauptvektor für Borrelia lusitaniae ist die Schildzecke Ixodes ricinus. Die geografische Prävalenz dieser Borrelienart weist ein deutliches Süd-Nord-Gefälle auf:
- Mittelmeerregion: In südeuropäischen Ländern wie Portugal, Spanien, Italien und Griechenland sowie in Teilen Nordafrikas (z.B. Tunesien, Marokko) ist Borrelia lusitaniae die dominierende oder eine der am häufigsten nachgewiesenen Borrelienarten in Zecken.
- Mittel- und Südosteuropa: Auch in Mitteleuropa (u.a. Deutschland, Österreich, Schweiz) kommt Borrelia lusitaniae vor, allerdings mit deutlich geringerer Prävalenz als Borrelia afzelii oder Borrelia garinii.
- Reservoirwirte: Als Hauptreservoir gelten Eidechsen der Familie Lacertidae (z.B. Mauereidechsen). Das Blut von Eidechsen wirkt auf andere Borrelienarten wie Borrelia afzelii oft borrelizid, bietet Borrelia lusitaniae jedoch günstige Überlebensbedingungen – ein wesentlicher Faktor für die enge ökologische Bindung dieser Art an Reptilien.
Phylogeografische Analysen bestätigen die enge Bindung von Borrelia lusitaniae an Ixodes-ricinus-Populationen im Mittelmeerraum und in Nordafrika sowie an Eidechsen als Reservoirwirte. Sie verorten den Ursprung der Art in Südosteuropa und beschreiben mehrere genetische Linien mit unterschiedlicher regionaler Verbreitung, darunter eine europäische und eine afrikanische Linie.[2]
Klinische Relevanz
Die pathogene Bedeutung von Borrelia lusitaniae für den Menschen ist im Vergleich zu den Haupterregern der Lyme-Borreliose noch Gegenstand aktiver Forschung:
- Symptomatik: Borrelia lusitaniae wird selten aus klinischem Material von Patienten isoliert. Dennoch gibt es dokumentierte Fälle, in denen die DNA von Borrelia lusitaniae bei Patienten mit Erythema migrans (Wanderröte) sowie bei chronischen Hautmanifestationen und Neuroborreliose-ähnlichen Symptomen nachgewiesen wurde. In Portugal wurde ein Fall einer lang bestehenden, sich ausbreitenden kutanen Borrelieninfektion beschrieben, bei dem aus einer Hautbiopsie Spirochäten kultiviert und molekularbiologisch als Borrelia lusitaniae identifiziert wurden.[3]
- Pathogenität: Die Spezies gilt als potenziell pathogen für den Menschen, besitzt aber vermutlich eine geringere Virulenz oder eine schwächere Fähigkeit zur Wirtsdissemination als Borrelia afzelii, Borrelia garinii oder Borrelia burgdorferi sensu stricto.
Diagnostik
Der serologische Nachweis mittels ELISA oder Western Blot erfolgt über Standardtests für Lyme-Borreliose, da eine hohe Kreuzreaktivität der Antikörper innerhalb des Borrelia burgdorferi s. l.-Komplexes besteht. Der genaue Speziesnachweis ist nur mittels PCR aus Zecken oder Gewebebiopsien möglich. Diagnostik und Therapie orientieren sich an den aktuellen deutschsprachigen Leitlinien zur Lyme-Borreliose, insbesondere der S2k-Leitlinie Kutane Lyme-Borreliose und der S3-Leitlinie Neuroborreliose.[4][5]
Therapie
Falls eine klinische Infektion auftritt, unterscheidet sich die Behandlung nicht von der Standardtherapie der Lyme-Borreliose. Es kommen Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim zum Einsatz.
Quellen
- ↑ LPSN – List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature, abgerufen am 12.08.2026
- ↑ Cirkovic V et al. Evolutionary dynamics and geographical dispersal of Borrelia lusitaniae. Front Microbiol. 2024;15:1330914.
- ↑ Collares-Pereira M et al. First isolation of Borrelia lusitaniae from a human patient. J Clin Microbiol. 2004;42(3):1316-1318.
- ↑ AWMF-Leitlinie 013-044: Kutane Lyme-Borreliose, abgerufen am 12.08.2026
- ↑ AWMF-Leitlinie 030-071: Neuroborreliose, abgerufen am 12.08.2026