Anti-LRP4-Antikörper
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LoslegenSynonyme: LRP4-Antikörper, Anti-LRP4-AK, LRP4-Ak
Englisch: anti-LRP4 antibodies, LRP4 autoantibodies
Definition
Anti-LRP4-Antikörper sind Autoantikörper gegen das Lipoproteinrezeptor-ähnliche Protein 4 (LRP4), einen postsynaptischen Korezeptor an der neuromuskulären Endplatte. Sie sind neben Anti-AChR- und Anti-MuSK-Antikörpern ein serologischer Marker der Myasthenia gravis (MG) und bei einem kleinen Teil der Patienten nachweisbar.[1]
Biochemie
LRP4 ist ein großes transmembranäres Glykoprotein aus der Familie der LDL-Rezeptor-verwandten Proteine. An der neuromuskulären Endplatte fungiert es als essenzieller Korezeptor im Agrin-LRP4-MuSK-Signalweg:
- Das motorneuronenständige Proteoglykan Agrin wird in den synaptischen Spalt sezerniert und bindet an LRP4.
- Die Agrin-LRP4-Bindung aktiviert die muskelspezifische Tyrosinkinase MuSK.
- Aktiviertes MuSK induziert über das Adapterprotein Dok-7 die Clusterbildung von Acetylcholinrezeptoren (AChR) an der postsynaptischen Membran.
LRP4 erfüllt dabei eine doppelte Rolle. Es fungiert sowohl als Agrin-Rezeptor als auch als direkter Aktivator von MuSK durch physische Interaktion. Darüber hinaus nimmt LRP4 auch im ZNS Funktionen wahr, unter anderem in der Regulation synaptischer Plastizität und des Energiestoffwechsels über Astrozyten.[2]
Pathophysiologie
Anti-LRP4-Antikörper stören die neuromuskuläre Übertragung auf mehreren Ebenen:
- Kompetitive Hemmung der Agrin-Bindung an LRP4, wodurch die Aktivierung des Agrin-LRP4-MuSK-Signalwegs unterbrochen wird
- Direkte Störung der LRP4-MuSK-Interaktion und damit der AChR-Clusterbildung
- Serumproben LRP4-Antikörper-positiver Patienten hemmen in vitro die Agrin-induzierte AChR-Aggregation in kultivierten Myotuben, was eine pathogenetische Wirkung nahelegt.
Die Immunglobulin-Subklasse der Anti-LRP4-Antikörper ist überwiegend IgG1, womit eine Komplementaktivierung – ähnlich wie bei der AChR-MG – möglich ist. Die genaue Bedeutung der komplementvermittelten Endplattendestruktion bei LRP4-MG ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.[1]
Labormedizin
Anti-LRP4-Antikörper gehören zu den Antikörpern der sogenannten seronegativen Myasthenia gravis und werden vor allem bei Patienten untersucht, bei denen weder Anti-AChR- noch Anti-MuSK-Antikörper vorkommen. Der Nachweis von Anti-LRP4-Antikörpern erfolgt mittels spezifischer Immunassays, darunter:
- Radioimmunassay (RIA) oder ELISA mit rekombinantem LRP4
- Indirekter Immunfluoreszenztest (IIFT)
- Cell-based Assay (CBA) unter Verwendung LRP4-exprimierender Zellen – höhere Sensitivität als konventionelle ELISA
Die Testung auf Anti-LRP4-Antikörper ist indiziert, wenn weder Anti-AChR- noch Anti-MuSK-Antikörper nachweisbar sind. Die Sensitivität der verfügbaren Methoden variiert je nach Assayformat erheblich, weshalb bei klinisch begründetem Verdacht ein ergänzender CBA empfohlen wird.[3]
Material
- 1–2 ml Serum
Referenzbereich
- negativ
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Interpretation
Anti-LRP4-Antikörper sind meist mit einer okulären oder mild bis moderat generalisierten Myasthenia gravis assoziiert. Das klinische Erscheinungsbild ist heterogen und ähnelt häufig der AChR-positiven Myasthenia gravis. Anti-LRP4-Antikörper finden sich bei etwa 1–9 % aller MG-Patienten, abhängig von der untersuchten Population und dem eingesetzten Nachweisverfahren. Vereinzelt wurden Anti-LRP4-Antikörper auch bei AChR-seropositiven Patienten als zusätzlicher Befund beschrieben.[4]
Anti-LRP4-Antikörper können in Einzelfällen auch bei Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) nachgewiesen werden. Die pathogenetische Bedeutung ist noch ungeklärt.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Yan M et al. Agrin and LRP4 antibodies as new biomarkers of myasthenia gravis. Ann N Y Acad Sci. 2018;1413(1):126-135.
- ↑ Chen BH et al. LRP4-related signalling pathways and their regulatory role in neurological diseases. Brain Res. 2023;1825:148705.
- ↑ Li Y et al. Serological diagnosis of myasthenia gravis and its clinical significance. Ann Transl Med. 2019;11(7):290.
- ↑ Berrih-Aknin S et al. Diagnostic and clinical classification of autoimmune myasthenia gravis. J Autoimmun. 2014;48-49:143-8.