Amnionmembran-Transplantation
Definition
Die Amnionmembran-Transplantation, kurz AMT, ist ein operatives Verfahren der Augenchirurgie, bei dem menschliche Amnionmembran als Patch (Auflage) und/oder Graft (Einlage) auf Hornhaut und/oder Bindehaut appliziert wird, um die Epithelheilung zu fördern, die Oberfläche zu stabilisieren und entzündlich-narbige Prozesse zu modulieren.
Hintergrund
Die Amnionmembran ist die innerste Eihaut der Plazenta und besitzt eine Basalmembran-ähnliche Struktur, die als biologisches Substrat für die Regeneration der Augenoberfläche genutzt wird. Sie bildet eine barrierebildende Schicht für die Epithelisierung und zur Reduktion von Entzündungen der Wundoberfläche. In der Ophthalmologie wird sie vor allem bei Defekten oder Entzündungszuständen eingesetzt, bei denen eine alleinige konservative Therapie nicht ausreicht oder eine rasche Stabilisierung der Oberfläche angestrebt wird. Die AMT ist in verschiedenen Varianten etabliert und wird häufig als Teil eines stufenweisen Therapiekonzepts der okulären Oberflächenerkrankungen verwendet.
Indikationen
Typische Indikationen sind persistierende Hornhautepitheldefekte, neurotrophe Keratopathie, sterile oder infektiöse Hornhautulzera als adjuvante Maßnahme unter kausaler Therapie, akute Verätzungen/Verbrennungen der Augenoberfläche, sowie rekonstruktive Situationen an der Bindehaut, etwa nach Exzisionen oder bei Defektdeckungen.
Weiterhin kann die AMT bei Limbusinsuffizienz als unterstützendes Verfahren innerhalb rekonstruktiver Konzepte eingesetzt werden. Die genaue Indikationsstellung ist maßnahmen- und stadienabhängig und orientiert sich an Defekttiefe, Entzündungsaktivität und Risiken einer Progression (z.B. Ausdünnung).
Material
Verwendet wird in der Regel aufbereitete Spenderamnionmembran, die meist kryokonserviert oder dehydriert bereitgestellt wird. Die Anwendung erfolgt als dünne Membranlage auf der Augenoberfläche.
Technik
Grundsätzlich werden zwei Prinzipien unterschieden: Bei der Einlage (Inlay/Graft) wird die Membran in den Defekt eingebracht und dient als Ersatz- bzw. Gerüststruktur, die in den Heilungsprozess integriert wird. Bei der Auflage (Onlay/Patch) bedeckt die Membran die Oberfläche wie ein biologischer Verband zum Schutz und zur Unterstützung der Epithelisierung. Bei tieferen Defekten oder ausgeprägter Ausdünnung können mehrschichtige Techniken eingesetzt werden. Die Fixation erfolgt je nach Lokalisation und Situation durch Nähte, Fibrinkleber oder ringbasierte Applikationssysteme.
Wirkung
Die AMT wirkt als mechanische Schutzschicht und als biologisches Substrat, das die Reepithelialisierung unterstützt. Darüber hinaus werden antiinflammatorische, antifibrotische und antiangiogene Effekte beschrieben, wodurch eine Reduktion von Entzündungsreaktion, Narbenbildung und Neovaskularisation angestrebt wird. Klinisch resultiert dies häufig in einer schnelleren Oberflächenstabilisierung und einer Verbesserung von Beschwerden, sofern die zugrunde liegende Ursache parallel behandelt wird.
Nachsorge
Die postoperative Behandlung umfasst in der Regel eine oberflächenschonende lokale Therapie, häufig mit Tränenersatz und ggf. antimikrobieller Begleittherapie. Verlaufskontrollen dienen der Beurteilung von Epithelverschluss, Membranstatus, Entzündungsaktivität und Komplikationszeichen. Die Membran wird je nach Technik resorbiert, integriert oder löst sich im Verlauf ab.
Risiken
Zu den klinisch relevanten Risiken zählen Persistenz oder Rezidiv des Defekts, Dislokation der Membran, unzureichende Oberflächenruhe sowie Infektionen und Ulzerationen. Die Ergebnisqualität hängt wesentlich von Indikation, Technik und gleichzeitiger kausaler Behandlung ab.
Limitation
Die AMT ersetzt nicht die Behandlung der Ursache und ist als Monotherapie bei fortbestehender Noxe häufig nicht erfolgreich. Die Evidenzlage ist je nach Indikation unterschiedlich. Viele Anwendungen sind durch klinische Erfahrung und Fallserien gut etabliert, während für einzelne Fragestellungen valide Daten begrenzt verfügbar sind.
Quellen
- DGFG – Amnion in der Wundversorgung, abgerufen am 15.1.26
- DGFG – AmnioClip-plus für die Augenheilkunde, abgerufen am 15.1.26