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Prolaktin

Synonyme: Prolactin, PRL
Englisch: prolactin

1 Definition

Prolaktin, kurz PRL, ist ein einkettiges Proteohormon, das in den laktotropen Zellen der Hypophyse synthetisiert wird.

2 Biochemie

Humanes Prolaktin ist ein einkettiges Peptidhormon, das aus 199 Aminosäuren besteht. Es weist ein Molekulargewicht von rund 23.000 Dalton auf. Seine chemische Struktur ähnelt der des Somatotropins (STH) und des Plazentalaktogens (hPL). Die Aminosäurekette bildet drei Disulfidbrücken aus, welche die Tertiärstruktur des Proteins bestimmen.

Es handelt sich um ein in den laktotrophen Zellen des Hypophysenvorderlappen (HVL) gebildetes Proteohormon, welches ab der achten Schwangerschaftswoche gebildet wird. Die Freisetzung von Prolaktin wird negativ reguliert, d.h. überwiegend durch den prolaktininhibitierenden Faktor aus dem Hypothalamus. Es wird vermutet, dass dieser eine dopaminidentische Wirkung besitzt. Ein hypothetisch notwendiges Prolaktin-Releasing-Hormon für die Steuerung der Freisetzung konnte bislang (2017) nicht nachgewiesen werden.

3 Referenzwerte

Der Normbereich der Prolaktinkonzentration im Blut liegt zwischen 2–25 μg/l. Von erhöhten Werten spricht man im Bereich von 25 bis 200 μg/l. Werte über 200 μg/l sind eindeutig pathologisch.

3.1 Richtwerte bei Erwachsenen

  • Männer: 3,0-14,7 μg/l
  • Frauen: 3,8-23,2 μg/l

Umrechnungsfaktor: μg/l x 24 = mlU/l

Die Werte sind abhängig von der Bestimmungsmethode. Ausschlaggebend ist der vom Labor angegebene Referenzwert.

4 Physiologie

Prolaktin ist neben Somatotropin das zweite Hormon der Adenohypophyse, das keine glandotrope Wirkung hat, d.h. es wirkt direkt auf das Zielgewebe, ohne Hormondrüsen der Peripherie anzusprechen.

Die Hauptwirkung von Prolaktin besteht in der Förderung der Milchproduktion der Brustdrüse (Laktation). Es wird vermehrt in der Schwangerschaft gebildet und in der Stillzeit auf den Saugreiz hin massiv ausgeschüttet (Milchbildungsreflex). Zudem wird Prolaktin nach dem geschlechtlichen Orgasmus ausgeschüttet und wird für die postkoitale Müdigkeit verantwortlich gemacht. Die genaue Funktion von Prolaktin beim Mann ist noch nicht abschließend erforscht - die physiologische Bedeutung scheint gering zu sein.

Eine weitere Wirkung von Prolaktin ist die Unterdrückung der Follikelreifung, da Prolaktin die Sekretion von GnRH und dadurch die von FSH und LH unterdrückt (Suppression der Ovarialfunktion).

siehe: Laktationsamenorrhoe

Die Prolaktinsekretion in der Hypophyse wird durch Östrogen angeregt, durch Dopamin hingegen gehemmt.

5 Pathologie

Einen erhöhten Prolaktinspiegel im Blut nennt man Hyperprolaktinämie. Er kann zu Amenorrhoe und Infertilität führen. Ursachen für eine Hyperprolaktinämie kann ein endokrin-aktiver Tumor des Hypophysenvorderlappens sein, das sog. Prolaktinom. Häufiger ist eine Hyperprolaktinämie jedoch medikamenteninduziert. Ein typisches Beispiel hierfür ist das hochpotente Neuroleptikum Amisulprid. Dieser Wirkstoff kann zur Galaktorrhoe und bei Männern zu einer Gynäkomastie führen.

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