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Invagination

von lateinisch: in - in, vagina - Scheide
Synonym: Intussuszeption
Englisch: invagination

1 Definition

Die Invagination ist die Einstülpung eines Darmanteils in den aboral folgenden Darmabschnitt. Die genauere Bezeichnung ist Intussuszeption.

Allgemein wird der Begriff "Invagination" im medizinischen Sprachgebrauch auch für jegliche Art von Einstülpung (z.B. bei Phagozytose) verwendet.

2 Einteilung

Am häufigsten tritt eine ileokolische Invagination auf (Ileum in das Kolon). Seltener ist die ileoileale Form (Ileum in Ileum). Auch multiple Invaginationen sind möglich.

3 Epidemiologie

Eine Invagination tritt bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum 2. Lebensjahr auf. 80 % der Invaginationen treten im ersten Lebensjahr auf.

4 Ätiologie

Eine Reihe von Ursachen kann zur Entstehung einer Invagination beitragen. Im frühen Säuglingsalter ist häufig eine Motilitätssteigerung des Darmes, wie sie beispielsweise bei einer Gastroenteritis auftritt, als Ursache anzunehmen. Im weiter fortgeschrittenen Alter sind Raumforderungen (Tumoren, Darmpolypen, Lymphome, vergrößerte mesenteriale Lymphknoten), Darmduplikaturen und Adhäsionen häufiger.

5 Pathogenese

Bei Einstülpung eines Darmabschnittes in den folgenden kommt es zur Abschnürung von Mesenterialgefäßen. Dadurch werden zunächst der venöse Abstrom und in der Folge, durch ödematöse Schwellung zunehmend, auch die arterielle Durchblutung beeinträchtigt. Dadurch kommt es zur Nekrose des betroffenen Darmabschnittes mit der Folge einer Peritonitis.

6 Symptomatik

Die Symptomatik ist durch das junge Alter der betroffenen Patienten bedingt durch aufmerksame Erfassung und Bewertung des klinischen Bildes zu entschlüsseln.

Bei einer Invagination kommt es zu einem plötzlichen Beginn einer peritonealen Symptomatik mit Abwehrspannung. Reflektorisch kommt es dabei häufig zu Erbrechen. Betroffene Kinder schreien häufig ununterbrochen und sehen verfallen aus (blasses gräuliches Hautkolorit). Das Abdomen ist eingefallen, kann später jedoch durch Obstruktion aufgebläht erscheinen. Als Schonhaltung werden die Beine häufig angewinkelt in Flexion gehalten.

Ein diagnostisch wertvolles Zeichen kann durch die Anamnese der Mutter/des Vaters erfragt werden. In der Spätphase kommt es zum Absetzen von blutig-schleimigem Stuhl ("Himbeergelee"). Dabei handelt es sich um ein prognostisch eher ungünstiges Zeichen, das ggf. eine direkte chirurgische Therapie notwendig macht.

7 Diagnostik

Neben der typischen Symptomatik und mütterlichen Anamnese sind häufig ein tastbarer, walzenförmiger Tumor und bei der rektalen Untersuchung Blut am Finger festzustellen. Bei Sonographie des Abdomens zeigt sich das sogenannte Kokardenphänomen.

Eine Röntgenaufnahme des Abdomens (auch als Kolonkontrasteinlauf) zeigt in der Spätphase für einen Ileus typische Spiegelbildungen, in der Frühphase können sich luftleere, eingestülpte Darmabschnitte abgrenzen lassen.

8 Therapie

Therapeutisch kommen die konservative hydrostatische Evagination und die operative Desinvagination in Frage.

Bei der hydrostatischen Evagination wird unter sonographischer Kontrolle durch gezielte Einläufe mit Wasser und Lagerungswechseln eine Lösung der Einstülpung herbeigeführt. Dabei sollten jedoch kein Schock (bei Peritonitis) und keine fortgeschrittenen Ileuszustände bestehen.

Bei Versagen der konservativen Therapie ist ein schnelles chirurgisches Vorgehen unerlässlich. Dabei wird zunächst nach Laparotomie eine manuelle Reposition angestrebt (Handgriff nach Hutchinson). Bei erfolgloser Reposition muss eine Resektion betroffener Darmabschnitte mit folgender End-zu-End-Anastomose erfolgen.

Nach erfolgreicher Therapie ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Korrektur eines entgleisten Elektrolythaushaltes zu achten.

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Fachgebiete: Kinderheilkunde

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