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Kolonpolyp

(Weitergeleitet von Darmpolyp)

Synonyme: Darmpolyp, Dickdarmpolyp, Polyposis coli

1 Definition

Kolonpolypen sind Gewebevorwölbungen in das Lumen des Kolons. Einige Arten der Kolonpolypen sind Präkanzerosen für das Kolonkarzinom.

2 Pathologie

Durch histologische Untersuchung können Polypen des Kolons eingeteilt werden in:

Während hyperplastische und entzündliche Polypen fast immer gutartige Veränderungen der Schleimhaut sind, gilt dies nicht für die Adenome.

Adenomatöse Polypen sind Neoplasien des Epithels und enthalten Dysplasien. Die meisten Kolonkarzinome entwickeln sich aus Adenomen. In diesem Zusammenhang wird von der Adenom-Karzinom-Sequenz gesprochen. Ein Adenom gilt solange nicht als maligne, wie die Lamina muscularis mucosae intakt ist. Ist diese durchbrochen, liegt definitionsgemäß bereits ein invasives Kolonkarzinom vor.

Unter den adenomatösen Polypen des Kolons werden unterschieden:

  • Tubuläres Adenom - meist bis 1 cm durchmessende Polypen mit einem geringen, aber gegenüber dem Normalbefund bereits deutlich erhöhtem Karzinomrisiko (45 % der Adenome)
  • Tubulovillöses Adenom - meist bis 2 cm durchmessende gestielte Polypen, die ein im Vergleich zum tubulären Adenom eine mehr als doppelt so hohe Entartungsfrequenz aufweisen (40 % der Adenome)
  • Villöses Adenom - meist breitbasige Polypen mit Schleimbildung, die unter den Kolonpolypen die höchste Entartungsfrequenz aufweisen (10 % der Adenome)

2.1 Lokalisation

Etwa die Hälfte der Kolonpolypen sind im Rektum lokalisiert. Mit einem weiteren Aufstieg nach oral nimmt die Häufigkeit der Polypen ab. Dennoch gilt, dass eine diagnostische Koloskopie nur dann aussagekräftig ist, wenn Einsicht bis zur Bauhin-Klappe besteht.

2.2 Polyposis-Syndrome

Neben sporadischen Polypen, die bei etwa 30 % der über 60-Jährigen nachweisbar sind, gibt es genetisch determinierte Polyposis-Syndrome mit disseminiert auftretenden Polypen des Kolons und unter Umständen des gesamten Gastrointestinaltraktes.

Diese Polyposis-Syndrome bedürfen besondere diagnostischer und therapeutischer Aufmerksamkeit. Je nach Syndrom besteht eine obligate Präkanzerose. Daher muss bei einigen Polyposis-Syndromen frühzeitig eine prophylaktische Kolektomie erfolgen. Jedoch gibt es auch Polyposis-Syndrome, die gutartig verlaufen und neben einer regelmäßigen Kontrolle keiner weiteren speziellen Therapie bedürfen.

Relevante Polyposis-Syndrome sind:

3 Symptomatik

Kolonpolypen verursachen in den meisten Fällen keine Symptome. Erst bei einer deutlichen Raumforderung oder beschleunigtem Wachstumsverhalten kann es zu Komplikationen wie Blutungen und Obstruktionen (Ileus) kommen.

4 Diagnostik

Die Früherkennung und -therapie der Kolonpolypen ist die wirksamste Vorsorge für das Kolonkarzinom. Das aussagekräftigste diagnostische Verfahren ist hierbei die Koloskopie des gesamten Kolons. Dabei kann auch direkt therapeutisch eingegriffen werden. Liegt ein Polyp vor, so ist bei einem Drittel dieser Patienten mindestens ein weiterer Kolonpolyp nachweisbar.

Im Rahmen der Krebsvorsorge hat in Deutschland jeder GKV-Versicherte ab dem 50. Lebensjahr die Möglichkeit, sich einer Koloskopie zu unterziehen. Leider wird diese Möglichkeit nur von einem Bruchteil der Menschen genutzt. Es gibt derzeit (2008) kein noninvasives Verfahren, welches eine annähernd gleichwertige diagnostische Wertigkeit aufweist. Die virtuelle Koloskopie könnte die Diagnostik in Zukunft jedoch zunehmend sinnvoll ergänzen.

Bei einer generalisierten Polyposis sollte die Diagnostik ausgeweitet werden und zur Abklärung eines eventuell vorliegenden Polyposis-Syndroms genutzt werden. Dazu kann neben einer Ösophagogastroduodenoskopie unter anderem ein MRT des Dünndarms (Hydro-MRT) oder eine Kapselendoskopie durchgeführt werden.

5 Therapie

Kolonpolypen werden im Gesunden entfernt. Dies kann im Rahmen der diagnostischen Koloskopie erfolgen. Polypen mit einem Durchmesser unter 5mm können mit einer Biopsiezange vollständig entfernt werden. Größere Polypen werden mit einer Diathermieschlinge abgetragen.

Ist bei größeren Polypbefunden eine sichere Schlingenabtragung nicht möglich, kann endoskopisch eine Mukosektomie erfolgen, bei der mit speziellem Instrumentarium die gesamte Schleimhaut abgetragen werden kann.

Jeder entfernte Kolonpolyp muss einer histopathologischen Untersuchung zugeführt werden. Fragestellungen dieser Untersuchung sind:

  • Vollständige Abtragung im Gesunden?
  • Art des Polyps?
  • Durchbruch des Polypen in die Submukosa?

Ist eine endoskopische Resektion nicht möglich, kommen chirurgische Resektionsverfahren (Minimal-invasive Chirurgie, OP mit Laparotomie) zum Einsatz. Dabei können polypentragende Areale in der diagnostischen Koloskopie mit einem Metallclip markiert werden, damit der Chirurg intraoperativ nach der Resektion beurteilen kann, ob das Operationsziel erreicht wurde.

Bei Polyposis-Syndromen unterscheiden sich die Therapieregime, näheres ist in den entsprechenden Artikeln zu behandeln.

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