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Herpes-simplex-Enzephalitis

Synonyme: HSV-Meningoenzephalitis, HSV-Enzephalitis, "Herpesenzephalitis"
Englisch: HSV meningoencephalitis

1 Definition

Unter einer Herpes-simplex-Enzephalitis versteht man eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die durch Herpes-simplex-Viren hervorgerufen wird.

Sind die Hirnhäute mit betroffen, spricht man von einer Herpes-simplex-Meningoenzephalitis.

2 Epidemiologie

Die Inzidenz der HSV-Enzephalitis beträgt etwa 0,5 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

3 Ätiopathogenese

Die Herpes-simplex-Enzephalitis wird vor allem durch das Herpes-Simplex-Virus Typ I (ca. 95% der Fälle), seltener durch den Typ II hervorgerufen. Die Herpes-Viren gelangen über die Nase in den menschlichen Körper und erreichen dann über die Riechschleimhaut und die Axone des Nervus olfactorius das Frontalhirn und später auch den Temporallappen.

4 Klinik

Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen grippeähnlichen Symptomen, die für einige Tage persistieren. Dieser Prodromalphase folgt ein hochfieberhafter Infekt. Die betroffenen Patienten machen einen schwerkranken Eindruck und zeigen schließlich eine psychomotorische Verlangsamung, sowie die Symptome eines hirnorganischen Psychosyndroms.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine Aphasie. Fokale Anfälle mit sekundärer Generalisierung kommen häufig hinzu. In Extremfällen kann die HSV-Enzephalitis zu Bewusstseinsstörungen, bis hin zum Koma führen.

5 Diagnostik

Zur Basisdiagnostik gehört eine Lumbalpunktion mit Untersuchung des Liquors. Hierbei zeigt sich eine Pleozytose mit weniger als dreihundert Zellen pro µl, das Gesamteiweiß ist nicht oder nur leicht erhöht. Die Konzentration an Glukose ist normal, die Laktatkonzentration häufig gering erhöht. Bei Verdacht auf eine Herpes-Simplex-Meningoenzephalitis sollte der Liquor mittels PCR auf das Virus untersucht werden, wobei es jedoch in den meisten Fällen einige Tage dauert, bis das Ergebnis vorliegt.

Zusätzlich wird eine Computertomographie, besser eine Magnetresonanztomographie des Schädels, am besten mit venöser MR-Angiographie oder mit CT-Angiographie durchgeführt.

Im EEG zeigen sich frontotemporale Herdbefunde, wobei häufig eine Verlangsamung der Stromkurven beobachtet werden kann.

6 Differenzialdiagnose

Die septische Sinusthrombose ist eine bedeutsame Differenzialdiagnose. Aber auch ein Hirninfarkt sowie eine intrazerebrale Blutung mit Begleitinfektion sollten ausgeschlossen werden.

7 Therapie

Bei Verdacht auf eine Herpes-simplex-Enzephalitis sollte unverzüglich Aciclovir verabreicht werden. Bis eine bakterielle Ursache ausgeschlossen ist, wird zusätzlich ein Breitsprektrumpenicillin wie z.B. Amoxicillin verabreicht. Bei Aciclovir-resistenten Herpesviren besteht die Möglichkeit einer Therapie mit Foscarnet.

Weitere Therapiemaßnahmen hängen von entsprechenden Symptomen und Befunden sowie dem Zustand des Patienten ab (z.B. Intubation oder Therapie eines epileptischen Anfalls mittels Antikonvulsiva).

8 Prognose

Ohne Behandlung versterben vier von fünf Patienten, auch wenn die Behandlung adäquat ist, beträgt die Letalität noch zwanzig Prozent. Bei einem von drei Patienten zeigen sich nach der Behandlung neurologische Defizite (z.B. Paresen).

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