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Analfissur

(Weitergeleitet von Afterriss)

Synonym: Afterriss, Fissura ani
Engisch: anal fissure

1 Definition

Eine Analfissur ist ein Einriss in der Haut des Analkanals.

2 Einteilung

Man unterscheidet:

  • akute Analfissur
  • chronische Analfissur

3 Ursachen

Die genaue Ursachenkaskade bei der Entstehung einer Analfissur ist noch nicht völllig geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein komplexes Geschehen, auf das u.a. folgende Faktoren Einfluss haben:

Ergänzende Risikofaktoren sind Hämorrhoiden, Lebensstil ("sitzende Tätigkeit") und sexuelle Gewohnheiten (Analverkehr).

Chronische Diarrhoen, wie sie z.B. bei Malabsorptionssyndromen oder Laktoseintoleranz auftreten, können Analfissuren begünstigen.

4 Pathophysiologie

Das Zusammenspiel der verschiedenen Ursachen erzeugt - vor allem im Bereich der hinteren Kommissur - eine verminderte Blutversorgung der Analhaut (anodermale Minderperfusion), die zu einer Gewebsnekrose und damit zum Ulkus führt. Erfolgt im akuten Stadium keine Ausheilung, wird aus der Analfissur eine chronische Entzündung, die sich in Form einer immer wieder neu aufreißenden, nicht heilenden Ulzeration manifestiert.

5 Symptome

Die Symptome der Analfissur sind recht charakteristisch. Der Patient klagt über Schmerzen im Analbereich, die vor allem während des Stuhlgangs auftreten. Die Intensität kann von leichten bis hin zu scharfen, brennenden Schmerzen reichen, die gelegentlich in einen äußerst schmerzhaften Analkrampf münden können. Die Beschwerden können jedoch auch ohne Stuhlgang auftreten. Begleitend tritt häufig Pruritus auf.

Der Stuhl selbst weist häufig einen hellroten blutigen Belag auf, der dem Patienten am ehesten auf dem Toilettenpapier aufällt.

6 Diagnostik

  • Typische Symptomatik
  • Inspektion des Anus
  • Proktoskopie (in der Regel nur unter Narkose möglich)

7 Befund

Die Ausdehnung der Analfissur ist elliptisch und folgt dem Verlauf des Analkanals. In 90% der Fälle findet sich das Ulkus an der hinteren Kommissur (6 Uhr in Steinschnittlage), in nur 10% der Fälle an der vorderen Kommissur (12 Uhr in Steinschnittlage). Bei multiplen Fissuren oder Fissuren an lateraler Position besteht ein Verdacht auf spezifische Erkrankungen (z.B.Analkarzinom, Tuberkulose, Morbus Crohn, Syphilis).

Bei der akuten Analfissur ist das Ulkus flach und an den Rändern nur schwer abgrenzbar. Auf dem Wundgrund sieht man Fasern der Muscularis mucosae.

Bei der chronischen Analfissur sieht man distal des Ulkus eine prägnante Hautfalte. Sie wird als "Vorpostenfalte" bezeichnet. Proximal ist eine hypertrophe Papille charakteristisch. Auf dem Wundgrund laufen quere Fasern des Musculus sphincter ani internus. Das klinische Bild kann hier zusätzlich durch Abszesse und Fistelbildung geprägt sein.

8 Therapie

8.1 Konservative Therapie

Die Therapie erfolgt - vor allem bei der akuten Analfissur - zunächst konservativ. Sie zielt darauf, die wahrscheinlichen Auslöser der Analfissur zu beseitigen.

8.1.1 Allgemeinmaßnahmen

Neben der Stuhlregulierung, die für einen weichen Stuhlgang sorgen soll, werden lokalanästhetische Zäpfchen oder Salben verabreicht, die mit Hilfe eines kleinen Applikators in den Analkanal eingebracht werden, zum Beispiel:

  • Hydrophiles Diltiazemhydrochlorid-Gel 2% (NRF 5.6.) ad 50 g, S: 2 × tgl. und nach dem Stuhlgang, für 4–8 Wochen.
  • Hydrophile Diltiazemhydrochlorid-Creme 2% (NRF 5.7.) ad 50 g, S: 2 × tgl. und nach dem Stuhlgang, für 4–8 Wochen.
  • Hydrophile Glyceroltrinitrat-Rektalcreme 0,2% (NRF 5.10.) ad 30,0 g, S: 2 × tgl. auftragen
  • Hydrophile Isosorbiddinitrat-Rektalcreme 1,0% (NRF 5.9.) ad 30,0 g, S: 3–6 × tgl. auftragen

Die Lokaltherapeutika sollten nach dem Stuhlgang aufgetragen werden.

Ergänzend kommen Sitzbäder in Frage.

8.1.2 Senkung des Sphinktertonus

Eine weiterer Angriffspunkt der konservativen Therapie ist die Senkung des Sphinktertonus. Sie wird entweder durch Anwendung von Analdilatoren versucht oder durch das Einspritzen von Botulinustoxin unter die Fissur.

8.1.3 Steigerung der Sphinkterperfusion

Zur lokalen Durchblutungssteigerung von Mukosa und Sphinkter werden topisch Nitrate (z.B. Glyceryltrinitrat oder Isosorbiddinitrat) und Calciumantagonisten eingesetzt.

8.2 Chirurgische Therapie

Wenn eine chronische Analfissur vorliegt, hilft in der Regel nur ein operativer Eingriff. Die Fissur wird unter Schonung des Sphinkters exzidiert (Fissurektomie). Dieser Eingriff wird in der Regel ambulant in Kurznarkose durchgeführt. Die Nachbehandlung folgt den Maßnahmen der konservativen Therapie.

Die Spaltung des Sphinkters (laterale Sphinkterotomie) wird wegen des Risikos der Stuhlinkontinenz nur bei Versagen anderer Methoden angewendet.

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