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'''Sucralfat''' ist ein | '''Sucralfat''' ist ein [[Arzneistoff]], der vor allem als [[Antazidum]] zur Protektion der [[Magenschleimhaut]] bei floridem [[Ulcus ventriculi]] oder [[Ulcus duodeni]] eingesetzt wird. In der Dauertherapie spielt Sucralfat durch Verfügbarkeit besserer Alternativen (z.B. [[Protonenpumpenhemmer]]) keine Rolle. | ||
== Chemie == | |||
Bei Sucralfat handelt es sich um eine [[Komplexverbindung]] aus [[Aluminiumhydroxid]] und [[Saccharose]]sulfat. Die [[Summenformel]] von Sucralfat ist C<sub>12</sub>H<sub>54</sub>Al<sub>16</sub>O<sub>75</sub>S<sub>8.</sub> | |||
==Pharmakodynamik== | ==Pharmakodynamik== | ||
Seine Wirkung entfaltet Sucralfat vor allem in saurer Umgebung. Es bildet einen geleeartigen Überzug auf der [[Schleimhaut]]. An der Magenschleimhaut wird so der Grund des Ulcus vor der aggressiven Zersetzung durch [[Salzsäure]], [[Pepsin]] und [[Gallensäure]]n geschützt. | |||
==Pharmakokinetik== | ==Pharmakokinetik== | ||
Sucralfat wird in geringem Umfang resorbiert. Der größte Teil wird unverändert ausgeschieden. Eine Einzeldosis von 1 g wird jeweils eine Stunde vor dem Essen und zur Nacht eingenommen, damit die Wirkung sich im sauren Milieu entfalten kann. | Sucralfat wird in geringem Umfang resorbiert. Der größte Teil wird unverändert ausgeschieden. Eine Einzeldosis von 1 g wird jeweils eine Stunde vor dem Essen und zur Nacht eingenommen, damit die Wirkung sich im sauren Milieu entfalten kann. | ||
==Nebenwirkungen | == Indikationen == | ||
Neben der Anwendung bei Ulcus ventriculi oder Ulcus duodeni kommt Sucralfat bei folgenden Indikationen zum Einsatz: | |||
* als [[Suspension]] zur Behandlung [[Rezidivierend|rezidivierender]] [[Aphthe|Aphthen]] | |||
* bei [[GERD]] während einer [[Schwangerschaft]]<ref>Richter JE (November 2005). "Review article: the management of heartburn in pregnancy". ''Alimentary Pharmacology & Therapeutics''. '''22''' (9): 749–57. doi:10.1111/j.1365-2036.2005.02654.x. PMID 16225482</ref> | |||
* bei [[Stomatitis]] nach Strahlentherapie | |||
* bei [[Proktitis]] im Rahmen einer [[Colitis ulcerosa]]<ref>Theodore M. Bayless (14 May 2014). ''Advanced Therapy of Inflammatory Bowel Disease: Ulcerative Colitis (Volume 1), 3e''. PMPH-USA. p. 331. ISBN <bdi>978-1-60795-216-9</bdi>.</ref> | |||
* bei [[Strahlenproktitis]]<ref>Mendenhall WM, McKibben BT, Hoppe BS, Nichols RC, Henderson RH, Mendenhall NP (October 2014). "Management of radiation proctitis". ''American Journal of Clinical Oncology''. '''37''' (5): 517–23. doi:10.1097/COC.0b013e318271b1aa. <nowiki>PMID 23241500</nowiki>. S2CID 12129192.</ref> | |||
* als Zusatz in [[Wundheilung]]scremes | |||
==Nebenwirkungen== | |||
Die am häufigsten beschriebene Nebenwirkung nach der Gabe von Sucralfat ist die [[Obstipation]]. Seltener kommt es auch zu anderen [[gastrointestinal]]en Beschwerden. | Die am häufigsten beschriebene Nebenwirkung nach der Gabe von Sucralfat ist die [[Obstipation]]. Seltener kommt es auch zu anderen [[gastrointestinal]]en Beschwerden. | ||
== Wechselwirkungen == | |||
Um eine Neutralisierung und [[Adsorption]] anderer Medikamente zu vermeiden sollten diese mindestens 2 Stunden vor Sucralfat eingenommen werden. | |||
== Kontraindikationen == | |||
Als wichtigste [[Kontraindikation]] ist die [[Niereninsuffizienz]] zu nennen. Bei Niereninsuffizienz kann das geringfügig resorbierte Aluminium durch mangelnde Ausscheidung zu einer [[Aluminiumenzephalopathie]] führen. | Als wichtigste [[Kontraindikation]] ist die [[Niereninsuffizienz]] zu nennen. Bei Niereninsuffizienz kann das geringfügig resorbierte Aluminium durch mangelnde Ausscheidung zu einer [[Aluminiumenzephalopathie]] führen. | ||
== Quellen == | |||
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[[Tag:Arzneistoff]] | |||
[[Kategorie:Antazidum]] |
Aktuelle Version vom 1. September 2024, 07:37 Uhr
Handelsname: Sucrabest® u.a.
Englisch: sucralfate
Definition
Sucralfat ist ein Arzneistoff, der vor allem als Antazidum zur Protektion der Magenschleimhaut bei floridem Ulcus ventriculi oder Ulcus duodeni eingesetzt wird. In der Dauertherapie spielt Sucralfat durch Verfügbarkeit besserer Alternativen (z.B. Protonenpumpenhemmer) keine Rolle.
Chemie
Bei Sucralfat handelt es sich um eine Komplexverbindung aus Aluminiumhydroxid und Saccharosesulfat. Die Summenformel von Sucralfat ist C12H54Al16O75S8.
Pharmakodynamik
Seine Wirkung entfaltet Sucralfat vor allem in saurer Umgebung. Es bildet einen geleeartigen Überzug auf der Schleimhaut. An der Magenschleimhaut wird so der Grund des Ulcus vor der aggressiven Zersetzung durch Salzsäure, Pepsin und Gallensäuren geschützt.
Pharmakokinetik
Sucralfat wird in geringem Umfang resorbiert. Der größte Teil wird unverändert ausgeschieden. Eine Einzeldosis von 1 g wird jeweils eine Stunde vor dem Essen und zur Nacht eingenommen, damit die Wirkung sich im sauren Milieu entfalten kann.
Indikationen
Neben der Anwendung bei Ulcus ventriculi oder Ulcus duodeni kommt Sucralfat bei folgenden Indikationen zum Einsatz:
- als Suspension zur Behandlung rezidivierender Aphthen
- bei GERD während einer Schwangerschaft[1]
- bei Stomatitis nach Strahlentherapie
- bei Proktitis im Rahmen einer Colitis ulcerosa[2]
- bei Strahlenproktitis[3]
- als Zusatz in Wundheilungscremes
Nebenwirkungen
Die am häufigsten beschriebene Nebenwirkung nach der Gabe von Sucralfat ist die Obstipation. Seltener kommt es auch zu anderen gastrointestinalen Beschwerden.
Wechselwirkungen
Um eine Neutralisierung und Adsorption anderer Medikamente zu vermeiden sollten diese mindestens 2 Stunden vor Sucralfat eingenommen werden.
Kontraindikationen
Als wichtigste Kontraindikation ist die Niereninsuffizienz zu nennen. Bei Niereninsuffizienz kann das geringfügig resorbierte Aluminium durch mangelnde Ausscheidung zu einer Aluminiumenzephalopathie führen.
Quellen
- ↑ Richter JE (November 2005). "Review article: the management of heartburn in pregnancy". Alimentary Pharmacology & Therapeutics. 22 (9): 749–57. doi:10.1111/j.1365-2036.2005.02654.x. PMID 16225482
- ↑ Theodore M. Bayless (14 May 2014). Advanced Therapy of Inflammatory Bowel Disease: Ulcerative Colitis (Volume 1), 3e. PMPH-USA. p. 331. ISBN 978-1-60795-216-9.
- ↑ Mendenhall WM, McKibben BT, Hoppe BS, Nichols RC, Henderson RH, Mendenhall NP (October 2014). "Management of radiation proctitis". American Journal of Clinical Oncology. 37 (5): 517–23. doi:10.1097/COC.0b013e318271b1aa. PMID 23241500. S2CID 12129192.