Zigarettenläsion
Definition
Eine Zigarettenläsion ist eine umschriebene Hautverbrennung durch den Kontakt mit einer glimmenden Zigarette. Der Begriff wird vor allem in der Rechtsmedizin verwendet, da die Läsionen typischerweise ein charakteristisches Muster aufweisen und im Kontext von Gewalteinwirkung (z.B. Misshandlung) oder Selbstverletzung auftreten können.
Ätiopathogenese
Durch direkten Kontakt mit der Glut kommt es zu einer Kontaktverbrennung. Die Hitze verursacht Koagulationsnekrosen der Epidermis und Dermis. Je nach Dauer des Kontakts entstehen Blasen, Krusten (Schorf) und später Narben.
Klinischer Befund
Ein typischer Befund einer Zigarettenläsion ist:
- ein runde bis ovale Läsionen, oft ca. 0,5–1 cm im Durchmesser
- zentral dunkler Schorf oder Ulzeration
- ein peripherer Rötungshof (entzündlicher Rand)
- im Verlauf häufig atrophische, hypo- oder hyperpigmentierte Narbe
Die Lokalisation ist variabel. Aus forensischer Sicht sind mehrere Läsionen, gleichförmige Größen und eine Verteilung an schwer einsehbaren oder ungewöhnlichen Stellen besonders verdächtig (immer im Kontext zu bewerten).
Diagnostik
Wichtig sind eine ausführliche Anamnese (Unfallmechanismus, zeitlicher Verlauf, Schmerzen, Begleitumstände) sowie die klinische Inspektion (Form, Rand, Tiefe, Heilungsstadium, Anzahl/Verteilung) der Läsion samt Fotodokumentation (bei Verdacht auf Fremdeinwirkung). Bei unklaren Fällen ist eine Beurteilung durch die Dermatologie und/oder Rechtsmedizin relevant.
Differentialdiagnosen
- andere Kontaktverbrennungen (z.B. heiße Gegenstände)
- Impetigo, follikuläre Infektionen mit Krustenbildung
- Arthropodenstiche mit sekundärer Infektion
- Dermatitis artefacta (selbstzugefügte Hautläsionen anderer Art)
- pockenartige oder akneiforme Narbenbilder
Therapie
Die Akuttherapie richtet sich nach Tiefe und möglichen Begleitinfektionen. Sie umfasst die Wundreinigung, sterile Wundabdeckung und ggf. feuchte Wundtherapie, eine adäquate Schmerztherapie, bei Infektzeichen gezielte antiseptische Maßnahmen mit ggf. Gabe von Antibiotika, die Überprüfung des Tetanusstatus mit eventueller Auffrischung. Darüber hinaus sollte in Abhängigkeit des Befunds eine Narbenbehandlung (z.B. Silikonpräparate, Druck/Physiotherapie, ggf. dermatologische Verfahren) durchgeführt werden.