Pyramidenbahn
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Fibrae corticospinales, Tractus pyramidalis
Englisch: pyramidal tract
Definition
Als Pyramidenbahn wird die Efferenz des Motorkortex (Gyrus praecentralis) bezeichnet. Sie ist die größte absteigende Bahn und innerviert die Alpha-Motoneurone.
Anatomie
Aufbau
Zur Pyramidenbahn zählt man funktionell zwei motorische Faserbahnen:
- den Tractus corticospinalis und
- den Tractus corticonuclearis
Der Tractus corticonuclearis zählt allerdings nur im erweiterten Sinn zur Pyramidenbahn, da er nicht durch die Pyramide in der Medulla oblongata zieht, sondern Fasern an die motorischen Hirnnervenkerne entsendet.
Verlauf
Der Ursprung der Pyramidenbahn liegt überwiegend im primärmotorischen Cortex des Gyrus praecentralis (Area 4 nach Brodmann). Ein wesentlicher Teil der Fasern entspringt zudem dem prämotorischen und supplementärmotorischen Cortex (Area 6) sowie somatosensiblen und parietalen Rindenarealen. Von dort aus laufen die Fasern durch die Capsula interna und erreichen im Mesencephalon die Crura cerebri. Anschließend ziehen die Fasern weiter durch den Pons in das verlängerte Mark (Medulla oblongata).
In der ventralen Medulla oblongata kreuzen etwa 85 bis 90 % der Fasern in der Pyramidenkreuzung (Decussatio pyramidum) auf die kontralaterale Seite. Diese Fasern setzen sich als Tractus corticospinalis lateralis fort, während die restlichen, nicht kreuzenden Fasern als Tractus corticospinalis anterior absteigen.
Funktion
Die Pyramidenbahn dient als pyramidalmotorisches System der willkürlichen Motorik und wird der Feinmotorik zugeordnet – in Abgrenzung zum extrapyramidalmotorischen System, welches das funktionelle Korrelat für die Grobmotorik bzw. Massenbewegungen der Rumpf- und proximalen Extremitätenmuskulatur ist. Das pyramidalmotorische System und das extrapyramidalmotorische System gehören beide zum somatomotorischen System. Die frühere Einschätzung, dass das extrapyramidalmotorische System der unwillkürlichen Motorik zuzuordnen ist, gilt heute als obsolet.
Klinische Relevanz
Eine Schädigung der Pyramidenbahn innerhalb des Gehirns z.B. durch einen Schlaganfall, hat zunächst eine schlaffe Parese mit Beeinträchtigung der Feinmotorik zur Folge. Nach einer kurzen Periode geht die schlaffe Lähmung in eine spastische Lähmung über. Die dabei auftretenden pathologischen Reflexe fasst man unter dem Begriff Pyramidenbahnzeichen zusammen.
Babinski-Reflex
Bei einer Pyramidenbahnschädigung treten die sonst unterdrückten, propriospinalen Verschaltungen wieder in Kraft. Dadurch wird der Babinski-Reflex positiv. Dieser Primitivreflex wird beim Erwachsenen normalerweise durch die Aktivität der Pyramidenbahn unterdrückt. Bei Säuglingen ist er noch physiologisch auslösbar.
Merkhilfe
Bei Läsionen der Pyramidenbahn unterscheidet man zwischen einem Defekt im Bereich des ersten und des zweiten Neurons. Angenommen, das erste Neuron ist ein Reiter auf dem 2. Neuron, dem Pferd:
- Ist das Pferd verletzt, so kann der Reiter nicht mehr reiten: Schlaffe Lähmung
- Ist der Reiter vom Pferd gefallen, so wird das Pferd nicht mehr geführt: Spastische Lähmung
Literatur
- Trepel M. Neuroanatomie – Struktur und Funktion. 8. Aufl. Elsevier; 2022.
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – Lernatlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie. 6. Aufl. Thieme; 2022.
- Aumüller G et al. Duale Reihe Anatomie. 5. Aufl. Thieme; 2020.