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Graviditätsdiagnose (Hund)

(Weitergeleitet von Trächtigkeitsdiagnose (Hund))

Synonym: Trächtigkeitsdiagnose

1 Definition

Die Graviditätsdiagnose dient dem Nachweis oder Ausschluss einer Trächtigkeit (Gravidität) bei der Hündin.

2 Hintergrund

Die Graviditätsdiagnose steht am Anfang jeder gynäkologischen Untersuchung. Wird diese Untersuchung nicht durchgeführt, werden die bei der gynäkologischen Untersuchung erstellten Befunde falsch interpretiert, da die in der Anamnese erhobenen Vorberichte oft ungenau oder irreführend sind.

3 Untersuchungen

Eine Trächtigkeit kann - abhängig vom Stadium der Gravidität - mithilfe verschiedener Verfahren festgestellt werden. Folgende Grenzbereiche können in der Paxis als Richtlinien zur Hand genommen werden:

3.1 Ultraschall

Die Ultraschalluntersuchung ist die Methode der Wahl zum Nachweis einer Frühgravidität.[1] Flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Fruchtblasen) erscheinen am Bildschirm echofrei und bilden sich als dunkle Zonen ab. Blastozysten können ab dem 16. Trächtigkeitstag, die fetalen Herzschläge etwa ab dem 21. bzw. 22. Tag nach der Ovulation dargestellt werden.

3.2 Relaxintest

Relaxin ist ein trächtigkeitsspezifisches Hormon der Hündin, das von intaktem Plazentagewebe synthetisiert und sezerniert wird und daher auch im Blut messbar ist. In der Praxis sind verschiedene Schnelltests verfügbar, die frühestens ab dem 21. Tag nach dem Belegen die Trächtigkeit nachweisen können. Falsch-positive Ergebnisse kommen selten vor, wobei negative Resultate durch einen erneuten Test (ca. 1 Woche später) überprüft werden sollten. Da die Relaxinkonzentration erheblichen Schwankungen unterliegt, korreliert sie nicht mit der Anzahl der vorhandenen Welpen.[2] Ebenso ist eine Aussage über die Vitalität der Welpen nicht möglich.

3.3 Palpation

Die einzelnen, zitronenförmig ausgebildeten Fruchtkammern können bis etwa zum 32. Trächtigkeitstag aufgrund stark kontrahierter Uterussegmente als einzelne Blasen voneinander getrennt werden. Bei den meisten Hündinnen lassen sie sich als kugelige bis länglich-ovale, relativ feste Gebilde bei der Abdomenpalpation identifizieren. Zwischen dem 24. und 30. Trächtigkeitstag sind die Fruchtblasen am besten palpatorisch feststellbar.

Eine Palpation der Ampullen ist nur bei entspannten Hündinnen möglich. Aufgeregte Hündinnen reagieren mit einer Anspannung der Bauchdecke, weshalb ein Durchtasten des Abdomens erschwert wird. Ebenso erschwert eine Adipositas die Diagnosestellung. Enthält ein Uterus hingegen nur vereinzelt Fruchtkammern, so können diese aufgrund ihrer Glätte und der großen Zwischenräume zwischen den einzelnen Ampullen leicht unter den palpierenden Fingern weggleiten - sodass eine Trächtigkeit übersehen werden kann.

Da sich mit zunehmender Trächtigkeitsdauer auch die Fruchtkammern verlängern, verschwinden die Zwischenräume allmählich, sodass die Uterushörner einem länglichen Schlauch gleichen, die palpatorisch oft nicht mehr interpretierbar sind. In diesem Stadium wird ein gravider Uterus auch oft als pathologisch verändert (z.B. Metropathie) eingeschätzt, sodass weitere Untersuchungen (Ultraschall) notwendig sind.

Der Palpationsbefund ist erst dann eindeutig positiv, wenn die Früchte direkt (aufgrund ihrer festen Konsistenz) palpierbar werden - was etwa ab dem 50. Trächtigkeitstag möglich ist.

3.4 Röntgen

Eine Gravidität kann dann radiologisch nachgewiesen werden, wenn das fetale Skelett beginnt zu verknöchern. In den meisten Fällen lassen sich Wirbelsäule, Rippen, Schädel und Gliedmaßen beim Hund etwa ab dem 44. bzw. 45. Trächtigkeitstag im Röntgenbild erkennen.[3][4] Der trächtige Uterus bildet sich vor dem Verknöcherungszeitpunkt als gleichförmige Verschattung ab, die sich oft nicht von derjenigen einer Pyometra unterscheiden lässt.

3.5 Auskultation

In der letzten Trächtigkeitswoche können unter Umständen auch die fetalen Herztöne auskultatorisch festgestellt werden. Hierzu ist das Stethoskop in der Flanke oder in der Medianen anzusetzen. Die fetale Pulsfrequenz (> 200/min) kann aufgrund des Frequenzunterschiedes von der maternalen Herzaktivität abgegrenzt werden.

4 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

5 Quellen

  1. Taverne MA et al. Pregnancy diagnosis in the dog: a comparison between abdominal palpation and linear-array real-time echography. Vet Q. 1985 Oct;7(4):249-55. (abgerufen am 15.11.2019)
  2. Einspanier A. et al. Relaxin: an important indicator of canine pregnancy Dtsch Tierarztl Wochenschr. 2002 Jan;109(1):8-12. (abgerufen am 15.11.2019)
  3. Concannon P. and Rendano V. Radiographic diagnosis of canine pregnancy: onset of fetal skeletal radiopacity in relation to times of breeding, preovulatory luteinizing hormone release, and parturition. Am J Vet Res. 1983 Aug;44(8):1506-11. (abgerufen am 15.11.2019)
  4. Lopate C. Estimation of gestational age and assessment of canine fetal maturation using radiology and ultrasonography: a review. Theriogenology. 2008 Aug;70(3):397-402. (abgerufen am 15.11.2019)

Diese Seite wurde zuletzt am 15. November 2019 um 16:11 Uhr bearbeitet.

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