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Palliative Sedierung

(Weitergeleitet von Terminale Sedierung)

Synonym: terminale Sedierung
Englisch: palliative sedation, continuous deep sedation

1. Definition

Als palliative Sedierung wird eine Form der Sedierung bei schwer kranken Personen in der letzten Lebensphase bezeichnet. Sie wird eingesetzt zur Linderung von starken Beschwerden (z.B. Schmerzen oder Dyspnoe), die durch andere Maßnahmen nicht beherrschbar sind. Weiterhin kommt sie bei akuten, sehr schweren Symptomen (z.B. unkontrollierten Krampfanfällen) zum Einsatz.

2. Hintergrund

Eine palliative Sedierung kommt in belastenden Situationen zum Einsatz, die sich anders nicht auflösen lassen. Sie stellt keine Form des ärztlich assistierten Suizids dar, da sie die Symptomkontrolle und nicht die Verkürzung bzw. Beendigung des Lebens zum Ziel hat.

Die Reduktion der Symptomlast wird im Rahmen der palliativen Sedierung durch eine verminderte oder aufgehobene Bewusstseinslage (Bewusstlosigkeit) erreicht. Während der Sedierung sollten regelmäßig unter anderem das Bewusstseinsniveau sowie die Linderung der Symptome evaluiert werden.[1]

3. Einteilung

Es existieren verschiedene Formen der palliativen Sedierung.[2]

3.1. ...nach Tiefe der Sedierung

  • Leichte/ milde Sedierung: bei dieser Form der Sedierung, kann der sedierte Patient weiterhin verbal kommunizieren.
  • Tiefe Sedierung: hierbei ist keine verbale Kommunikation mehr möglich.

3.2. ...nach Dauer der Sedierung

  • Zwischenzeitliche oder intermittierende Sedierung: die Sedierung erfolgt über einen klar definierten Zeitraum.
  • Kontinuierliche Sedierung: die Sedierung erfolgt für einen unbestimmten Zeitraum.

In der Regel sollte die palliative Sedierung zunächst als leichte bis mäßige sowie intermittierende Sedierung erfolgen. Liegt hingegen eine akute Krisensituation vor, wie beispielsweise eine akute Atemwegsverlegung, besteht die Möglichkeit, von vornherein eine tiefe Sedierung zu induzieren.

4. Voraussetzung

Voraussetzung für eine palliative Sedierung ist die Aufklärung und informierte Einwilligung des Patienten bzw. eines rechtlichen Vertreters, falls der Patient nicht selber zustimmen kann. Die Indikation für eine palliative Sedierung muss sorgfältig geprüft und dokumentiert werden. Eine palliative Sedierung sollte eine Sterbebegleitung oder personelle Nähe beispielsweise durch Pflegende oder Angehörige nicht ersetzen.

Die palliative Sedierung erfolgt in der Palliativmedizin durch kompetente und erfahrene Ärzte und Pflegefachkräfte.[1]

5. Medikation

Folgende Medikamente können beispielsweise zur palliativen Sedierung eingesetzt werden:[3]

Wirkstoffklasse Beispiel Merkmale
Benzodiazepin Midazolam
  • Medikament der ersten Wahl zur gezielten Sedierung
  • Peak-Effekt bei i.v. Gabe nach fünf Minuten
  • insbesondere bei Patienten, bei denen auch Angst gelindert bzw. ein antiepileptischer Effekt erreicht werden soll
Antipsychotika Levomepromazin
  • Medikament der zweiten Wahl zur gezielten Sedierung
  • Kombination mit Benzodiazepinen, wenn diese alleine nicht ausreichen
  • insbesondere, wenn Symptome eines Delirs vorliegen
Narkotika Propofol
  • Geeignetes Medikament, wenn andere Medikamente nicht ausreichen
  • Für ambulante Behandlung nicht geeignet

Für eine palliative Sedierung sollte grundsätzlich die niedrigstmögliche Dosis des jeweiligen Medikaments bzw. die entsprechende Sedierungstiefe gewählt werden, die notwendig ist, um die Symptome des Patienten effektiv zu lindern.[3]

Treten während der palliativen Sedierung Veränderungen der Atmung, wie beispielsweise eine Hypoventilation auf, muss überprüft werden, ob diese durch die Medikamentendosis hervorgerufen wurde oder Ausdruck der Sterbephase ist. Ist die Medikation Ursache der veränderten Atmung, wird die Dosis entsprechend angepasst. Falls die abnehmende Atmung durch die Sterbephase bedingt ist, ist keine Dosisreduktion notwendig.

Opioide sind keine geeigneten Arzneistoffe für eine gezielte palliative Sedierung. Die Dosiserhöhung einer bereits bestehenden Opioidtherapie ist ebenfalls kein geeignetes Mittel, das zur gezielten Sedierung eingesetzt werden sollte.[3]

6. Quellen

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