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Supraspinatus-Test nach Jobe

Synonyme: Supraspinatus-Test, Jobe-Test

1 Definition

Der Supraspinatus-Test nach Jobe, oder kurz Jobe-Test, ist ein orthopädischer Test, welcher im Rahmen der klinischen Untersuchung des Schultergelenks ein Impingement-Syndrom, besonders eine Mitbeteiligung des Musculus supraspinatus und der Supraspinatus-Sehne bestätigen oder ausschließen kann.

2 Durchführung

Der Patient sitzt oder steht mit dem Rücken zum Untersucher. Der Patient bringt den Arm aktiv in eine 90°-Abduktion sowie eine 30° Anteversion (Flexion) im Schultergelenk. Die Ellenbogen sind gestreckt. Der Arm wird nun in eine Pronationsstellung gebracht, sodass der Daumen zum Boden zeigt. In dieser Stellung wird der Patient aufgefordert, den Arm gegen Widerstand, den ihm der Untersucher durch Herunterdrücken des Arms entgegen bringt, weiter im Schultergelenk zu abduzieren oder dagegen zu halten. Empfindet der Patient hierbei Schmerzen oder ist eine Abduktion gegen leichten oder keinen Widerstand nicht möglich, so ist der Test als positiv zu bewerten. Zum Seitenvergleich in Bezug auf die Kraft beider Arme kann der Test gleichzeitig an beiden Armen durchgeführt werden, wobei der Untersucher mit beiden Armen einen Widerstand gegen beide Arme des Patienten aufbaut.

2.1 Empty-Can-Variante

Zur isolierten Erfassung der Funktion des Musculus supraspinatus wird der Arm in dieser Position sowohl im Schulter- als auch im Ellenbogengelenk proniert, sodass der Daumen zum Boden zeigt. Diese Haltung erinnert an das Ausschütten einer Dose, woraus sich die Namensgebung ergibt. In dieser Position ist nun die abduktorische Komponente des Musculus biceps brachii komplett sowie die des Musculus deltoideus größtenteils ausgeschaltet, wodurch eine isolierte Betrachtung der Funktion des Musculus supraspinatus möglich wird.

2.2 Full-Can-Variante

Bei der Full-Can-Variante wird der Arm im Schulter- und Ellenbogengelenk supiniert, sodass der Daumen nach kranial zeigt. Wird der Test nun durchgeführt, ermöglicht er eher die Betrachtung einer Läsion der langen Sehne des Musculus biceps brachii.

3 Anatomie und Pathophysiologie

Die Rotatorenmanschette, bestehend aus den Muskeln Musculus infraspinatus, Musculus supraspinatus, Musculus subscapularis und Musculus teres minor stabilisiert das Schultergelenk, dessen hohes Bewegungsausmaß sich durch die kleine Gelenkpfanne im Vergleich zum Humeruskopf erklärt. Aufgelagert ist die Bursa subdeltoidea sowie der Musculus deltoideus. Der Musculus supraspinatus dient der Initiation der Abduktionsbewegung. Er startet die Abduktion und führt sie bis zu einem Winkel von etwa 70° aus, ab welchem der Musculus deltoideus die Abduktion übernimmt (bis zu einem Winkel von 80° fungiert der Musculus deltoideus als Adduktor).

4 Beurteilung

4.1 Positiver Ausfall

Gibt der Patient während des Herunterdrückens der Arme durch den Untersucher an, einen Schmerz zu verspüren, oder lässt sich ein Arm deutlich leichter herunterdrücken als der andere, ist der Test positiv. Dies kann hinweisend auf ein Impingement-Syndrom der Schulter oder eine Tendinitis der Supraspinatussehne sein.

Bei einem positiven Ausfall des Tests in der Full-Can-Variante kann eine Ruptur (z. B. im Rahmen einer SLAP-Läsion), eine Tendinitis oder ein Riss der Sehne des Musculus biceps brachii vorliegen.

Bei positivem Ausfall können zur weiteren Differenzierung und Klärung der Ursache zum einen weitere klinische Untersuchungstests und bildgebene Verfahren (MRT, Röntgen) sowie eine Arthroskopie mit direkter Interventionsmöglichkeit angewandt werden.

4.2 Negativer Ausfall

Fällt der Supraspinatus-Test negativ aus, sollte der Fokus bei bestehenden Schulterbeschwerden auf andere Muskeln der Rotatorenmanschette gelegt werden.

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